monzo-blomfield-huckstein
Die Monzo-Gründer Tom Blomfield und Jonas Huckestein (rechts)

Eine Million Pfund in nur 96 Sekunden – das war bisher das schnellste Crowdfunding überhaupt. Es gelang der Londoner Startup-Bank Monzo vor etwas mehr als einem Jahr und der Zulauf brachte die Server der Funding-Plattform zum Absturz.

Auch heute noch scheint der Hype um das Fintech ungebrochen. Von der begeisterten Crowd sammelte Monzo gerade erneut 2,5 Millionen Pfund ein. Die Warteliste war lang: Dieses Mal wurde ausgelost, wer überhaupt investieren durfte. Nicht mal jeder sechste kam zum Zug.

Das Gründerteam um CEO Tom Blomfield und CTO Jonas Huckestein hat es geschafft, eine starke Community zu aufzubauen. „Wir wissen eigentlich auch nicht ganz genau, wie“, sagt Huckestein, der bei Monzo CTO ist und ursprünglich aus Deutschland kommt. Einen Erklärungsversuch wagt er trotzdem. 

„Früher haben wir zwei Mal pro Woche je 100 Nutzer in unser Büro eingeladen, um ihnen Monzo zu zeigen“, so Huckestein. Das habe sicher geholfen. „Aber heute bei 180.000 Usern geht das nicht mehr.“ Stattdessen habe die Startup-Bank nun zwei Mitarbeiter, die sich Vollzeit darum kümmerten, dass die Nutzer Treffen an ihren Wohnorten organisierten, um sich auszutauschen.

Was Monzo aber vor allem von anderen Startup-Banken unterscheide, sei der Kundenservice, glaubt Huckestein. Rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche seien die Mitarbeiter erreichbar. Und: „Das sind gut ausgebildete Leute.“ Um Kundenanfragen möglichst effizient zu bearbeiten, hat Monzo ein eigenes System entwickelt, in welchem die Nachrichten der Nutzer einlaufen und dann automatisch einem passenden Mitarbeiter zugewiesen werden. Um den richtigen zu finden, sind die verschiedenen Fähigkeiten der Angestellten im System erfasst und beispielsweise vermerkt, wer im Umgang mit Kreditkarten-Betrug geschult ist. Huckestein glaubt: „Der gute Service spricht sich rum.“

Kushner-Fonds steckt Millionen in Monzo

Möglich, dass dieser direkte Kontakt zum Unternehmen für den Hype wichtig ist. Gerade bei Startups kommt die Kundenbetreuung oft zu kurz. Die deutsche Startup-Bank N26 hatte beispielsweise Ende des vergangenen Jahres mit unzufriedenen Kunden zu kämpfen, die zum Teil wochenlang auf Antworten warteten. Wie sich die beiden Banken im Vergleich schlagen werden, könnte sich bereits bald zeigen: „Für 2018 sind Euro-Konten geplant“, sagt Huckestein. Und: „Deutschland ist ein attraktiver Markt.“

Vor wenigen Wochen konnte sich Monzo neben dem Crowdfunding ein Investment über knapp 20 Millionen Pfund sichern. Bei einer Bewertung von 65 Millionen Pfund hat der New Yorker Fonds Thrive Capital von Joshua Kushner investiert, Ivanka Trumps Schwager. Außerdem beteiligte sich der VC Passion Capital, der Monzo bereits seit einiger Zeit unterstützt. Das Kapital soll nun für etwa ein Jahr reichen.

Gleichzeitig hat Monzo seine Banklizenz erhalten: Die Gründer hatten sie bereits im Dezember 2015 beantragt. „Wir dachten, dass wenn wir schnell sind und immer zügig antworten, dass wir dann auch schnell die Lizenz bekommen“, erklärt Huckestein. Doch Monzo musste fast anderthalb Jahre ohne eigene Lizenz durchhalten.

Nun bereitet das Fintech vor, was Jonas Huckestein Phase zwei nennt: Bis Ende des Jahres sollen alle Kunden von dem Prepaid-Produkt (Phase eins) wechseln und Kunde bei der Bank Monzo werden. Dann soll auch erstes Geld verdient werden: mit Zinsen für Dispokredite. „Langfristig wollen wir einen Banking-Marktplatz schaffen, wo Kunden zum Beispiel ihren Energie-Anbieter wechseln oder ihr Haus refinanzieren können.“ Huckestein betont stets, dass die Idee nicht neu ist – aber die Umsetzung wolle man eben besser machen als die Wettbewerber. Zu denen gehören in Großbritannien zum Beispiel Atom oder Starling. Letztere sogenannte „Challenger Bank“ hatte Tom Blomfield mitgegründet und dann gemeinsam mit Huckstein verlassen, um Monzo zu starten.

Hohe Verluste sind eingepreist

Laut Finanzplan, den Monzo offenlegt, rechnet das Unternehmen in dem Geschäftsjahr bis Februar 2018 mit einem Umsatz von etwa 3,4 Millionen und einem Verlust von 9,7 Millionen Pfund. Im Jahr von März 2019 bis Februar 2020 soll der Umsatz dann auf 17,8 Millionen gesteigert worden sein und der Verlust noch bei 5,6 Millionen liegen. Der Fokus liegt also klar auf Wachstum, nicht auf Profit.

Ein Ausschnitt aus Monzos Finanzplan (Anklicken zum Vergrößern)

Die Zahlen sind sicherlich nichts für Risiko-averse Anleger. Die Transparenz dürfte aber ein weiterer Grund dafür sein, dass sich viele Kunden gut informiert fühlen und an Monzo interessiert sind.

Auch bei Problemen versucht das Startup, möglichst offen zu kommunizieren. Anfang März gab es beispielsweise gleich zwei Mal in einer Woche technische Schwierigkeiten mit der App und den Zahlungen. „Da müssen wir sofort reagieren und es der Öffentlichkeit erklären“, so Huckestein. „Und natürlich das Customer Team briefen.“ Generell rege man Nutzer dazu an, Bugs zu melden und bedanke sich, wenn welche gefunden würden.

Auf die Sicherheit müsse man besonders achten, so Huckestein. Gerade bei dem Wachstum, das bevorstehe. Denn Monzo soll nichts weniger als eine weltweite Bank werden – und das in den kommenden zehn Jahren. „Es gibt technisch keinen Grund dafür, nicht überall in der Welt Kunden zu haben“, sagt Huckestein. Den Brexit sieht er bei der Expansion zur Zeit noch nicht als Hindernis: „Für das Geschäft werden wir sowieso viele verschiedene Lizenzen benötigen“, so der Gründer. „Ein paar mehr oder weniger machen da keinen Unterschied.“

Team_Monzo
Das Monzo-Team in London

Bilder: Monzo