MyTheresa: Vom Laden zum internationalen Shop

Alles begann für Susanne und Christoph Botschen mit Theresa, einem Laden für Luxusmode in München. Das war 1987. 2006 ging das Ehepaar den Weg ins Internet und ist mittlerweile neben der britischen E-Commerce-Plattform Net-à-Porter mit MyTheresa (www.mytheresa.com) einer der größten Online-Anbieter für Luxusmode.

Bis heute sind die Botschens Hauptgesellschafter, eine Finanzierungsrunde gab es nur einmalig im Jahr 2010 mit der Münchner Investmentgesellschaft Acton Capital Partners. 2012 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von rund 44 Millionen Euro. Gründerszene sprach mit den Geschäftsführern Thomas Müller und Jens Riewenherm über internationale Pläne und Konkurrenten, Wachstum ohne Fremdfinanzierung und das neue Logistikzentrum.

Jens und Thomas, alles begann 1987 mit Theresa. Einem Laden in München. Wieso wagten Susanne und Christoph Botschen 2006 der Weg ins Internet?

Jens: Zu dem damaligen Zeitpunkt haben Susanne und Christoph mit dem Gedanken gespielt, eine weitere Filiale in einer anderen Stadt innerhalb Europas zu eröffnen. Das hätte allerdings für die beiden noch mehr Reisen bedeutet, und da hatte Christoph die Idee. Da beide schon immer eher international eingekauft haben, bot sich E-Commerce als ergänzendes Vertriebsmodell an. Und genau das haben sie dann auch einfach gestartet, und wie so oft zunächst mit drei Mitarbeitern aus dem Lagerraum des Theresa-Stores. Mittlerweile sind wir 150 Mitarbeiter an zwei Standorten.

Thomas: Susanne und Christoph haben das Internet von Beginn an als Chance erkannt. Natürlich hat auch der Erfolg einiger Unternehmen im Ausland als reizvolles Vorbild gedient.

Wie hat sich das Businessmodell von MyTheresa seit 2006 gewandelt? Wo steht Ihr gerade. Was plant Ihr noch in diesem Jahr?

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Jens: Das Businessmodell hat sich nicht verändert. Wir legen nach wie vor den Fokus auf internationale Top-Designer von Luxusmode für Frauen, First Lines und Top-Service. Wir machen es jetzt einfach nur viel besser als am Anfang. Unsere Kundinnen kennen jetzt unsere Agenda – jeden Montag, Mittwoch und Freitag gehen jeweils etwa 120 neue Produkte online. Die Kunst ist es den Kundinnen zu erklären, dass die Ware extrem limitiert ist und schnell ausverkauft sein wird. Es geht wie so oft im Luxus um Qualität und Verknappung. Auch die Ästhetik unserer Seite hat sich massiv weiterentwickelt und bietet mittlerweile Inspiration auf höchstem Niveau. Aber natürlich haben wir auch große Baustellen: so haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen unser Bestandskundenmarketing ganz neu aufzusetzen.

Thomas: Besonderen Fokus legen wir auf die Internationalisierung unseres Online-Shops von Deutschland aus. Durch lokalisierte Webseiten mit spezifischen Anpassungen wie lokale Währungen, Bezahlmethoden oder DTP (Duties & Taxes paid: Übernahme aller Einfuhrabgaben, Zölle und Steuern durch mytheresa.com) sowie einem internationalen Customer Care-Team erwirtschaften wir bereits mehr als zwei Drittel des Gesamtumsatzes im Ausland.

International ist natürlich die Konkurrenz noch größer. Wie grenzt Ihr Euch von anderen Luxusshops wie Emeza, Shopbop oder Net-à-Porter ab. Wie seid Ihr schneller? Wie exklusiver? Wie minimiert ihr Retourenquoten?

Thomas: In unserem Segment der Luxusmode, die zum Beispiel auch Net-à-Porter vertreibt, stellt sich die Preisfrage nicht, da wir außerhalb der Sale-Zeiten niemals von den vom Designer vorgegebenen Verkaufspreisen abweichen würden.

Jens: Was uns gegenüber dem Wettbewerb auszeichnet: der klare Fokus auf Damenmode, ein kontinentaleuropäischer Modegeschmack, die handverlesene Produktauswahl sowie unser lokalisierter Kundenservice. Aus über 180 Designkollektionen kuratieren das Buying- sowie das Merchandising-Team unseren eigenen Mix internationaler Modegrößen. Geschwindigkeit heißt für uns eher Timing: Es geht darum, im richtigen Moment die richtigen Produkte online zustellen. Oder hättest du gedacht, dass bereits im August die mit Lammfell gefütterten Schneeboots von Isabel Marant aus der Herbst Winterkollektion 13/14 ausverkauft sind.

MyTheresa verkauft 180 Designermarken online und beliefert Kunden in mehr als 120 Ländern. Zu den Kernmärkten zählen Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Großbritannien und die USA. Welche Märkte wollt ihr noch erschließen und warum?

Thomas: Ein Kernland ist für uns außerdem Italien. Im Februar 2012 haben wir eine italienische Webseite in Landessprache gelauncht. Die französische Version folgte dann im September des gleichen Jahres. Dieses Jahr kamen dann noch die lokalisierten Shops für den Mittleren Osten und Hongkong sowie Australien dazu. Bis Ende 2014 sind fünf weitere Länder geplant. Natürlich beobachten wir sehr aufmerksam die Entwicklung in neuen E-Commerce affinen Märkten mit Lust auf Luxusmode und konzentrieren uns auch weiterhin auf die Erschließung eben dieser.

Sind weitere Wachstumsrunden für die Internationalisierung geplant? 2010 habt Ihr eine Finanzierung von Acton Capital Partners bekommen. Wie groß sind Eure Umsätze und wie stark werdet Ihr im Jahr 2013 wachsen?

Thomas: Das bisherige Wachstum von jährlich 50 bis 60 Prozent können wir durch unsere Profitabilität selbst finanzieren. Weitere Finanzierungsrunden sind nicht beabsichtigt. 2012 erzielten wir einen Umsatz (netto, nach Retouren) von 44 Millionen Euro. Auch in diesem Jahr wird ein Wachstum von mehr als 50 Prozent angestrebt.

Ende Juli hat Euer neues Logistikzentrum eröffnet. Wieso setzt Ihr auf Logistik-Ausbau?

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Thomas: Das neue Logistikzentrum wurde vor drei Wochen in Betrieb genommen. Bis jetzt waren wir alle in einem Bürogebäude untergebracht, das im Laufe der Zeit aus allen Nähten geplatzt ist. Um logistisch effizienter arbeiten und unserem Anspruch auf gute Arbeitsbedingungen gerecht werden zu können, haben wir uns entschlossen einen zweiten Standort zu eröffnen. Schließlich geht es in unserem Marksegment um exzellenten Kundenservice und dabei spielen natürlich die Lieferzeiten eine große Rolle: bereits jetzt liefern wir in München innerhalb von drei Stunden, EU-weit innerhalb von 24 Stunden und selbst Ziele in Übersee wie zum Beispiel Hongkong und Tokio erreichen wir in 48 Stunden, New York sogar in 24 Stunden. Wir sehen das neue Logistikzentrum als Basis für das weitere Wachstum.

Wachstum, sagt Ihr. Wie weit denkt Ihr voraus? Wo steht MyTheresa in fünf Jahren?

Thomas: Operativ denken wir drei bis sechs Monate, strategisch ein bis drei Jahre im Voraus. Ein größeres, strategisches Projekt war die Konzeption und Inbetriebnahme des Logistikzentrums.

Jens: Erklärtes Ziel ist es, die Marktführerposition in Deutschland sowie ausgewählten internationalen Märkten auszubauen beziehungsweise zu erlangen. Die Kunst dabei ist aber, sich trotz des rasanten Wachstums treu zu bleiben und die Positionierung nicht zu verwässern.

Danke Euch für das Gespräch.

Bilder: MyTheresa

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