Wenn es um Geschäftsstrategie geht – gibt es da gewisse Dinge, an die Du fest glaubst?

An tiefgründiges Wissen. Man muss sich auskennen mit dem, was man macht. Ich weiß das besser als die meisten anderen.

Und wann weiß man, dass man genug weiß?

Man muss immer weiter Fragen stellen. Es war immer mein größtes Asset, dass ich nachgefragt habe, wenn mir was nicht gleich eingeleuchtet hat.

Du hast schon viele Startups beim Wachstum begleitet. Gibt es gewisse Punkte, an denen es besonders kritisch wird?

Der erste ist sicherlich, die Geschäftsidee „richtig“ hinzukriegen. Das ist eine philosophische Frage, denn man muss sich und das Projekt immerzu anpassen. Bis mein aktuelles Projekt Transferworks, ein Fintech-Dienstleister, richtig funktioniert, werden wahrscheinlich 15 Leute an der Spitze gestanden haben.

Viele sagen, es ist wichtig, dass der Gründer an der Spitze bleibt, schon wegen der Kontinuität für das Team. Das siehst Du also anders.

Irgendwann müssen die Gründer raus aus ihrem Startup. Dann können sie woanders hin gehen und dort weitermachen. Der Typ, der mit mir zusammen im Keller eine Idee hatte, sollte das Unternehmen nicht mehr führen, wenn es größer ist. Es wäre doch sehr merkwürdig, wenn er das gut könnte. Google wird auch nicht von den Gründern geführt. Und Mark Zuckerberg hat mit Sheryl Sandberg eine sehr starke Geschäftsfrau neben sich.

Lebst Du auch Dein Leben wie ein Startup?

Leute, die einen festen Job haben, gehen oft mehr Risiken ein als Unternehmer das tun. Sie hängen davon ab, dass der Boss nicht verrückt wird und die Frau nicht fremdgeht. Jobs sind niemals sicher. Die Frau in der Sparkasse – was macht sie, wenn es die Filiale nicht mehr gibt?

Du hast mal gesagt, „there will always be ups and downs but for entrepreneurs it’s always the same“. Was meinst Du damit?

Das braucht wahrscheinlich etwas Kontext. Wenn man sich im Leben voran bewegt, gibt es immer Höhen und Tiefen. Es ist wie beim Sport: Man wird niemals Spitze an Spitze an Spitze schaffen. Nur Städte scheinen über die Zeit zu überleben, tausende von Jahren. Unternehmen sind irgendwann weg.

Gerade stand in einem Artikel: Wenn Uber es nicht schafft, tötet das die gesamte Tech-Industrie. Siehst Du das auch so?

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Uber ist fast schon „too big to fail“. Klar, sie haben politische Herausforderungen zu lösen. Aber mit sowas muss ein Unternehmen umgehen können, vor allem in dieser Größe. Und Uber macht das sehr professionell. Viel wichtiger ist die Frage: Wie wird die Sharing Economy uns verändern? Wir bauen gerade eine Diskussionsgruppe auf, eine Art Think-Tank, die sich mit genau dieser Frage auseinandersetzen soll. Man muss über so etwas sprechen, niemand ist sich über die Konsequenzen bewusst.

Too big to fail – gibt es so etwas überhaupt?

Na ja, eigentlich nicht. Nokia hat einmal zwei Drittel aller Mobiltelefone weltweit hergestellt. Und heute? Auch Apple wird irgendwann von der Bildfläche verschwinden. In zehn Jahren benutzen wir keine Apple-Produkte mehr. Irgendwer oder irgendwas wird es ablösen. So ist das im Leben. Und in der Wirtschaft ist es nicht anders.

Gibt es eine Wahrheit, die Gründer wissen sollten, die nicht in den Büchern steht?

Nicht zu unterschätzen, wie viel man von sich investieren muss, um ein Startup erfolgreich zu machen – das geht auch zurück auf das, was ich über das Wissen gesagt habe. Und: Manchmal ist es verlockend, in der Szene selbst zu versinken. Ganz konkret vergessen viele Gründer auch oft, wie wichtig die Finanzen sind, von Beginn an. Es sind die Details, die wichtig sind. Zum Beispiel: Wenn man mit einem großen Konzern zusammenarbeitet, muss man manchmal 120 Tage waren, bis man sein Geld bekommt. Wenn man Gehälter zu bezahlen hat, muss einem das bewusst sein.

Zum Schluss noch kurz der Blick auf die hiesige Startup-Szene. Was machen deutsche Startups besonders gut?

Internationale Rollouts zum Beispiel. Der Samwer-Stil ist unglaublich beeindruckend. Die Brüder sind extrem gute Executors, auch wenn mich ihre Philosophie nicht umhaut. Bei anderen ist das ganz anders. Lukasz Gadowski zum Beispiel nimmt sich gerade zwei Jahre Zeit, um nachzudenken. Das ist toll. Und was die Deutschen gerne vergessen: mal stolz zu sein auf ihre Leistungen.

Morten, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Morten Lund

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