Wer hat’s erfunden?

Die Geschichte von den beiden Umzugs-Startups hat alle Zutaten für einen handfesten Streit. Da ist einmal Movinga – ein Startup, das den Umzugsmarkt umkrempeln will. Und da ist der Fast-Namensvetter Movago. Zwei Berliner Startups, eine Idee.

Nicht nur die Namen ähneln sich, in ihren Slogans stecken die identischen Buzzwords: „Movinga ist einfach, zuverlässig, sicher und dazu noch günstig“, hieß ein Slogan bis vor wenigen Tagen. „Einfach.Günstig.Sicher.Zuverlässig“, der andere. Beide Startups können angeblich durch ihre Technologie die Preise für einen Umzug „bis zu 70 Prozent“ senken – bei „100 Prozent“ Zufriedenheit. Es riecht nach einem Copycat. Nein, es stinkt.

Movinga-Gründer (oben) und Movago-Gründer

Movinga-Gründer (oben) und Movago-Gründer

In den vergangenen Tagen gaben die beiden Startups fast zeitgleich ihre Finanzierungen bekannt – wie der Zufall es will, beide mit namhaften Investoren und mit einem sechsstelligen Betrag (hier und hier). Die hämischen Kommentare folgten prompt: „Mal wieder der Versuch von beschäftigungslosen Ex-Beratern kreative Gründer zu kopieren“, kommentiert Piedro unter dem Finanzierungs-Artikel von Movago. „Ganz klar ein schlechtes Copycat und eine Schande für das Unternehmertum in Deutschland.“ Andere Leser schlagen sich auf die eine oder andere Seite, sind gar enttäuscht, dass Gründerszene überhaupt berichtet.

Bei Movinga selbst blenden die Gründer den Copycat-Streit aus, auch wenn ihre Seite schon seit Anfang des Jahres live ist – also früher als die der Wettbewerber Movago. „Uns war bewusst, dass wir Nachahmer bekommen“, sagt Bastian Knutzen. Der WHUler sagt Sätze wie: „Wir konzentrieren uns auf das Produkt und auf unsere Expansion – und schauen nicht auf Wettbewerber.“ Antworten wie aus einem PR-Handbuch. Dass die Movinga-Macher sehr wohl auf den Wettbewerber schauen, ist schnell ersichtlich. Sie haben sich die .org-Domain von Movago gesichert. Dazu was sagen? Lieber nicht.

Ein „denkbar dummer“ Name für den deutschen Markt

Die Kollegen von Movago streiten den Copycat-Vorwurf ab: „Wenn also der Vorwurf besteht, wir hätten ein bestehendes Modell kopiert, dann könnte man am ehesten wahrscheinlich Moving.com beziehungsweise klassische international agierende Logistikunternehmen heranziehen“, sagt Maximilian Lanig, Mitgründer von Movago. Vorbild sei aber sicherlich „nicht Movinga, die ein rein nationales Geschäft in einem sehr, sehr frühen Stadium betreiben“. Außerdem: Die Gründungsinvestoren hätten sich schon seit 2012 mit dem Umzugsmarkt auseinandergesetzt.

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Am Namen will sich das Startup nicht orientiert haben: „Das wäre auch denkbar dumm, da die jetzige Situation in Deutschland den Mitbewerber cross-advertised, was nicht optimal ist“, sagt Lanig. Das Startup habe versucht, einen möglichst internationalen Namen zu wählen. Und die ähnlichen Schlagworte? Kein Problem, die gibt es auf allen internationalen Umzugsseiten.

Hat Movago von Movinga kopiert? Oder haben beide sich einfach nur am US-amerikanischen Vorbild orientiert? Dass die beiden Unternehmen den Wettbewerber beobachten und gleichzeitig nach Übersee schauen, ist wahrscheinlich. Chancenlos sind beide mit ihrem Funding nicht.

Schnellstart für die beiden Startups

So oder so sehen ihre Websites bei einem genaueren Blick nach einem Schnellstart aus. Bei Movago ist das Unternehmen angeblich auf verschiedenen europäischen Märkten parallel gestartet. Auf die britische Seite kommt man über die Website jedoch noch nicht.

Die vermeintliche Movinga-Kundin findet sich auch auf thailändischen Umzugsseiten.

Und bei Movinga verwendet das Unternehmen Stockphotos für seine Bewertungen. So schreibt Emma H. wie sie mit dem Umzugs-Startup erfolgreich von Madrid nach München gekommen sei. „Movinga hat im Grunde über die Grenze hinweg alles für uns übernommen und uns trotz Stau und Überstunden keinen Cent zusätzlich berechnet“, schreibt sie auf der Website. Das Foto der vermeintlichen Movinga-Kundin kommt jedoch von Getty Images. Anderen Testemonials sind ebenfalls von einem Fotoanbieter. Das ist nicht erlaubt, wie Rechtsanwalt Carsten Ulbrich der Gründerszene einmal sagte.

 

Also: Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Karton.

Bild: Stefanie Grewel / Getty Images; Montage: Gründerszene; Movago, Movinga; Screenshot