Die MyTaxi-Gründer Sven Külper (l.) und Niclaus Mewes

Die MyTaxi-Gründer Sven Külper (l.) und Niclaus Mewes

Warum MyTaxi auf das neue Marktplatzmodell setzt

„Wir wussten, da es etwas Neues ist, dass wir auch aufklären müssen“, sagt MyTaxi-Gründer Sven Külper. „Dass die Reaktion so vehement ist, damit hätten wir nicht gerechnet.“

Deutschlands MyTaxi-Fahrer sind sauer. Auf Külper und seinen Mitgründer Niclaus Mewes, auf deren jüngste Idee: Anfang Januar hatte MyTaxi (www.mytaxi.net) angekündigt, dass von nun an anders abgerechnet werde. Taxifahrer müssen seitdem in einem Marktplatzmodell für Fahrten bieten. „Abzocke. Wucher“, so in etwa reagierten viele Taxler auf die neue Idee. Alles ein Missverständnis, sagt MyTaxi.

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Statt wie bisher eine fixe Provision von 79 Cent pro Fahrt zu bezahlen, müssen die Fahrer in ihrer App voreinstellen, ob sie nur drei oder bis zu 15 Prozent des Fahrtpreises an MyTaxi abgeben wollen. Doch anders als viele Taxler vermutlich denken, spiele dieser Prozentsatz gar keine so entscheidende Rolle für die Vermittlung einer Fahrt, sagt Külper. Der Algorithmus der App prüfe erst zahlreiche andere Kriterien: Das Taxi muss zu den Wünschen des Kunden passen. Will er ein Haustier befördern? Will er einen Fahrer, der mit fünf Sternen positiv bewertet ist? Besonders wichtig sei schließlich die Entfernung. Die App suche erst nach Taxen im Umkreis von drei Minuten, schließlich soll der Kunde nicht lange warten müssen. Als nächstes kämen Kriterien wie die Kundenzufriedenheit mit dem Fahrer, die Erfolgsquote des Taxis und die Frage, ob es mit MyTaxi-Werbung fährt. „Erst danach entscheidet der Prozentsatz, den ein Taxifahrer voreingestellt hat“, sagt Külper.

Einmal nachgerechnet wird deutlich, dass Taxifahrer bei kurzen Stadtfahrten von dem neuen Modell profitieren können. Wer eine 7,90-Euro-Fahrt hinter sich hat, musste bisher mit 79 Cent ganze zehn Prozent an MyTaxi weiterleiten. Bei günstigeren Fahrten entsprechend sogar mehr.

„In Stoßzeiten haben Fahrer manchmal keine Tour angenommen, weil ihnen die Vermittlung keine 79 Cent wert war“, sagt Külper. „Wir konnten den Fahrgästen dann keinen optimalen Service bieten und hatten Schwierigkeiten, unsere Touren zu vermitteln.“ Er nennt ein Beispiel: Wenn es draußen stürmt und schneit, sei es für Taxifahrer leicht, eine Tour zu bekommen. Entsprechend weniger wert sei eine Vermittlung über MyTaxi. Er hofft nun, dass sein Dienst mit dem neuen Modell künftig auch in Stoßzeiten zum Zug kommt – indem die Fahrer ihre Provision eben einfach auf drei Prozent reduzieren.

MyTaxi Delivery startet: Nach einer mehrmonatigen Testphase mit einigen lokalen Partnern wird das Produkt „MyTaxi Delivery“ im Februar live gehen. Dann können Taxifahrer und angeschlossene Kurierdienste auch Lieferdienste übernehmen und zum Beispiel den neuen Fernseher von Media Markt nach Hause transportieren. „Anders als von den Medien aktuell dargestellt, entscheidet allein der Händler, ob und ab wann er MyTaxi Delivery in das eigene Angebot integrieren will“, stellt das Unternehmen klar und ergänzt: „Es gibt zudem keinen bestehenden, flächendeckenden Vertrag hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit Media Markt und Saturn.“

Um die niedrigen Gebühren finanziell auffangen zu können, setzt MyTaxi darauf, dass zu anderen Zeitpunkten auch höhere Provisionen gezahlt werden. Wenn draußen die Sonne scheint und Sommerferien sind, wenn also weniger Taxis gebucht werden, dann sind die Fahrer vielleicht auch bereit, zehn bis 15 Prozent abzugeben, um eine Tour zu bekommen. Das ist natürlich ein Punkt, der die Fahrer nervt. Ausgerechnet an Tagen oder zu Uhrzeiten, an denen es sowieso schon nicht läuft, verdienen sie obendrauf auch noch weniger an einer Fahrt.

Für Taxifahrer bedeutet das, dass sie nachrechnen müssen, wie viel sie im Schnitt abgeben wollen. Wer im Monat rund 4.000 Euro Umsatz macht und 300 Euro für Funk ausgibt, zahlt 7,5 Prozent für seine Fahrten. Durchschnittlich kostet eine MyTaxi-Fahrt 12,50 Euro, mit 79 Cent waren im Schnitt bisher 6,32 Prozent fällig. Bei Fahrten, die mit MyTaxi-Payment abgerechnet werden, mussten die Fahrer zusätzlich noch 2,75 Prozent Payment-Gebühr zahlen, wodurch sie im Schnitt auf rund 9 Prozent Gebühren kamen.

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„Mit der Einführung des neuen Preismodells fallen die Gebühren für MyTaxi-Payment für den Fahrer komplett weg“, sagt Külper. Bei einer Fahrt, die über die App abgerechnet wird, und drei Prozent Provision „verdient MyTaxi nichts, weil die 2,75 Prozent die Transaktionskosten für die Provider decken“, sagt der Gründer.

Er ergänzt: „Wir wollen, dass sich der Wert einer durch uns vermittelten Tour im Preis widerspiegelt.“ Das bedeutet natürlich auch, dass die Fahrer bei langen Touren künftig mehr zahlen müssen. Eine 25-Euro-Flughafen-Fahrt kostet die Taxifahrer bei 7 Prozent Provision 1,75 Euro statt wie bisher 79 Cent.

Külper und sein Mitgründer Niclaus Mewes haben sich nach dem Aufruhr selbst mehrere Stunden an die Hotline gesetzt und versucht, den Fahrern ihre Idee zu erläutern. Sie hoffen darauf, dass die Taxler das Marktplatz-Modell doch schätzen, weil es ihnen Freiheit gibt: „Morgens, wenn wenig los ist, können sie zehn Prozent einstellen, um eine Tour auch zu bekommen. Abends, wenn viel los ist und unser Service entsprechend weniger wert, bekommen Fahrer eine Tour auch für drei Prozent“, sagt Külper.

Bild: Mytaxi