Die MyTaxi-Gründer Sven Külper (l.) und Niclaus Mewes

Die MyTaxi-Gründer Sven Külper (l.) und Niclaus Mewes

Niclaus Mewes darüber, wie es mit MyTaxi weiter geht

Auch der Stuttgarter Autokonzern Daimler will an den neuen Mobilitätsangeboten mitverdienen: Das Tochterunternehmen Moovel hat deswegen vor wenigen Tagen die komplette Übernahme von MyTaxi verkündet. Der Kaufpreis ist allerdings nicht bekannt. Moovel, damals noch unter Car2Go bekannt, war bereits 2012 bei MyTaxi eingestiegen.

Das Hamburger Startup wurde im Sommer 2009 von Niclaus Mewes und Sven Külper gegründet. Mit MyTaxi können Kunden direkt über die App ein Taxi bestellen, ohne über den Umweg einer Funkzentrale gehen zu müssen. Pro vermittelter Fahrt zahlt der Taxifahrer einen festgesetzten Betrag an MyTaxi. Der Dienst kann derzeit auf über zehn Millionen App-Downloads und 45.000 registrierte Taxifahrer in 40 Städten blicken. Insgesamt 150 Mitarbeiter beschäftigt das Hamburger Startup.

Im Interview spricht MyTaxi-Gründer Niclaus Mewes über den neuen Besitzer, die Pläne nach der Übernahme und die Auswirkungen des Uber-Streits.

Niclaus, Glückwunsch zum Exit. Könnt Ihr Details zum Deal mit der Daimler-Tochter verraten?

Über den konkreten Kaufpreis wurde – wie das in solchen Fällen üblich ist – Stillschweigen vereinbart. Aber ich kann sagen, dass wir sehr zufrieden und sehr happy sind.

Wie genau passen MyTaxi und die Mobilitätsplattform Moovel zusammen?

Interessanterweise hatten wir bereits bei der Gründung 2009 die Vision, dass wir uns in Richtung einer Mobilitätsplattform entwickeln wollen. 2011 stieg dann Moovel, beziehungsweise damals noch Car2Go, als Investor bei uns ein. Seitdem entwickeln wir auch die App für Car2Go. Das hat für uns strategisch einen großen Mehrwert gebracht, weil Carsharing eine sinnvolle Ergänzung zum Taxi ist.

Ich kann nur sagen, dass wir mit Moovel unseren Wunschpartner gefunden haben. Die mehrjährige enge Zusammenarbeit bestätigt, dass wir perfekt zusammenpassen, denn wir teilen dieselben Visionen und brennen beide für das Thema neue und fortschrittliche Mobilität.

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Stehen MyTaxi und Car2Go nicht auch in Konkurrenz zueinander?

Das sehen wir nicht so. Beide Angebote kann man sehr gut miteinander verbinden. Ein Beispiel: Ich bin zu einer Party eingeladen und fahre mit einem Car2Go-Fahrzeug zur Party. Später, wenn ich gegebenenfalls zwei bis drei Bier getrunken habe, nehme ich dann ein MyTaxi nach Hause.

Besonders für junge Menschen spielt das Auto als Statussympol keine große Rolle mehr. Genau für solche Menschen ist Moovel als Mobilitätsplattform, die verschiedene Optionen bietet, wie man am besten von A nach B gelangt, perfekt.

Was verändert sich bei Euch durch die Übernahme?

Erstaunlich wenig. Wir arbeiten genauso hart an der Weiterentwicklung von MyTaxi wie zuvor. Allerdings herrscht bei uns jetzt ein anderer Spirit, weil wir nur noch einen Shareholder haben und es da ein stärkeres Gemeinschaftsgefühlt gibt. Das haben wir auch gemerkt, als wir den Exit gefeiert haben.

Heißt das, dass jetzt ein Umzug nach Stuttgart ansteht?

Nein. Es gibt keine Pläne für einen Umzug. Beide Unternehmen werden von ihren bisherigen Standorten weitergeführt. Ich bin ein Hamburger Jung, der sein Unternehmen von der Hansestadt aus großziehen will.

Ihr wollt also von Hamburg aus weiter wachsen.

Ja, auf jeden Fall. Wir wollen das Team vergrößern und suchen deswegen viele neue Mitarbeiter. Außerdem planen wir den Ausbau von MyTaxi in weitere deutsche und internationale Städte. Welche das konkret sein werden, kann ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

Und inwiefern wird das Produkt verbessert?

Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck an einer komplett neuen Version der MyTaxi-Fahrer-App. Sie wird den Fahrern detaillierte Informationen und Statistiken zur Verfügung stellen – etwas, was sich die MyTaxi-Fahrer sehr gewünscht haben. Außerdem wird natürlich auch die Passenger-App weiter verbessert. Gerade gestern haben wir ein Empfehlungsprogramm gestartet, mit der ein Nutzer pro Weiterempfehlung fünf Euro Guthaben erhält. Weiterhin arbeiten wir an neuen Payment-Features und an einem Loyalitätsprogramm.

Die deutsche Taxiverbände kämpfen derzeit gegen alternative Angebote wie Uber, weil sie ihren Markt bedroht sehen. Wie positioniert sich MyTaxi in diesem Streit?

Wir sind der festen Überzeugung, dass Wettbewerb immer gut für den Markt und die Verbraucher ist. Darum begrüßen wir Wettbewerb, denn er führt zu besseren Services und Produkten, von denen am Ende der Nutzer profitiert. Allerdings müssen sich neue Wettbewerber unserer Ansicht nach selbstverständlich auch an bestehende Regeln und Gesetze halten. Das macht Uber nicht. Die meisten Taxifahrer haben erkannt, dass wir und Moovel, beziehungsweise Daimler, ein starker Partner und Mitstreiter zur Abwehr illegaler Marktteilnehmer sind.

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Vor einigen Monaten haben die Taxifahrer aber noch gegen MyTaxi protestiert.

Es stimmt, dass das neue Preismodell, das MyTaxi Anfang des Jahres eingeführt hat, nicht bei allen Taxifahrern auf Begeisterung gestoßen ist. Aber die Aufregung hat sich mittlerweile gelegt, da die meisten Fahrer gemerkt haben, dass die Preiserhöhung weniger hoch ausgefallen ist, als zunächst befürchtet.

Wir stehen in ständigem Austausch mit unseren Fahrern, diskutieren auf Augenhöhe und sind immer für sie da. Darum lieben uns die meisten unserer Fahrer – durch den Streit mit Uber umso mehr.

Wobei Uber behauptet, dass deren Nutzerzahlen durch den Streit stark gestiegen sind.

Das mag sein. Viele Menschen sind durch den Taxistreik Anfang Juni überhaupt erst auf Uber aufmerksam geworden und haben sich die App heruntergeladen. Aber auch unsere Downloadzahlen haben sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt.

Wie verhält sich MyTaxi zu Taxi.eu? Schließlich gehört deren App direkt zum Taxiverband und bietet ähnliche Features.

MyTaxi war die weltweit erste Taxivermittlungs-App und hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden. Und das ist auch gut so, denn wie schon gesagt: Legaler Wettbewerb ist immer gut für den Markt und die Nutzer.

Niclaus, vielen Dank für das Gespräch.

Bild: MyTaxi