Nebenan.de-Gruender Till Behnke und Christian Vollmann

Till Behnke, zuvor Gründer von Betterplace, und Christian Vollmann (rechts) haben zusammen Nebenan.de gegründet

Nachbarschaftsnetzwerke sind kein leichtes Unterfangen für Gründer. Oft klingt die Idee, Nachbarn miteinander zu vernetzen und der Anonymisierung entgegenzuwirken, schön. Fast romantisch. Häufig ist die Umsetzung jedoch nicht leicht.

Anders als in den USA, wo besonders die mit 210 Millionen US-Dollar finanzierte Plattform Nextdoor erfolgreich ist, konnte sich in Deutschland bisher noch keines der Netzwerke durchsetzen. WirNachbarn, Nachbarschaft.net oder Lokalportal verweisen zwar auf tausende Nutzer, der große Erfolg blieb bisher allerdings aus.

Mit Nebenan.de haben Business Angel Christian Vollmann und Betterplace-Gründer Till Behnke vor rund einem Jahr einen weiteren Versuch gestartet – im Juli 2015 ging ihr Netzwerk in die Betaphase, im November stiegen zahlreiche bekannte Gründer gemeinsam mit Star-Investor Klaus Hommels über seinen VC Lakestar bei Nebenan.de ein, im Dezember folgte der offizielle Start.

Anzeige
Jetzt wollen Vollmann und Behnke weiter expandieren und holen dafür den Münchner Verlag Burda an Bord, der auch schon das Karrierenetzwerk Xing groß gemacht hat und nun eine Minderheit der Anteile von Nebenan.de hält. Auch die Altinvestoren haben noch einmal Geld nachgeschoben. Insgesamt konnte Nebenan.de so 5,5 Millionen Euro einsammeln, heißt es. Das Geld will Nebenan.de in den technischen Ausbau der Plattform, den Launch der mobilen App im dritten Quartal dieses Jahres sowie die Expansion in weitere europäische Länder stecken.

Burda stützt die Entscheidung vor allem auf den Erfolg der Nachbarschaftsnetzwerke in den USA. „Wir investieren in das Unternehmen, weil wir von der Idee und dem starken Gründerteam überzeugt sind“, sagt Martin Weiß, Geschäftsführer von Burda Principal. „In den USA sind Nachbarschaftsnetzwerke sehr erfolgreich. Auch in Deutschland hat Nebenan.de in den ersten Monaten bereits ein beeindruckendes Wachstum gezeigt.“

Nebenan.de ist nach eigenen Angaben bereits in 30 deutschen Städten mit rund 900 Nachbarschaften aktiv. Jede Nachbarschaft habe zwischen mindestens zehn bis mehr als 600 Nutzer, so das Unternehmen. Insgesamt liege die Nutzerzahl liege sechsstelligen Bereich.

Mit einem Adress-Verifikationsprozess können sich Nutzer auf Nebenan.de anmelden und so in ihrer Nachbarschaft soziale Kontakte knüpfen oder Unterstützung für verschiedene Tätigkeiten suchen. Der Zugang zur Plattform ist für sie kostenfrei. Die Gründer wollen auf klassische Werbung auf der Plattform verzichten, aber langfristig von Gewerbetreibenden aus den jeweiligen Nachbarschaften für eine Teilnahme Geld verlangen.

Bild: Hannah Loeffler / Gründerszene