Motius Michael Sauer

Michael Sauer ist einer der fünf Gründer von Motius

Erfinderwerkstatt, so könnte man Motius nennen. Das Münchner Startup entwickelt neuartige Produkte und Prototypen – gemeinsam mit 600 Studenten, Forschern und Ingenieuren. Die Auftraggeber sind meist mittelständische Unternehmen oder Konzerne. Für BMW arbeitet Motius beispielsweise im Bereich autonomes Fahren. Für einen Entrepreneur im Oman entstand eine intelligente Gebetsmatte.

Michael Sauer gründete die Motius GmbH 2013 gemeinsam mit Philipp Dörner, Zièd Bahrouni, Daniel Weiss und Hendrik Schriefer. Die ehemaligen Studenten der TU München lernten sich im Qualifizierungsprogramm Manage & More der Universität kennen. Mittlerweile beschäftigt ihr Unternehmen 45 Mitarbeiter und unterhält zwei Büros, in München und Maskat, Oman. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen nach eigenen Angaben einen siebenstelligen Umsatz. Der Gründer Michael Sauer im Interview über die Besonderheiten seines Unternehmens.

Michael, Ihr habt Büros in Deutschland und dem Oman. Wie kam es dazu?

Einer meiner Mitgründer, Zièd Bahrouni, ist in Maskat im Oman aufgewachsen. Bei Heimatbesuchen wurde er immer wieder von dortigen Bekannten und Expats gefragt, ob er Ingenieursaufgaben von Deutschland aus für sie machen könne. So ist die Idee entstanden, mit flexiblen Teams aus deutschen Ingenieursstudenten und Doktoranden technische Problemstellungen im Oman zu lösen. Später klopften auch in Deutschland Firmen wie Bosch und BMW an.

Warum setzt ein Konzern wie BMW nicht ein eigenes Team darauf an?

Große Konzerne wie BMW haben sehr festgefahrene und oftmals langsame Strukturen. Interne Genehmigungsprozesse sind aufwendig und kosten Zeit. Wir können wesentlich schneller für die gewünschten Projektergebnisse sorgen und gleichzeitig innovative Ideen und Ansätze liefern.

Wie gestaltet sich so eine Zusammenarbeit?

Firmen wie BMW kommen mit unterschiedlich detaillierten Themen auf uns zu. Manchmal ist schon ein genauer Projektinhalt definiert, oftmals steht aber bisher nur ein grobes Konzept oder die Idee. Wir arbeiten dann gemeinsam den Projektinhalt und das Projektziel aus. Anschließend stellen wir ein Team aus unserem Talent Pool zusammen, das das Produkt entwickelt und von unseren Teamleitern betreut wird.

Was für Produkte und Prototypen sind so bereits entstanden?

Es gibt verschiedene Projekte im arabischen Raum, wie zum Beispiel die intelligente Gebetsmatte und die automatisierte Backmaschine für traditionelles omanisches Khubz-Brot. In Deutschland haben wir in Zusammenarbeit mit BMW eine neuartige Gestensteuerung entwickelt. Für BSH bauten wir ein Produkt, um Haushaltsgeräte in die Smart-Home-Welt zu integrieren und für das mittelständische Unternehmen HAWE entwickelten wir eine Lösung im Bereich Industrie 4.0.

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Ihr arbeitet auch mit Startups zusammen, die für ihre Schnelligkeit bekannt sind. Wofür brauchen die Eure Hilfe?

Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Projekt für ein Startup aus München. Die haben einem potenziellen Kunden auf einer Messe ein Produkt schmackhaft gemacht, das das Startup zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht hatte. Der Kunde hat angebissen und ein Prototyp musste in drei Monaten stehen. Dafür wären aber eine Vielzahl an Entwicklern aus verschiedenen Bereichen notwendig gewesen. Das Startup hätte das aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht stemmen können. Wir haben das übernommen und den Prototypen innerhalb des Zeitrahmens entwickelt.

Was unterscheidet Eure Dienstleistung von den vielen anderen Lösungen auf dem Markt?

Es gibt natürlich eine Vielzahl an traditionellen IT- und Ingenieurdienstleistern. Diese sind für Serienentwicklungen geeignet, wo jahrelange Berufserfahrung und ein tiefes Branchenverständnis notwendig ist. Gerade das ist aber bei innovativen Themen hinderlich, wo wir mit unserem Ansatz, unserer Nähe zur Forschung und den neuesten Technologien einen Mehrwert für die Kunden liefern wollen. Durch unseren Talent Pool aus über 600 Studenten, Forschern und jungen Ingenieuren können wir wesentlich schneller auf Anfragen reagieren und mit Projekten beginnen. Spätestens nach zwei Wochen. Außerdem spielt vor allem für kleinere Firmen und Startups natürlich auch der Kostenfaktor eine wichtige Rolle.

Du hast mehrfach den Talent Pool erwähnt. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Projektmitarbeitern?

Für die Auswahl der Mitarbeiter haben wir ein dreistufiges Auswahlverfahren entwickelt, das verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel Code-Tests, mit einbezieht. Neben unseren festangestellten Teamleitern sind die Projektmitarbeiter meist als Werkstudenten angestellt. Diese haben in den Projekten in der Regel eine höhere Verantwortung als in traditionellen Studentenjobs, was dementsprechend entlohnt wird. Nachdem die Studenten mit dem Studium fertig sind, arbeiten sie bei uns entweder als festangestellte Teamleiter weiter oder gehen direkt zu unseren Kunden.

Bild: Motius