MyBoshi Thomas Jaenisch Startup-Helden

Die MyBoshi-Gründer Thomas Jaenisch (30, l.) und Felix Rohland (29) präsentieren sich mit ihren handgemachten Boshis („boshi“ ist das japanische Wort für „Mütze“).

„Startup-Held“ Thomas Jaenisch im Interview

Thomas Jaenisch und Felix Rohland befanden sich 2009 bei einem Skilehreraustausch in Japan, als sie von einer spanischen Kollegin vom Spaß des Häkelns angesteckt wurden. Die zwei Jungs begannen, ihre eigenen Mützen zu häkeln und erkannten viele potenzielle Abnehmer der individuellen Beanies. Fünf Jahre später haben sie mit MyBoshi über 80.000 handgefertigte Kopfbedeckungen verkauft und liefern mittlerweile auch eigene Wolle und DIY-Häkel- und Strick-Sets in 15 Länder. 13 Festangestellte beschäftigt das Startup aus dem bayrischen Konradsreuth heute, und rund 30 „Häkel-Omis“ können mit ihrer Arbeit ihre Rente aufstocken.

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Dabei bedienen die Franken den aktuellen Trend des Handgemachten: So vetreibt das Fürther Jungunternehmen MyOma bereits handgestrickte Mützen, Schals und Socken sowie Wolle und Strickbücher. Makerist und Meisterclass wollen Do-it-Yourself-Fans das Häkeln, Stricken, Nähen und Basteln beibringen. Und die Plattformen DaWanda und Etsy erfreuen sich schon seit Jahren großer Communities von Liebhabern des Handgemachten.

Im Interview erzählt MyBoshi-Mitgründer Thomas Jaenisch, wie er und Felix Rohland das Unternehmen per Bootstrapping hochzogen, und wie sich zwischen ihnen und den „Häkel-Omis“ nahezu ein Oma-Enkel-Verhältnis entwickelt hat.

Mit welchen Mitteln habt Ihr MyBoshi aufgezogen?

Wir hatten keinerlei finanzielle Unterstützung für die Firmengründung an sich. Wir haben mit zwei Knäueln Wolle und einer Häkelnadel angefangen, dann haben wir unsere erste Boshi verkauft und uns von dem Geld vier Knäuel Wolle gekauft. So ging es weiter. Allerdings haben wir für die Programmierung unserer ersten professionellen Homepage etwas Geld von unseren Großeltern bekommen. Alles andere mussten wir uns selbst erarbeiten und uns auch oftmals durchbeißen.

Hattet Ihr schon vorher Business-Wissen oder habt Ihr einfach „drauflos gemacht“?

Wir haben am Ende unseres Studiums gegründet, sind also ganz frisch und unerfahren in das Business eingestiegen und haben uns nach und nach das nötige Wissen angeeignet. Ich selbst habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und konnte davon natürlich profitieren, selbstverständlich haben wir auch mal eine falsche Entscheidung getroffen, aber nur dadurch lernt man.

Was waren Eure größten Stolpersteine auf dem Weg nach oben?

Am schwierigsten war es anfangs, andere von unserem Plan zu überzeugen, um Unterstützung, egal in welche Richtung, zu bekommen. Wenn man so sehr von seiner Idee überzeugt ist und wirklich sein Herzblut hineinsteckt, aber niemand wirklich daran glaubt und dich unterstützen möchte, dann arbeitet man einfach noch härter und versucht es allein zu schaffen. Das haben wir getan. Ein Stolperstein muss also kein Hindernis, sondern kann auch Ansporn sein.

Die Mützen werden mittlerweile von sogenannten „Häkel-Omis“ angefertigt. Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Als die Nachfrage doch zu groß wurde, um alles selbst abzuhäkeln, haben wir kurzerhand eine Anzeige geschaltet, in der wir nach häkelbegeisterten Rentnerinnen gesucht haben. Und unser Team besteht tatsächlich aus Rentnerinnen unserer Region, die nebenbei in Heimarbeit für uns häkeln. Zu unseren „Häkel-Omis“ haben wir mittlerweile ein wirkliches Oma-Enkel-Verhältnis. Da bleibt man, wenn es die Zeit zulässt, auch gerne mal auf einen Kaffee, wenn man die neuen Bestellungen vorbeibringt.

Mittlerweile vertreibt ihr auch Häkelsets und -bücher. Was soll noch kommen?

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In unserem vierten Buch „4 Seasons“ gibt es auch die ersten Anleitungen zum Stricken, sowie einige Tipps und Tricks für Strickeinsteiger. Wir versuchen, die Handarbeitswelt mit immer neuen Ideen zu begeistern. Bei uns wird es, was neue Ideen angeht, nie langweilig! Außerdem haben wir natürlich in den Ländern, in denen wir vertreten sind, auch sehr schöne Bücher mit unseren Anleitungen veröffentlicht. Wir versuchen, unseren Boshi-Spirit so weit wie möglich zu verbreiten, denn es macht ja jeden stolz, etwas selbst zu machen und es auch zu tragen. Wir freuen uns jedes Mal, wenn andere Handarbeitsbegeisterte dieses Gefühl teilen und sich von unseren Ideen inspirieren lassen.

Bild: MyBoshi