mysportworld-lager

Mysportgroup-Lager in Berlin-Neukölln

Strategieschwenk und Entlassungen bei Mysportgroup

Die Sache mit der Europa-Expansion war eigentlich schon beschlossene Sache. „Die weitere Internationalisierung der Mysportgroup auf europäischem Level erfolgt in den kommenden Monaten“, ließ das Berliner E-CommerceStartup im November 2012 mitteilen. Und als das Unternehmen einige Monate zuvor ein eigenes Logistikzentrum im Berliner Trendstadtteil Neukölln eröffnete, da verkündete Geschäftsführer Albert Schwarzmeier: „Die Mysportgroup ist auf starkem Wachstumskurs“, mit der 10.000 Quadratmeter großen Halle könne man die „Expansion in weitere Auslandsmärkte umsetzen“.

Doch die Internationalisierung ist vorerst abgeblasen. Mitgründer Schwarzmeier ist als Geschäftsführer abgetreten. Und auch sonst läuft bei den Berlinern, die den Sportartikelversand Mysportworld und den Shopping-Club Mysportbrands betreiben, gerade wenig nach Plan.

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Ende September mussten mindestens 30 Mitarbeiter gehen, zwei Drittel davon Festangestellte. Das bestätigt Mitgründer Erik Pfannmöller, an dessen Seite seit Schwarzmeiers Abgang der Ex-Roland-Berger-Mann Nicola Szekely als Co-Geschäftsführer steht. Es war allerdings nicht die erste Entlassungsrunde bei Mysportworld: Schon im November 2012 und April 2013 wurde Mitarbeitern gekündigt, an die genauen Zahlen will sich Pfannmöller nicht mehr erinnern können, es seien „auf jeden Fall immer weniger als zehn Prozent der Mitarbeiterzahl“ gewesen, also jeweils „an zwei Händen abzählbar“. Er sagt auch: „Das sind ganz normale Ratios für Startups mit großem Wachstum.“

Update vom 18. Oktober 2013: Erik Pfannmöller, Gründer und CEO der Mysportgroup, reagiert auf diesen Gründerszene-Text vom 17. Oktober 2013 mit folgendem Leserbrief:

„Strategischer Fokus auf das Vollsortiment-Business Mysportworld: In den letzten neun Monaten haben wir auf mysportworld.de, unserem Vollsortiment-Sportshop, die Umsätze mehr als verdoppelt und gleichzeitig (!) mehr als elf Prozent an Profitabilität gewonnen. Für unsere Kunden haben wir unsere Produktanzahl in der gleichen Zeit um mehr als 650 Prozent auf heute über 20.000 Produkte erhöht und Ende 2013 werden wir das größte Angebot im Netz im Sportbereich anbieten mit mehr als 40.000 Produkten aus allen Sportarten. Entsprechend fokussieren wir uns auf das Vollsortimentgeschäft Mysportworld und damit verliert der Shoppingclub relativ an Bedeutung. Auch wenn das die Trennung von wertgeschätzten Kollegen bedeutet, so ist es die unternehmerisch richtige Entscheidung. Die Firma ist sicher finanziert und positioniert – unser Ziel ist und bleibt die Nummer Eins im Sport-E-Commerce.“

Ende von Mysportbrands nicht ausgeschlossen

Klar ist: Bei der aktuellen Kündigungswelle geht es um andere Dimensionen. Von den 100 Mitarbeitern, die Mysportworld im Juli noch auswies, bleiben jetzt noch 70.

Der Grund für die Entlassungen im September sei eine Anpassung der Strategie, sagt Pfannmöller. Dahinter steht aber auch das Eingeständnis, dass die Konstruktion der Mysportgroup in der bisherigen Form gescheitert ist. Seit dem Start 2010 wurden darunter der Online-Shop Mysportworld und der Shopping-Club Mysportbrands geführt. Letzterer hat die Erwartungen offenbar enttäuscht – ein Schicksal, das zuletzt auch andere Einkauf-Clubs wie Pauldirekt, Adas Avenue oder Juvalia ereilte.

Pfannmöller kündigt an: „Wir fokussieren uns strategisch mehr auf das Geschäftsmodell Mysportworld.“ Der Shopping-Club solle dagegen mehr und mehr automatisiert werden und weniger Aktionen haben. „Wir wollen das Thema leaner aufsetzen.“ Und explizit schließt der Geschäftsführer nicht aus, „dass wir den Shopping-Club schließen werden“.

Einstieg von SevenVentures geplatzt

Ein ganz normaler Strategieschwenk also – oder zeigen die drei Entlassungsrunden an, dass es dem Unternehmen doch schlechter geht als Pfannmöller zugeben will?

Der widerspricht. Der Nettoumsatz werde 2013 bei 25 Millionen Euro liegen, nach etwa 17 Millionen im Vorjahr und weniger als zehn Millionen 2011. Und es gebe ausreichend Kapital: „Wir sind für die nächsten zwei Jahre durchfinanziert, mindestens aber für die nächsten 18 Monate.“ Richtig ist, dass die Gesellschafter um die katalanische Nauta Capital und die Luxemburger Cipio Partners im Juli 2012 mit 13,5 Millionen Euro und im Juli 2013 mit zusätzlichen fünf Millionen Euro kräftige Summen in das Unternehmen investiert haben. Während die 13,5-Millionen-Runde noch explizit mit den Expansionsplänen von Mysportgroup begründet wurden, drängt sich bei der letzten Runde vor drei Monaten der Eindruck auf, hier hätten die Altinvestoren nachschießen müssen.

Dazu passt, dass im Frühjahr 2013 offenbar ein Einstieg von SevenVentures, dem Media-for-Equity-Unternehmen der ProSiebenSat.1-Gruppe, kurz bevorstand – und dann platzte. Pfannmöller bestätigt solche Gespräche.

Europa-Expansion in 2014?

Mit den Entlassungen habe dies jedoch nichts zu tun gehabt, beteuert er. Die seien einem ganz normalen Rationalisierungsprogramm gefolgt: „Wir haben früher bei 200 verschiedenen Marken eingekauft. Wir kaufen jetzt selbst bei weniger Marken ein und lassen viel über Partner erledigen.“ Deswegen seien Stellen vor allem im Shop-Management und im Einkauf weggefallen. Pfannmöller betont auch, ihm sei das keineswegs egal: „Unsere Mitarbeiter sind exzellent und wir haben sie aktiv an andere Unternehmen vermittelt.“

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Für Pfannmöller und die verbliebenen 70 Mitarbeiter stellt sich die Frage: Wird der Sportversand mit der Konzentration auf das Shop-Geschäft Erfolg haben? Nach Auskunft des Geschäftsführers glauben daran mittlerweile auch neue Geldgeber. „Wir sind in Gesprächen mit Investoren, die schon so gut wie abgeschlossen sind.“ Es gehe dabei um einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“.

Vielleicht wird das Geld dann auch in die lange hinausgeschobene Europa-Expansion fließen. Noch sei nichts beschlossen, sagt Pfannmöller – im zweiten Quartal 2014 könne man „darüber reden“.

Bild: Mysportworld

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