Das MoID-Team

Das MoID-Team: Laurent Meyer, Amel Mahmuzić, Dennis Pagano und Phillip Bellé (vorne)

„Die Deutschen muss man förmlich zwingen, eine App auszuprobieren“

Das Münchner Startup MoID will den Kontaktaustausch revolutionieren. Ohne, dass man aktiv etwas dafür tun muss, erkennt die MoID-App Treffen zwischen zwei Nutzern. So können Gesprächspartner auch nach einer Konferenz oder Party ihre Kontaktdaten austauschen.

Die drei Gründer Phillip Bellé, Damir Ismailović und Dennis Pagano feilen seit 2011 an der App. Was MoID besser mache als andere zuvor und weshalb das MoID-Team seinen Fokus nicht noch einmal auf den deutschen Markt richten würde, erzählt Phillip Bellé im Interview mit Gründerszene.

Was bedeutet MoID und worum geht es da?

MoID steht für Mobile-ID und bedeutet in der Astronomie „minimum orbit intersection distance“, was die kürzeste Distanz zwischen zwei Planeten auf ihren Umlaufbahnen ist. Das war zwar Zufall, aber wir fanden, dass es gar nicht so schlecht passt: MoID ist eine App für Android und iOS, die es ungemein erleichtert, sich mit Menschen online zu verbinden, die man im realen Leben getroffen hat.

Wie ist die Idee dazu entstanden?

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Die Idee zu MoID hatte ich schon 2008 während eines Auslandssemesters in den USA. Unter Studenten war es einfach unüblich, Visitenkarten auszutauschen, also habe ich immer probiert, mir die Namen zu merken, um die Leute danach bei Facebook zu adden. Das hat natürlich nicht immer so super geklappt – deshalb habe ich nach einer App gesucht, die das erleichtert, aber nichts gefunden. Damit war die Idee geboren.

Und wie habt ihr Gründer euch zusammengefunden?

Ich selber habe BWL an der LMU studiert, allerdings mit Schwerpunkt Finanzen und Rechnungswesen, habe also selber wenig zu tun gehabt mit Entrepreneurship und Marketing. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach Mitgründern gemacht. 2011 bin ich in einer Zeitung auf eine Anzeige für ein App-Praktikum an der TU München gestoßen und habe die beiden Organisatoren, Dennis Pagano und Damir Ismailović, angeschrieben, ob sie nicht motivierte Studenten kennen, die Lust hätten, mir bei der Umsetzung der App zu helfen und eventuell mitzugründen.

Umso erfreuter war ich, als sich schon im ersten Gespräch herausgestellt hat, dass sowohl Dennis als auch Damir daran interessiert sind – damit stand das Gründerteam für MoID. Wir harmonieren perfekt, das würde ich jederzeit wieder so initiieren.

Wie funktioniert die MoID-App?

Du lädst dir MoID runter und startest die App einmal. Ab dann fängt sie an, aufzuzeichnen, wo du dich befindest und probiert, herauszufinden, wer sich in der Umgebung bewegt. Das funktioniert via GPS, Bluetooth, Wifi – wir benutzen eigentlich alle Sensoren des Smartphones, die uns der Nutzer zur Verfügung stellt, um dann möglichst genau Treffen mit anderen Personen in der Umgebung zu erkennen. Man kann sich das wie ein Navigationssystem vorstellen, das dauerhaft läuft – mit dem großen Unterschied, dass man bei MoID den Akkuverbrauch kaum merkt, da haben wir lange dran gearbeitet.

Wenn ein Treffen erkannt wurde, kann man dem Gegenüber ausgewählte Kontaktdaten anbieten oder sich mit ihm vernetzen – das muss aber immer beidseitig sein. Wenn du möchtest, kannst du dich über MoID auch direkt mit ihnen über ein soziales Netzwerk wie Facebook, Twitter, LinkedIN oder Xing verbinden.

Datenschutz dürfte gerade für euer Konzept ein wichtiges Thema sein.

Das stimmt, vor allem in Deutschland werden wir viel darauf angesprochen. Wir nehmen das sehr ernst. Wir haben deutsche Server, auf denen die Daten liegen. Wir löschen sämtliche lokalen Daten nach einer Woche wieder komplett, also so schnell wie möglich. Wir geben die Daten natürlich auch nicht an Dritte weiter und verarbeiten sie auch nicht Marketing-technisch.

Ihr seid nicht die ersten, die die traditionelle Visitenkarte abschaffen wollen – Xing, Cardcloud oder Hashable haben es bereits versucht, aber nicht geschafft. Was macht euch besser als die anderen?

Unser absolutes Alleinstellungsmerkmal ist, dass du dir mit unserer App während des Treffens aktiv keine Gedanken um den Kontaktaustausch machen musst. Bei allen anderen, musst du das Smartphone dann doch wieder herausholen und simulierst dann digital den Akt des Visitenkarten-Austauschens. Bei MoID lässt du das Smartphone einfach in der Hosentasche und musst dich um gar nichts kümmern, sondern kannst dich auf das Gespräch mit deinem Gegenüber konzentrieren. Der Kontaktaustausch passiert dann, wenn du willst und Zeit dazu hast.

Damit das Konzept funktioniert, braucht es eine kritische Masse. Wie wollt ihr die generieren?

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Die haben wir zur Zeit noch nicht, wir arbeiten aber daran, indem wir unser Produkt immer weiter verbessern. Zum Beispiel ist ein neues Feature bei uns, dass dein Gegenüber MoID noch nicht nutzen muss, damit der Kontaktaustausch klappt. Sondern du kannst für deinen Gesprächspartner an einem virtuellen Ort deinen Namen, ein Foto und eine Notiz liegen lassen. Andere können nicht darauf zugreifen. Wenn sich dein Gesprächspartner dann später die App herunterlädt, kann er dich darüber finden und ihr könnt euch vernetzen.

Wir konnten unsere Downloadzahlen dadurch auch schon verbessern. Ansonsten haben wir auch schon ein bisschen PR und Marketing gemacht, aber dazu fehlt uns leider momentan ein bisschen das Geld.

Wie seid ihr denn momentan finanziert?

Hauptsächlich über Family und Friends. Ansonsten sind wir gerade dabei, einen starken Partner zu finden. Wir können uns auch vorstellen, dass unsere Technologie in eine andere App integriert wird – bei jemandem, der das Problem der Reichweite schon gelöst hat. Zum Beispiel Xing, Facebook, LinkedIn, Evernote oder Eventbrite – mit einigen sind wir tatsächlich auch in Gesprächen, aber da ist noch nichts spruchreif.

Die MoID-App ist kostenfrei für iOS und Android zu haben, Werbung wollt ihr auch nicht schalten. Wie wollt ihr zukünftig Geld verdienen?

Wir würden die App gerne irgendwann verkaufen, vielleicht auf Jahresbasis für einen Euro. Es wäre auch ein Freemium-Modell möglich, wir haben viele Ideen für Zusatzfeatures.

Um uns kurzfristig weiterzubringen, versuchen wir im Moment unsere Technologie, Treffen zu erkennen, zu extrahieren und auch für andere über Lizenzmodelle zugänglich zu machen. Da geht es gar nicht unbedingt nur um Kontaktaustausch und soziale Netzwerke.

Es muss also gar nicht nur beim Thema Visitenkarte bleiben?

Witzigerweise nicht. Wir haben damit zwar angefangen, unsere App wird aber teilweise ganz anders genutzt. Studenten schauen zum Beispiel, wer gerade mit in der Vorlesung sitzt. Wir sind vielleicht so ein bisschen an der Schnittstelle zwischen Visitenkarte und, naja, erste Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht. Wir sind aber keine Dating-App, dafür bieten wir zu wenig Funktionalitäten, was Nachrichten schreiben und so weiter betrifft.

Ihr seid sowohl in Deutschland als auch in den USA aktiv. Welcher Markt steht im Fokus?

Wir haben uns anfangs ganz klar auf Deutschland fokussiert, cleverer wäre es aber gewesen, wenn wir uns auf die USA konzentriert hätten. Einmal weil es in den USA erheblich mehr potenzielle Nutzer als in Deutschland gibt – wir haben mittlerweile auch mehr Nutzer in Amerika als in Deutschland. Und dann ist ein wesentlicher Punkt, dass Amerikaner einfach viel schneller etwas ausprobieren als Deutsche. Wir waren neulich für eine Woche im Silicon Valley – unglaublich, wie viele Leute man dort direkt davon überzeugen kann, diese App auszuprobieren und Kontaktdaten auszutauschen. In Deutschland muss man die Leute förmlich dazu zwingen.

Bild: MoID