Mompreneurs-Gründerin Esther Eisenhardt

„Mütter sind eine der am meisten unterschätzten Ressourcen überhaupt“, findet Esther Eisenhardt. Die Wahlberlinerin ist selbst zweifache Mutter und hat elf Jahre lang in der Startup-Branche gearbeitet, zuerst bei Ebay, dann bei Brands4friends und Rebate Networks. Nach der Geburt ihrer Töchter machte sie jeweils ein Jahr Pause, arbeitete dann aber weiter – manchmal Vollzeit, manchmal Halbzeit. Mittlerweile sind ihre Töchter sieben und neun Jahre alt.

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Vor einem dreiviertel Jahr machte sich Eisenhardt selbstständig. Sie startete in Berlin Mompreneurs, ein Netzwerk für Mütter, die ein eigenes Unternehmen gegründet haben oder gründen wollen. Mit einem ausführlichen Portrait pro Woche auf der Seite Mompreneurs.de macht sie seitdem auf selbstständige Mütter aufmerksam: „Es gibt so viele tolle Frauen, die spannende Projekte machen, die aber keiner kennt“, findet Eisenhardt. Auch in der Berliner Gründerszene bereits bekannte Gesichter wie Amber Riedl von Makerist oder Sarah Seelinger von Librileo hat sie schon portraitiert.

Eisenhardt möchte aber vor allem, dass sich die Gründer-Mamas kennenlernen, untereinander Tipps austauschen – und so auch Fehler bei der Gründung vermeiden. Über die geschlossene Mompreneurs-Gruppe auf Facebook, die derzeit rund 900 Mitglieder hat, können sich die Frauen austauschen. Eisenhardt hat jedes Mitglied geprüft und zugelassen. Austausch gibt es auch offline: In acht deutschen Städten sowie in Zürich und Wien finden mittlerweile Mompreneurs-Treffen statt. „Aus viele Städten außerhalb Berlins haben sich mittlerweile Frauen bei mir gemeldet, die das Konzept in ihrer Stadt einführen wollen“, erzählt Eisenhardt begeistert. Bald soll beispielsweise das erste Treffen in Köln stattfinden.

Der Mompreneurs-Gründerin ist es wichtig, dass die Frauen auf den Treffen nicht nur Smalltalk führen, sondern auch wirklich etwas dazulernen. Daher steht beispielsweise beim nächsten Treffen in München eine kurze Vorstellungsrunde auf der Agenda. Jede Teilnehmerin hat dann eine Minute Zeit, sich selbst und die eigene Business-Idee vorzustellen. „Die Frauen sollen lernen, kurz und knackig auf den Punkt zu bringen, was sie machen. Wenn andere das verstehen und davon überzeugt sind, dann ist das die Basis für Vernetzung  und Weiterempfehlung. Und das kostet dann auch nichts.“

Neben den Meetups gibt es aber auch Seminare, etwa zu SEO-Optimierung, über rechtliche Fehler von Jungunternehmerinnen oder zur Notwendigkeit von Blogs.

„Ich bin selbst Mompreneur, also eine Mom und Entrepreneur“, sagt Eisenhardt. „Ich kenne die Probleme und Herausforderungen der Mütter ganz genau.“ So rät sie Müttern immer wieder, sich für ihr Produkt ein Nische zu suchen, die eigenen Aufgaben stark zu priorisieren und den Fokus nicht zu verlieren. „Fokus ist das wichtigste! Mütter haben schließlich nur wenig Zeit und müssen deswegen ihre Stunden sinnvoll nutzen.“ Außerdem rät sie allen selbstständigen Frauen, die vorhandenen Tools geschickt zu nutzen. Auch sie habe sich Programme wie WordPress oder Gimp selbst beigebracht.

In den USA ist der Begriff „Mompreneur“ oder „Mommy Entrepreneur“ schon bekannt. Seiten wie Foundingmoms.com und Themompreneur.com widmen sich dieser Gruppe.

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Eisenhardt betont aber auch, dass ihr Netzwerk nicht die Sheryl Sandbergs von morgen vereinen möchte. „Ich wollte ein Netzwerk für Frauen bauen, die etwas Eigenes aufbauen – ohne dass es gleich das nächste Facebook werden muss.“ Sie finde ohnehin, dass Erfolg ganz anders definiert werden sollte – gerade bei Gründerinnen mit Kindern. „Wer Kinder hat, will auch leben und Zeit mit ihnen verbringen. Vielen der Gründerinnen geht es deswegen nicht darum, möglich viel Geld in kürzester Zeit zu verdienen.“ Auch sie selbst kann von Mompreneurs noch nicht leben, Geld verdient sie bisher nur über eine Beteiligung am Eintritt für die Meetups und Seminare. Ihre Seite ist bisher komplett werbefrei. Eisenhardt hat aber schon mehrere Monetarisierungsmodelle im Kopf, so will sie künftig Sponsoren für ihre Events finden. Dabei könnte dann auch das Netzwerk der anderen Mompreneurs helfen, glaubt Eisenhardt.

In unserer Bildergalerie stellen wir Euch in Kooperation mit Mompreneurs 15 Mütter vor, die ihr eigenes Startup gegründet haben. 

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Die Journalistin Stefanie Bilen gründete 2011 zusammen mit der Medienmanagerin Nicole Mai das Startup Saal Zwei, ein Business-Online-Magazin für Frauen. Beide kennen sich vom Handelsblatt. Inzwischen bieten die Hamburgerinnen auch Seminare und Events für die Community an.

Schreibt uns gerne eine Mail an redaktion@gruenderszene.de, wenn Ihr auch beeindruckende Frauen kennt, die ein Startup gegründet haben. 

Bilder: Jagna Zuzanna Birkhof für Mompreneurs; Mitarbeit: Christina Kyriasoglou