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Die Kontist-Gründer Christopher Plantener, Madison Bell, Sebastian Galonska und Alexander Baatz (von links).

Schon mit dem Büro will Kontist ein Statement setzen. Das Berliner Fintech-Startup hat seinen Sitz im Coworking-Space WeWork, davor saß das Team im Mindspace – und davor in der Berliner Rainmaking-Loft. Hauptsache Coworking. Denn Gründer Christopher Plantener will möglichst nah an seinen potentiellen Kunden sitzen. Er hat es mit seinem Produkt vor allem auf Freelancer und Solo-Gründer abgesehen und nennt sie gerne die „One-Man-Shows“. Gerade diese Zielgruppe sei groß: „Es ist eine Wachstum-Illusion, dass alle Startups riesig groß werden“, sagt Plantener, denn 95 Prozent blieben eher klein.

Hinter Kontist steht die Idee, einen ähnlichen Weg wie N26 hinzulegen. Eine einfache und möglichst mobile Bedienung – nur eben für Geschäftskunden. Das finnische Startup Holvi, 2011 gegründet, versucht ebenfalls gerade auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Und dann hat Valentin Stalf, Chef von N26, erst kürzlich angekündigt, dass seine Bank auch ein B2B-Angebot einführen will. Wer hat also die besten Chancen auf dem deutschen Markt?

Der Neuling aus Berlin

Der Kontist-Gründer Plantener hat selbst 15 Jahre lang als Freelancer gearbeitet, in den vergangenen Jahren leitete er das Buchhaltungs-Startup Debitoor. „Es ist einfach ungerecht, wie die Banken mit den Selbstständigen umspringen“, sagt er. Die Produkte, die beispielsweise eine Kreissparkasse anbietet, seien nicht für die Bedürfnisse der Kleinunternehmer gemacht.

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Mit einem kleinen Team – darunter auch Alexander Baatz, ein ehemaliger N26-Manager – sitzt der Gründer nun an einem Kontist-Produkt. Dafür gab es eine erste Millionen-Investition von dem dänischen VC Founders und auch Fördermittel. Jetzt gibt das Startup einen weiteren wichtigen Schritt bekannt: Es kooperiert mit der Berliner Solarisbank. Bei der werden dann die Konten liegen. Anfang 2017 will das Unternehmen sein Produkt launchen. Die ersten 1.000 Beta-Nutzer würden Kontist bereits verwenden.

Wie genau will Kontist deren Bedürfnisse treffen? Mit dem Freelancer-Konto soll es beispielsweise möglich sein, die Einkommens- und Umsatzsteuer automatisch auf einem Unterkonto zurückzulegen. „So haben die Freelancer am Ende des Jahres nicht das Problem, dass ihnen Geld für die Steuer fehlt“, sagt Plantener. Mit einer möglichst einfachen Ansprache plant das Startup bald weitere Funktionen: Beispielsweise können die Nutzer Sparziele anlegen – wie für ein MacBook. Monat für Monat wird dann Geld zurückgelegt. Das Startup will außerdem mit anderen Fintechs kooperieren, um seinen Service auszuweiten. „Bestimme Zusatzangebote kosten dann“, erklärt der Gründer. Mit dieser grundsätzlichen Kooperationsstrategie unterscheidet sich das Unternehmen von dem Player Holvi.

Der Etablierte aus Finnland

Das finnische Unternehmen setzt vor allem auf eigene Entwicklungen. Mit dem bestehenden Produkt lässt sich per Holvi etwa die Buchhaltung vorbereiten. „Eine Quittung aus dem Media-Markt wird einfach mit dem Handy fotografiert und der Rechnung zugeordnet“, erklärt Leah Marie Zeppos, die für Deutschland zuständig ist. Einfache Funktionen, beispielsweise eine Notification, wenn eine Rechnung bezahlt wird, seien für Freelancer unglaublich wichtig. Außerdem lässt sich ein eigener Onlineshop über Holvi einrichten.

Und darauf hat das Fintech auch seine Preise abgestimmt. In einer Basis-Version zahlen die Nutzer pro Transaktion, ansonsten gibt es für acht Euro im Monat beispielsweise eine Master-Card. „Wir betreiben kein Cross Selling von Produkten“, sagt Zeppos. Das Konto trage sich über die Gebühr. Nutzerzahlen verrät die Managerin nicht. Das Unternehmen drängt gerade stärker auf den deutschen Markt und ist sonst bereits in dem Heimatland Finnland und Österreich vertreten.

Wie stehen die Chancen?

Zwar ist noch nicht viel bekannt, doch N26-Chef Valentin Stalf hat kürzlich im IT-Finanzmagazin angekündigt, ebenfalls Geschäftskonten anbieten zu wollen. „Wenn man sich (…) den Markt für Geschäftskunden ansieht, stellt man schnell fest, dass dort richtig abgezockt wird und es keine fairen und transparenten Produkte gibt“, sagte Stalf. Im kommenden Jahr würde es deswegen „wahrscheinlich“ ein solches Produkt geben. Gerade bei der Zielgruppe könnte es N26 sicherlich auf ein ähnliches Publikum wie Holvi und Kontist abgesehen haben.

Im Vergleich zum eigentlichen Produkt von N26 unterliegt der B2B-Markt allerdings anderen Gesetzmäßigkeiten. Gerade bei steuerlichen Fragen wird es komplex. Die Herausforderung für N26 ist, das Angebot genauso nutzerfreundlich wie bei den Privatkunden darzustellen.

Hinzu kommt: Auch wenn es Millionen Freiberufler in Deutschland gibt, ist der Markt deutlich kleiner als der der Privatkunden. Es wird vor allem darum gehen, einige tausend Kunden an sich zu binden.

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Das Produkt von Kontist muss sich nach dem Launch erst einmal beweisen. Das Modell funktioniert dann erfolgreich, wenn es eine relevante Kundenzahl erreicht. Und so die Zusatzfunktionen an genügend Leute verkaufen kann. Gründer Plantener plant bereits eine Expansion nach Dänemark und schaut sich gerade den spanischen Markt an.

Der ältere Player Holvi kann sein Modell auch mit weniger Kunden etablieren. Für jedes Konto werden Gebühren gezahlt, sodass sie sich damit nach eigenen Angaben sofort tragen. Außerdem hat Holvi ein größeres finanzielles Polster, weil die spanische Bank BBVA im vergangenen Jahr zugeschlagen hat – und das Startup aufgekauft hat. Richtig losgehen soll es Deutschland erst, wenn die Lastschrift integriert ist – in wenigen Wochen, sagt Holvi-Managerin Zeppos.

Genau wie N26 spielt allerdings ein anderer Punkt eine wichtige Rolle. Entscheidend ist, ob sich die Freelancer und Solo-Gründer von der App, dem Design und den Funktionen wirklich angesprochen fühlen. Dieses Viral-Potential lässt sich nicht messen. Und entscheidet sich an Orten wie WeWork, wo die Angebote von Freelancer zu Freelancer weiterempfohlen werden – oder auch nicht.

Bild: Kontist