Netzwerken

Obama hat es im US-Wahlkampf vorgemacht – wie nutze ich Web 2.0 und Networking-Tools zu meinen Gunsten und mobilisiere Millionen? Vom Internet-Präsidenten der Vereinigten Staaten können sich hiesige Parteien im Superwahljahr 2009 noch einiges abgucken, um ein Mittel gegen deutsche Politikverdrossenheit zu finden. Aber auch wer lieber kleinere Brötchen backt und die Eroberung von Weißem Haus und Kanzleramt hintanstellt, kommt am munteren „Wer kennt wen, kennt mich überhaupt jemand und wie zeige mich online?“ im Internet nicht mehr vorbei. Online-Verflechtungen haben sich längst vom Zeitvertreib für Computernerds zu wichtigen Zutaten des Karriere-Menüs gemausert. Aber schmeckt das mit einer Prise Xing, Facebook, Twitter & Co. tatsächlich besser?

Warum sich überhaupt in digitale Netze verstricken?

Ein lebendiges und gut gepflegtes Netzwerk bringt vielfältige Vorteile für Unternehmensgründer und kreative Köpfe mit Visionen. Sich selbst beziehungsweise das eigene Produkt managen wie eine Marke, die persönliche Reputation steuern und sein Profil schärfen ist dank Web 2.0 einfacher denn je. Bevor sich Neu-Netzwerker in den Pool der zahllosen Möglichkeiten stürzen, pauschal erst einmal überall anmelden und blind losbloggen oder -twittern, was das Zeug hält, markiert eine Situationsanalyse den Standort. Der erste Schritt führt, wie bei fast allen Aktionen im Netz, zu Google. Suchmaschinen beantworten schnell und einfach die Frage „Was gibt’s eigentlich über mich im Netz?“. Im Perpetuum Mobile Internet ändert sich ein solcher Ist-Zustand aber stetig. Nur durch regelmäßige Kontrollen bleiben Gründer ständig auf dem Laufenden und behalten bei ihrem digitalen Pendant die Zügel in der Hand. Profil- und Netzwerkpflege stellt sich als ständige Aufgabe. Eine seriöse und sinnvolle Darstellung im Netz setzt außerdem eindeutige Identifizierbarkeit voraus. Firmengründer Max Mustermann und Kollegin Susanne Schulze tun also gut daran, sich von Namensvettern abzuheben und für professionelle Kontakte klar erkennbar aus der gesichtslosen Masse hervorzustechen.

Im Geflecht der 1000 Möglichkeiten

Auch wenn die unendlichen Weiten des Internets zahllose Plattformen zur Selbstprä-sentation bereithalten: Qualität geht vor Quantität. Wer auf allen Businesskontakt-Hochzeiten gleichzeitig tanzt, erreicht nicht zwangsläufig den ultimativen Effekt für sein professionelles Schaffen. Statt durch jedes Portal und sämtliche Netwerke zu geistern, beschränken sich strategisch denkende Geschäftsführer lieber auf einige aus-gewählte, fachlich zur entsprechenden Branche passende Webseiten. Auf professioneller Ebene gehören Klassiker wie Xing zur Grundausstattung, da sie in einschlägigen Suchmaschinen hoch gerankt werden. Zudem verspricht ein Mitgliederstamm von weltweit mittlerweile sieben Millionen registrierten Usern einen reichen Fundus an potenziell nützlichen Business-Bekanntschaften. Trotz des ähnlichen Aufbaus hüten sich Kontakthungrige davor, die Plattform mit privaten Social Networks wie Facebook und Konsorten zu verwechseln und allzu Privates preiszugeben – darunter leidet die angestrebte Seriosität. Dies gilt natürlich für sämtliche Formen von Kontaktplattformen, die berufliche Zwecke erfüllen.

Steht das Profil, folgen drei Dinge: Kontakte, Kontakte, Kontakte. Neben Gruppen und Foren als Treffpunkte Gleichgesinnter eignet sich ein Hinweis aufs eigene Profil z.B. in der E-Mail-Signatur, um neue Verbindungen zu knüpfen. Ebenfalls eine Möglichkeit, die aber nicht unbedingt bis zum Letzten ausgereizt werden sollte, ist es, einfach Fremde anzusprechen. Gute Netzwerker behalten in ihrer Kontaktliste den Überblick und pflegen Geschäftsbeziehungen. Tagging, also das Versehen der Kontakte mit bestimmten Stichwörtern, die das Kennenlernen beschreiben, erleichtern die Arbeit im „virtuellen Adressbuch“. Ein freundlicher Geburtstagsgruß oder kurze Lebenszeichen an wichtige Partner kommen gut an. In einem wild in alle Richtungen wuchernden Dickicht von Business-Bekanntschaften arten sie jedoch schnell in Sisyphos-Arbeit aus.

Als neuer Stern am Netzwerkhimmel leuchtet seit einigen Jahren Twitter. Ob sich der Mikro-Blogging-Dienst zu einer langfristigen Größe etabliert oder nur als kurzes Strohfeuer lodert, bleibt abzuwarten. Minutiös aktualisierte Neuigkeiten zu Gleisbauarbeiten und Zugverspätungen im Twitterkanal der Deutschen Bahn ergeben Sinn, tiefschürfende Gedanken zum Lauf des Lebens in 140 Zeichen scheinen hingegen verzichtbar. Schnell verbreiten sich zwitschernderweise auch Falschnachrichten und unausgegorene Ideen – und was einmal raus gegangen ist ins Internet, ist raus. Politiker twittern bereits fleißig und in Echtzeit vom Parteitag, ebenso Journalisten und Nachrichtenagenturen. Für Gründer, die mit dem Mikro-Blog liebäugeln, gibt es keine pauschale Antwort. Fakt ist: In Deutschland brach der große Twitter-Boom noch nicht aus. Zeigt sich die anvisierte Zielgruppe offen für neue Web 2.0-Trends, schadet ein Testlauf nicht – solange die Kurznachrichten Inhalt und Nutzen für die „Follower“ mitbringen und nicht in belanglose Zwitscherei abdriften. Vor allem sollte Twitter nie als Einbahnstraße genutzt werden, ist der Sinn des Microbloggings doch vor allem auch der gegenseitige Austausch. Ein Zuspammen mit @Replies- und Retweets ist hingegen das andere Extrem, das es zu vermeiden gilt.

Unter virtuelle Räder gekommen

Seriöse Profile in einschlägigen Branchen-Netzwerken und -Foren stehen, das lebendige Netzwerk wird gehegt und gepflegt, kurzum: Die schöne neue Internetwelt könnte rosiger nicht aussehen. Trotzdem verbreiten sich digitale Kellerleichen im Netz oft schneller, als Mark Zuckerberg Web 2.0 buchstabieren kann. Sei es das Foto eines jungen Pilotenanwärters in feuchtfröhlicher Feierlaune, das den weiteren Karriereweg gefährdet (derartige Horrorgeschichten häufen sich) oder einfach die Jahre zurückliegende Tätigkeit in einer fachfremden und heute irrelevanten Branche – zahlreiche Gründe liegen vor, seine alten Spuren im Netz verwischen zu wollen. Zur Netzwerk-, Image- und Profilarbeit im Internet zählen eben nicht nur, neue durchdachte Einträge hinzuzufügen, sondern gegebenenfalls alte und ungünstige zu löschen. Die Rechnung „guter Eintrag gleicht schlechten aus“ geht selten auf. Ein ungünstiger Vermerk ganz oben im Google-Ranking trübt zehn gute. Doch Netzwerker stehen hier nicht allein auf weiter Flur. Professionelle Reputationsportale wie MyOnID oder Dein guter Ruf helfen beim Kontaktieren entsprechender Webpages und übernehmen sämtliche Verhandlungen. Wer bereits eine längere Online-Karriere hinter sich hat, spart so Zeit und Nerven, wenn zehn Jahre virtueller Lebenszeichen auf Herz und Nieren überprüft und Jugendsünden aus der Netzwelt geschaffen werden sollen.

Fazit:

Im Leben gibt es nichts geschenkt. Auch nicht im virtuellen! Das Internet bietet für Unternehmensgründer zahlreiche Möglichkeiten zur Selbstpräsentation und Kontaktaufnahme und -pflege, macht aber gleichzeitig viel Arbeit. Das Netz vergisst nichts. Daher gilt es, jeden Schritt zu überdenken und seine Zielgruppe genau zu kennen. Unüberlegte Fehltritte zeitigen ganz nach dem Gesetz des guten Murphy oft unerwartete Folgen. Daher: Erst denken, dann schreiben, bloggen, twittern. Die Pille danach ist schließlich auch nicht erste Wahl in Sachen Verhütungsmethode.

Über den Autor:

Martin LuxMartin Lux ist geschäftsführender Gesellschafter der 2003 gegründeten Düsseldorfer Movevision GmbH. Unter deren Dach setzen Lux und sein Team gesellschaftliche Trends in Online-Projekte um.

Zum Unternehmensportfolio zählen neben externen Beratungsleistungen auch eigene Geschäftsmodelle: Der Online-Grußkartenshop Loomup, eine Plattform für individuelle Poster- und Postkartengestaltung, sowie die Webseite Dein guter Ruf. Im Januar 2008 als europaweit erstes Reputationsportal gestartet, feierte Dein guter Ruf in diesem Jahr seinen ersten Geburtstag.

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