Das Team des Londoner Startups Mondo

Sie haben darum gewettet, wie lange es dauern wird, die Million vollzumachen. Viele Mitarbeiter von Mondo setzten auf eine Zeit von etwa einer Stunde. „Das niedrigste Gebot: drei Minuten“, erzählt Jonas Huckestein, der deutsche Mitgründer und CTO des Londoner Banking-Startups. Wie sich herausstellte, war selbst das zu vorsichtig gewettet. Nach gut eineinhalb Minuten war die Million Pfund erreicht.

Das Team konnte bereits vor einer Woche absehen, dass das Crowdinvesting durch die Decke gehen würde. Als das Funding am Montag startete, brach unverzüglich die Plattform Crowdcube zusammen. Mondo stoppte die Kampagne, startete am Donnerstag neu – und brach alle Crowdfunding-Rekorde: In nur 96 Sekunden waren sämtliche Anteile weg.

Dabei ist Mondos Produkt noch nicht einmal für jeden zugänglich. À la Number26 arbeitet das 25-köpfige Team an einem nutzerfreundlichen mobilen Girokonto, das derzeit 2.000 User testen. Woher der Hype dann kommt? Jonas Huckestein klingt selbst noch ein wenig beeindruckt, als er versucht, die Resonanz zu erklären. „Es hat, glaube ich, einfach in unser ,Narrative‘ gepasst“, sagt er. „Wir versuchen unsere Nutzer so viel wie möglich einzubinden, diskutieren alle möglichen Vorschläge wie Design-Änderungen an der App in unserer Community.“ Auch habe man bei Mondo jeden der Test-Nutzer bereits eingeladen und persönlich kennengelernt.

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Das Startup informierte vor der Kampagne alle Interessenten auf der Warteliste für eine Mondo-Prepaidkarte. Bei BBC Breakfast machte Mitgründer und CEO Tom Blomfield am Morgen vor dem Start ebenfalls noch Werbung. Um mehr Unterstützer beteiligen zu können, deckelte Mondo die Investments bei 1.000 Pfund pro Kopf.

Uniabschluss mit 19 Jahren

Zuvor investierte der Kapitalgeber Passion Capital bereits fünf Millionen Pfund in das Banking-Startup – zu einer Post-Money-Bewertung von 30 Millionen Pfund. Das Crowdinvesting war nur ein Teil dieser Serie A, vergangenen März hatte Passion bereits zwei Millionen Pfund investiert.

Davon, so rechnet Mondo vor, seien nun 1,7 Millionen Pfund verbraucht – um das Produkt aufzubauen und eine Banklizenz zu beantragen. „Wir wollen sehr transparent sein“, erklärt Huckstein. Und schweigt sich im Gegensatz zu vielen Gründern nicht über die Zahlen seines Startups aus. Mondo legt seine künftige Finanzplanung offen und beschreibt im Blog, dass es über die nächsten fünf Jahre 75 Millionen Pfund Kapital benötigen wird. Ein großer Teil davon ist als Eigenkapitaleinlage geplant – wenn die Banklizenz einmal in der Tasche ist.

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Jonas Huckestein

CTO Jonas Huckestein, der mit 19 Jahren seinen Uniabschluss machte und bereits den Y Combinator durchlief, startete Mondo gemeinsam mit Tom Blomfield im Februar 2015. Zuvor waren beide bei der Londoner Startup-Bank Starling, wegen Differenzen ging allerdings ein Teil des Teams und fing an, Mondo aufzubauen.

Blomfield, der auch das Fintech-Startup Gocardless gegründet hat, und Huckestein kennen sich bereits aus ihrer Zeit in New York. Dort arbeiteten sie gemeinsam beim Dating-Startup Grouper – mit weniger Erfolg. „Tom hat immer gesagt: ,Wenn ich groß bin, will ich eine eigene Bank starten‘“, erzählt Huckestein. Als es in London dann soweit war, überredete er den Deutschen, einzusteigen. Dabei war Huckestein eigentlich schon fast auf dem Weg nach Chile für ein Accelerator-Programm.

„Die Banken werden einen Titanic-Moment erleben“

Wenn er sich heute die Technologien der Banken so anschaue, sagt Huckestein, zweifle er nicht daran, dass Mondos Vorhaben klappen könne. „Sie wurden vor 40 Jahren gebaut. Zum Teil gibt es die Menschen gar nicht mehr, die diese Tech gemacht haben.“ Er glaubt: „Die Banken werden einen Titanic-Moment erleben. Sie sind bereits über den Point of no Return hinweg.“

Diesen maroden technischen Zustand wollen die beiden Gründer für sich nutzen. Zwar hätten auch Banken die Idee für einen Wisch-Schalter, mit dem man in der App sein Konto bei Kartenverlust sperren kann. „Aber bei den wirren IT-Systemen wissen sie nicht, wo sie ansetzen müssen, um das zu modifizieren.“

Vor anderen Banking-Startups wie Number26, der Atom Bank, der Tandem oder der Starling Bank hat Huckestein ebenfalls keine Angst. Er glaubt: „Wir werden uns nicht gegenseitig kannibalisieren – sondern die großen Banken.“ Number26 sieht der Gründer als Vorbild – im Gegensatz zu dem Berliner Fintech will sich Mondo allerdings ausschließlich auf das Girokonto mit Dispokredit konzentrieren und keine weiteren Produkte für Erspartes oder beispielsweise Hypotheken anbieten.

Das Girokonto soll den Kunden dabei helfen, ihr Geld besser zu managen. „Man kann absehen, wenn jemand am Ende des Monats pleite ist“, sagt Huckestein. „Es wird heute aber immer erst später gehandelt.“ Von Banken sei man Strafgebühren und Briefe gewohnt. Das will er ändern: So soll den Nutzern zum Beispiel rechtzeitig ein Dispo über 200 Pfund vorgeschlagen werden, wenn abzusehen ist, dass nicht mehr genug Geld auf dem Konto liegt, um die Miete zu zahlen.

Der Weg zur Banklizenz ist hart

Über Zinsen für die Dispokredite will Mondo auch sein Geld verdienen. Doch Huckestein kennt trotz seiner Zuversicht die Probleme, die dem Startup bis dahin noch im Weg stehen. Vor allem ist da die Banklizenz. Die braucht Mondo, um profitabel werden zu können – denn ohne Lizenz kein Geschäft mit Krediten.

Im Dezember hat das Startup die Lizenz beantragt, deutlich später als vorher geplant. „Das dauert einfach sehr, sehr lange“, weiß der Huckestein jetzt. Daher arbeitet Mondo erst einmal mit einer Tochter der Wirecard Bank zusammen, die die Prepaid-Karte ausgibt.

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Bisher ist Mondo nur in London aktiv. „Das Prepaid-Konto an sich funktioniert vielleicht auch in anderen Märkten“, überlegt Jonas Huckestein. Allerdings kommt dem Startup da die Währung in die Quere – Euro-Konten und weitere Sprachen bringen großen Aufwand für das kleine Team mit sich.

So konzentriert sich Mondo erst einmal auf UK. „Die Pound-Sterling-Lizenz hat auch Vorteile“, sagt Huckestein. „Sie ist weltweit recht angesehen.“ Außerdem müsse man geringeres Eigenkapital vorweisen als in manchen anderen Staaten.

Der CTO kann sich auch vorstellen, seine Konten irgendwann einmal nach Deutschland zu bringen. „Aber“, sagt er – siehe Crowdfunding-Rekord – „wir lernen immer wieder, dass niemand wirklich gut darin ist, die Zukunft voraus zu sagen.“

Bild: Mondo