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Gründer Matti Niebelschütz (links) und die neue Geschäftsführerin Carina Stammermann

Carina Stammermann wird MyParfum-Geschäftsführerin

Dass sich bei MyParfum etwas verändern würde, war zu erahnen. Erst gestern kündigte Mitgründer Matti Niebelschütz im Neujahrs-Fragebogen von Gründerszene an: „Ich werde etwas ganz Konträres ausprobieren“, und: „Ich werde mir einige Monate freinehmen, um mein Buchprojekt zu Ende zu bringen.“

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Das heißt konkret: Niebelschütz zieht sich ab jetzt aus der Geschäftsführung zurück. Neue Geschäftsführerin wird Carina Stammermann, die vom Luxus-Schuhversand Scarosso kommt. Davor managte sie das Bestandskundenmarketing bei MyParfum.

Trotzdem will Matti Niebelschütz, der das Startup 2008 mit seinem Bruder Yannis gegründet hatte, an Bord bleiben. Gemeinsam mit Stammermann wolle er MyParfum neu ausrichten, das Führungsteam von Gründer und Geschäftsführerin ergänze sich hervorragend: „Ich bin ein guter Unternehmer, ein guter Visionär, aber ich bin BWL-technisch nicht unbedingt der beste“, gibt Niebelschütz zu. „Es gibt Leute, die besser mit Zahlen umgehen können. Sie liebt Zahlen.“

Der Teilrückzug des Gründers ist auch eine Reaktion auf die Erfahrung der MyParfum-Achterbahnfahrt in den letzten zwei Jahren. 2012 stiegen Investoren im großen Stil ein, die Teamgröße schoss von 15 auf 60 Mitarbeiter. 2013 folgte der Absturz: Insolvenz. Und im Sommer der Rückkauf der Brüder aus der Insolvenzmasse.

Nun will das Startup, bei dem nur noch sechs Leute arbeiten, einen anderen Stil pflegen: „Wir wollen sehr viel gesünder angehen lassen.“ Nach 19, spätestens 20 Uhr solle keiner mehr arbeiten. Mehr Urlaub soll drin sein. Und: „Ich will nicht mehr so mörderische Deadlines für Projekte setzen.“

Niebelschütz will es ruhiger angehen lassen

Generell soll nachhaltigeres Denken Einzug halten in der Firma. Mit Partnern spreche man mittlerweile über langfristige Verträge, teilweise will man sich fünf Jahre aneinander binden. „Es geht nicht mehr um das Streben nach schnellem Wachstum, nach dem schnellen Exit“, sagt Niebelschütz. „Ich kann mir gut vorstellen, das Unternehmen in 50 Jahren an meine Enkel zu übergeben.“

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Dazu passt, dass MyParfum nun von sich selbst als „Traditions- und Familienunternehmen“ spricht. Und dass es mehr Wert auf das Offline-Geschäft legt: Im Herbst wurde das erste Atelier in der Berlin Rheinhardstraße eröffnet, „langfristig sinnvoll“ seien mindestens vier eigene Ladengeschäfte, verteilt über das Bundesgebiet. Über Partner-Parfümerien soll MyParfum flächendeckend offline verfügbar sein: „100 Standorte kann ich mir vorstellen“, sagt Niebelschütz.

An einem Traum hält der Gründer fest: die Expansion in die USA. Daran hatte sich MyParfum schon einmal erfolglos versucht. „Später einmal“, meint Niebelschütz, vorerst gehe es darum, ein gesundes Unternehmen zu bleiben, „mit gut bezahlten Mitarbeitern, coolem Klima, einem Team, in dem man sich gut kennt“. Denn: „Man kann mit einem Sechserteam genauso viel reißen wie mit 60 Leuten.“

Bleibt die Frage, was in dem Buch von Matti Niebelschütz stehen wird. „Meine Erlebnisse als Gründer“, antwortet er. „Ich habe aber keine Ahnung, ob oder wann es je fertig wird.“

Bild: MyParfum

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