Kurz vor Weihnachten hat sich MyTaxi selber ein Geschenk gemacht und die Taxistände vor den Hauptbahnhof in Köln und den Bahnhöfen Messe/Deutz und Köln-Mühlheim von der Deutschen Bahn gepachtet. Und damit das Recht erkauft, zu entscheiden, welche Taxen von welchem Anbieter vor den Bahnhöfen auf Kunden warten dürfen. Ausgebootet wurde Platzhirsch Taxiruf Köln, der 90 Prozent der Taxen in Köln unter Vertrag hat und vermittelt. Während MyTaxi feiert, ist der Ärger bei Taxiruf Köln und vielen Fahrern groß.

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 Vorausgegangen war eine Erkenntnis seitens der Deutschen Bahn. Die hatte bei Durchsicht ihrer Unterlagen festgestellt, dass die Pachtverträge für Standplätze vor den drei Bahnhöfen in Köln seit 1983 unverändert galten. Nur lachhafte 6.000 Euro kostete Taxiruf Köln die Pacht pro Jahr. Die Bahn kündigte daraufhin die Verträge und setze eine Neuverhandlung an. Der Pachtpreis stieg auf 100.000 Euro im Jahr. Nach monatelangen Verhandlungen konnte man sich nicht einig werden, die Deutsche Bahn suchte daraufhin andere Partner – und fand in MyTaxi ein Unternehmen, dass nur zu gerne einsprang.

Durften bisher ausschließlich Wagen des Anbieters Taxiruf Köln die begehrten Standplätze rund um die Bahnhöfe anfahren, verspricht MyTaxi, dass alle Taxifahrer die Bahnhöfe anfahren dürfen. Allerdings erst, nachdem sie eine Plakette gekauft haben, die 120 Euro pro Jahr kostet. Für die Mitglieder des Taxirufs war die Nutzung bisher allerdings auch nicht kostenlos, da die Pachtkosten über die Mitgliedsbeiträge verrechnet wurden. Auch MyTaxi bietet verschiedene Modelle an, mit denen sich Kosten reduzieren oder umgehen lassen. Taxifahrer, die bereits bei MyTaxi registriert sind, zahlen nur 60 Euro. Taxifahrer mit MyTaxi-Außenwerbung erhalten die Plakette kostenfrei und zusätzlich 55 Euro im Monat für die Außenwerbung. MyTaxi weist auch darauf hin, dass die Konkurrenz von Taxiruf Köln für die Standplätze am Kölner Flughafen 175 Euro pro Monate verlangen würde.

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 Bei Taxiruf Köln ist der Ärger über den Verlust der Standplätze verständlicherweise groß. Laut Aussage des Pressesprechers Aleksandar Dragicevic prüft man auch rechtliche Schritte. Im Moment verlegt man sich noch auf Proteste und zweifelt an, dass es MyTaxi überhaupt gelingt, genügend Taxen zur Verfügung zu stellen. Taxiruf Köln verfügt über 1200 Fahrzeuge und mehrere tausend Fahrer. MyTaxi hat laut eigener Aussage 300 Fahrzeuge unter Vertrag. Um den Bedarf an den Bahnhöfen abdecken zu können, muss man, so Taxiruf Köln, circa 400 Fahrzeuge unter Vertrag haben.

Die Strategie des bisherigen Monopolisten in Köln zielt daher auf einen Boykott von MyTaxi ab, damit sich möglichst wenig Fahrer dort anmelden. Der Kölner Stadtanzeiger zitiert Taxiruf Köln mit den Worten: „Wir werden alles daran setzen, dass es MyTaxi nicht gelingt, die Vertragsbedingungen zu erfüllen.“

Das Hamburger Unternehmen gibt sich derweil gelassen. Um neue Fahrer in der Domstadt zu finden, setzt man auf eine Registrierungsprämie. Jedes Unternehmen, das einen neuen Fahrer bei MyTaxi anmeldet, erhält 100 Euro, nachdem mindestens 15 Fahrten über die App absolviert wurden.

Interessant ist die Entscheidung zugunsten von MyTaxi auch hinsichtliche der vielen anderen Bahnhöfe der Deutschen Bahn. Zwar befinde man sich im Moment in keinen weiteren Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, so MyTaxi, aber sei grundsätzlich für eine weitere Zusammenarbeit offen.

Bild: (c) Bildagentur PantherMedia – A11292006 /