In Deutschland sollen bis zum nächsten Jahr in breitem Maße die international bereits verabschiedeten neuen Datenverkehrsregeln fürs Internet der nächsten Generation eingeführt werden. Das fordert der deutsche IPv6-Rat. Das Verbandsgremium aus Internetexperten in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik verabschiedete am Donnerstag (14. Mai) auf einem Gipfeltreffen am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) einen entsprechenden „Nationalen Aktionsplan“. Er sieht vor, dass sich Deutschland aktiv an der weltweiten technischen Weiterentwicklung des Internets beteiligt. Das Maßnahmenbündel für den Umstieg auf das moderne Internetprotokoll IPv6 soll auf dem nächsten IT-Gipfel der Bundesregierung beraten werden. Bei einer Festveranstaltung mit Internetpionier Dr. Robert E. Kahn (70) aus Anlass des zweiten deutschen IPv6-Gipfels ernannte Wissenschaftsmäzen Prof. Hasso Plattner den US-Informatiker am Donnerstagabend zum „HPI Fellow“. Im Berliner Museum für Kommunikation wurden außerdem sechs Preisträger aus Deutschland, Frankreich und Italien ausgezeichnet. Sie sind die Sieger eines vom deutschen IPv6-Rat international ausgeschriebenen Wettbewerbs. Daran hatten 41 Experten aus 19 Ländern teilgenommen und neue Produkte und Konzepte für die großflächige Nutzung des neuen Internetstandards eingereicht.

„Das Internet ist Rückgrat der modernen Gesellschaft und muss sich auch in Deutschland weiterentwickeln – so wie schon in Asien und den USA. Sonst geraten wir als Technologiestandort ins Hintertreffen“, erklärte Prof. Christoph Meinel, Vorsitzender des deutschen IPv6-Rats und Direktor des Hasso-Plattner-Instituts. Der Wissenschaftler verwies während der Potsdamer Expertentagung darauf, dass der neue Standard IPv6 bereits definiert und ausgereift sei. Er sei zum Beispiel eine wichtige Voraussetzung für die Internet-Kommunikation mit und zwischen Fahrzeugen sowie in Sensornetzwerken mit RFID-Technologie. Hier gehe es um grundlegende Einsatzmöglichkeiten des „Internets der Dinge“, wie sie auch im Theseus-Programm der Bundesregierung beschrieben seien.

Der nationale Aktionsplan für ein „Internet der nächsten Generation“ fordert, dass bis 2010 mindestens ein Viertel der deutschen Nutzer in der Lage sein soll, auf Inhalte und Dienste im IPv6-Internet zuzugreifen, ohne einen Unterschied im Vergleich zum bisherigen Standard festzustellen. „Diese Forderung des deutschen IPv6-Rats steht im Einklang mit der Haltung der EU-Kommission“, betonte Meinel. EU-Kommissarin Viviane Reding hatte in einer Grußbotschaft für die Teilnehmer am zweiten deutschen IPv6-Gipfel erklärt, es werde Zeit für die öffentliche Hand, in die eigene IPv6-Infrastruktur zu investieren: „Wir müssen jetzt Ernst machen und selber IPv6 nutzen“, sagte Reding. Geschehe dies europäisch abgestimmt, werde dies einen enormen Nachfrageschub erzeugen, der Bewegung in den Markt bringe.

Bundesregierung sagt aktive Unterstützung des neuen Internetstandards in Deutschland zu

Staatssekretär Dr. Hans Bernhard Beus, der Bundesbeauftragte für Informationstechnik, bezeichnete auf der Potsdamer Fachtagung die Nutzung des IPv6-Standards als „wichtige infrastrukturelle Grundsatzentscheidung“. Er kündigte an, die Bundesregierung wolle IPv6 „selber einsetzen und die Verbreitung empfehlen“. Zur Eröffnung des Gipfels am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut hatte Dr. Robert E. Kahn, neben Vint Cerf einer der beiden „Väter“ des Internet, einen schnellen Umstieg auf IPv6 befürwortet, damit das weitere Wachstum des Internets gewährleistet werden könne. „Ich wäre nicht überrascht, wenn der neue Standard schon in den nächsten Jahren weiter verbreitet ist als der bisherige.“

Hintergrund zum Deutschen IPv6-Rat

Der 2007 von HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel ins Leben gerufene Deutsche IPv6-Rat ist der deutsche Landesverband des internationalen IPv6-Forums, dem mehr als 50 nationale Gremien angehören. Ziel ist es, alle nationalen Akteure aus Industrie, Forschung, Politik und Verwaltung, die mit den verbesserten technischen Regeln für die Datenübermittlung im Internet nächsten Generation befasst sind, zu vereinen und die Einführung des neuen Internet-Protokolls voranzutreiben. Dies soll durch die Sensibilisierung von Endnutzern und Industrie für ein ausgereiftes und sicheres Internet sowie durch Verbesserungen in Technik und Vermarktung erreicht werden. Dem Gremium gehören nunmehr 18 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an. Weitere Informationen unter www.ipv6council.de