Ein Gastbeitrag von Erik Renk, seit zehn Jahren selbstständig und Coach für nebenberuflich Selbstständige und Gründer.

Der Trend in Deutschland geht zum Nebengewerbe. Laut KFW-Gründermonitor 2015 waren von 915.000 Gründungen über 520.000 Nebenerwerbsgründungen. Das sind mehr als 57 Prozent, Tendenz steigend. 2014 noch zeigte der KfW-Gründerreport, dass 55 Prozent aller Gründer aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus gegründet hatten.

Laut dem „Deutschen Startup Monitor 2015“ (kurz DSM-Report) liegen Gründungen in der digitalen Wirtschaft ganz weit vorne. Die ersten drei Plätze belegen die Bereiche Software as a Service mit 15,3 Prozent, E-Commerce mit 10,1 Prozent und die IT-Softwareentwicklung mit 8,6 Prozent. Befragt wurden 1.061 Gründer und leitende Angestellte.

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Das deutsche Schulsystem schafft es bis heute nicht, kaufmännische und gründungsrelevante Inhalte zu vermitteln. Kurse für das Erstellen einer Website oder die Vermittlung von Programmier- und Designkenntnissen sind Wünsche aus der Wirtschaft, die ungehört bleiben. Laut DHIK-Gründerreport haben 32 Prozent der Gründerkonzepte kaufmännische Defizite.

Es fehlt also das notwendige Know-How. Die Unwissenheit hält viele davon ab, den ersten Schritt zu gehen. Eine mögliche Lösung ist, sich zuerst nebenberuflich selbständig zu machen, um die Idee und das Können zu testen.

Generell haben nebenberuflich Selbstständige die gleichen administrativen Anforderungen wie hauptberuflich Selbstständige. Es gibt jedoch ein paar Vorteile.

Wer ist nebenberuflich selbstständig?

Nach dem Einkommenssteuergesetz (§18 EStG) gibt es in Deutschland freiberufliche Selbstständige. Sie müssen kein Gewerbe anmelden. Zu den freien Berufen zählen Rechtsanwälte, Notare und Ärzte. Sie haben das Privileg, keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen und keine Pflichtmitglieder in der Handelskammer zu sein. Alle anderen müssen ein Gewerbe anmelden, sobald sie unternehmerisch tätig werden.

Startups aus der Digitalwirtschaft sind also meistens Gewerbetreibende. Die Gewerbeanmeldung hat unverzüglich zu erfolgen. Als Richtwert gelten 14 Tage nach Aufnahme der Tätigkeit. Die Anmeldung wird beim örtlichen Gewerbeamt vorgenommen und kostet 20 Euro.

Nebenberuflich selbstständig ist derjenige, der außerdem einer Haupttätigkeit nachgeht. Hierzu zählen Angestellten- oder Beamtenverhältnisse, aber auch ein Studentenstatus oder Arbeitslosigkeit. Der Arbeitsmittelpunkt muss auf der Haupttätigkeit liegen und nicht auf der nebenberuflichen Selbstständigkeit.

Deswegen ist bei der Gewerbeanmeldung zwingend ein Nebengewerbe und kein Hauptgewerbe zu wählen. Der Zeiteinsatz für die Selbstständigkeit muss weniger als 18 Stunden pro Woche betragen. Zudem dürfen die Einnahmen aus der Selbstständigkeit nicht wesentlich die Einnahmen aus der Haupttätigkeit übersteigen.

Bei welchen Berufsgruppen gibt es Ausnahmen?

Studenten

Studenten sind hauptberuflich Studierende. Sie haben Zugriff auf günstige Krankenversicherungsbeiträge. Studenten unter dem 25. Lebensjahr sind familienversichert. Es dürfen maximal 305 Euro monatlich hinzu verdient werden. Diese Grenze darf zweimal im Jahr für zwei Monate überschritten werden. Wer mehr verdient oder über 25 Jahre alt ist, kann in die studentische Versicherung eintreten. Die Höchstverdienstgrenze in der nebenberuflichen Selbstständigkeit liegt bei etwa 2.000 Euro monatlich und entspricht 75 Prozent der Bezugsgröße zur gesetzlichen Rentenversicherung. Wird mehr verdient oder die maximale Stundenzahl von 18 bis 20 Stunden überschritten, muss der volle Krankenversicherungsbeiträge entrichtet werden. Dafür fallen monatlich 200 bis 600 Euro an.

Beamte

Beamte dürfen maximal ein Fünftel der wöchentlichen Dienstzeit in eine nebenberufliche Selbstständigkeit investieren. Die Grenze für die Einnahmen beträgt 40 Prozent des jährlichen Endgrundgehalts. Da Beamte ein Dienstverhältnis und keinen Arbeitsvertrag haben, ergeben sich weitere Besonderheiten. Diese werden im Bundesbeamtengesetz (§ 99 BBG ff.) beschrieben.

Eine Nebentätigkeit ist grundsätzlich zu melden und zu genehmigen. Die Genehmigung kann verweigert werden. Mögliche Gründe sind unter anderem, wenn die Arbeitskraft stark in Anspruch genommen wird, die Tätigkeit im Widerstreit mit den dienstlichen Pflichten steht oder das Ansehen der öffentlichen Verwaltung abträglich ist.

Arbeitslose

Auch Empfänger von Arbeitslosengeld 1 können sich nebenberuflich selbstständig machen und ein Nebengewerbe anmelden. Hier gilt es zu beachten:

  1. Arbeitslos ist, wer nicht mehr als 15 Stunden in der Woche arbeitet.
  2. Die Hinzuverdienstgrenze ohne Anrechnung des Arbeitslosengeldes beträgt 165 Euro monatlich.
  3. Bei einem Verdienst von 165 bis 400 Euro monatlich findet eine Anrechnung statt.
  4. Die Anmeldung eines Haupt- oder Nebengewerbes vor Antrag des Gründerzuschusses hat zur Folge, dass der Gründerzuschuss abgelehnt wird.

Für alle, die Arbeitslosengeld 2 empfangen, gibt es abweichende Regelungen, auf die an dieser Stelle nicht eingegangen wird. Grundsätzlich können sich auch Arbeitslosengeld 2 Empfänger nebenberuflich selbstständig machen und ein Nebengewerbe anmelden.

Wichtige Informationen zur Sozialversicherung

Die gute Nachricht: Grundsätzlich sind Einnahmen aus nebenberuflicher Selbstständigkeit sozialabgabenfrei. Deswegen kann eine erfolgreiche nebenberufliche Selbstständigkeit attraktiver sein als eine Gehaltserhöhung. Die Sozialabgabenlast beträgt in Deutschland inklusive dem Arbeitgeberanteil circa 35 Prozent des Lohns.

Es gibt zwei Ausnahmen, unter denen Rentenversicherungs- und Krankenversicherungsbeiträge entrichtet werden müssen.

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Rentenversicherung und Scheinselbstständigkeit

Wer für einen einzigen Auftraggeber arbeitet, nicht frei in seiner Auftragsgestaltung ist oder von diesem Auftraggeber fünf Sechstel der Einnahmen bekommt, ist rentenversicherungspflichtig. Das bedeutet, dass 18,3 Prozent des Rentenversicherungsbeitrags auf die Einnahmen gezahlt werden müssen.

Krankenversicherung

Krankenversicherungsbeiträge müssen entrichtet werden, wenn sich der Arbeitsmittelpunkt verlagert und nicht mehr aus dem Hauptberuf oder Studium besteht, sondern aus einer nebenberuflichen Selbstständigkeit. Wenn die Stundengrenze von 18 Stunden überschritten oder mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit mehr verdient wird als im Hauptberuf, verlangt die Krankenkasse bis zu 15,5 Prozent auf die Umsätze. Hier sollte der Status bei der Krankenversicherung festgestellt werden.

Privatversicherte haben nichts zu beachten.

Bild: Gettyimages/Hero Images

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