„Die Wahrheit ist: Es ist schwieriger, Entrepreneur zu sein, als Merrill Lynch zu leiten. Und das sage ich nicht einfach so – ich habe Merrill Lynch geleitet.“ Sallie Krawcheck weiß, wovon sie spricht. Lange Jahre war sie eine der Top-Bankenmanagerinnen der USA und besetzte wichtige Positionen bei der Citigroup und Bank of America. Die heute 51-Jährige wurde dann vor zwei Jahren zur Unternehmerin und kaufte ein Networking-Unternehmen für Frauen. Das nannte sie Ellevate.

Im Sommer dieses Jahres gründete Krawcheck ihr eigenes Startup in New York. Ellevest, eine digitale Investment-Plattform für Frauen, soll kommendes Jahr live gehen. Dafür bekam sie zehn Millionen US-Dollar von der Investment-Analyse-Firma Morningstar.

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In einem LinkedIn-Post erklärt die Gründerin nun, warum nicht jeder Konzernangestellte seinen „Big-Company-Job“ verlassen sollte, um Entrepreneur zu werden.

  1. Funding einzusammeln, kann demütigend sein. „Niemand hört gern, dass das eigene Baby hässlich ist“, schreibt Krawcheck. Wieder und immer wieder bekäme man das zu hören. „But hey, keep in touch.“
  2. B2B-Sales sind demütigend und dauern länger, als man denkt. Krawcheck berichtet, dass ein „langsames Ja“ manchmal schlimmer sein kann als ein „schnelles Nein“. Man werde hingehalten, das könne fatal für das Geschäft sein. Und: Anrufe werden viel langsamer beantwortet, als wenn man für eine große Firma arbeitet.
  3. Mitarbeiter einstellen ist schwierig. Das sei es immer, findet Krawcheck. Aber im Startup sei es noch viel herausfordernder. Man könne nur wenige Mitarbeiter beschäftigen, die also erst recht alle nötigen Fähigkeiten mitbringen müssen, die man für das Geschäft braucht. Lücken in der Qualifikation könne man sich nicht erlauben – Bewerbungen müsse man daher ganz genau prüfen.
  4. Mitarbeiter finden ist schwierig – Teil 2. Wer aus einem Konzern kommt, hat viele Kontakte. Die passen allerdings nicht zu dem, was ein Startup braucht. Denn: „Die Startup-Jobs sind schlechter bezahlt als die der Konzernfritzen. Sie mögen thematisch breiter gefasst sein, aber andere Teile des Jobs können wiederum mehr ,Junior‘ sein.“
  5. Bürofläche. Gründer machen sich zu viele Illusionen. Vom Co-Working-Space ins eigene, hippe Büro mit Backsteinwänden hin zum Milliardär – so sehen viele ihren Weg. Für manche möge das stimmen, so Krawcheck. „In meinem Startup aber ist so wenig Platz, dass ich nicht von meinem Stuhl aufstehen kann, ohne in den Rücken meines Lead Designers zu knallen.“
  6. Jeder ist ein Kritiker. Die Miesepeter sind nicht weit. Wäre die Idee so gut, hätte es schließlich schon jemand gemacht, richtig?
  7. Es ist beängstigend. „Worüber ich in meinem Konzernjob nie nachgedacht habe: Cash Flow.“ Krawcheck schreibt, wenn man in einem Konzern mit Milliardenumsätzen arbeite, dann sei auch Platz für Fehler da. Im Startup hingegen können einen bereits wenige, falsche Hirings den Kopf kosten. Schließlich dauere es Monate, um den richtigen Mitarbeiter zu finden; Monate, um zu merken, dass er doch nicht der richtige ist und wieder ewig, einen neuen zu finden. „Entrepreneur sein ist die einzige Zeit in meiner Karriere, in der ich schon schlaflos war. Und ich war während der Finanzkrise an der Wall Street.“
  8. Viel Papierkram, viele Steuern, viele Regulierungen. Leicht geschehen da Fehltritte, die unangenehme Konsequenzen haben können. Der „No-fun“-Teil, wie Krawcheck es nennt.
  9. Es gibt keinen Leerlauf. Jeder kennt die Tage im Konzernbüro, an denen man eigentlich nicht so viel gearbeitet hat. Diese Tage gibt es als Entrepreneur nicht mehr. „Wenn Du nicht viel machst, passiert auch nicht viel.“
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