Jakob-Futorjanski-NeuroNation

NeuroNation-Gründer und -CEO Jakob Futorjanski

„Startup-Held“ Jakob Futorjanski im Interview

Es müssen nicht immer Bauch-, Beine- oder Po-Übungen sein. Auch das Gehirn will trainiert werden. Zwar gibt es im Bereich des Gehirnjoggings bereits eine Vielzahl an Anwendungen – die meisten davon allerdings mit zweifelhafter Effektivität oder fehlendem wissenschaftlichem Hintergrund. Hier will NeuroNation ansetzen. Das kognitive Trainingsprogramm wurde vom Bundesgesundheitsministerium ausgezeichnet und bietet 60 Übungen, die zusammen mit Wissenschaftlern entwickelt wurden.

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NeuroNation begann als kleines Studienprojekt in der experimentellen Psychologie. Ziel des Projekts war es, Menschen verschiedenen Alters dabei zu helfen, ihr Gedächtnis und ihre Aufmerksamkeit zu verbessern. Heute ist NeuroNation mit 35 Mitarbeitern und über drei Million Mitgliedern das nach eigenen Angaben größte und erfolgreichste Unternehmen für Online-Gehirntraining in Europa. Geleitet wird das 2011 gestartete und unter anderem vom Spiegel-Verlag finanzierte Unternehmen von CEO Jakob Futorjanski und Mitgründer Rojahn Ahmadi. NeuroNation wird wissenschaftlich von Prof. Niedeggen von der Freien Universität Berlin begleitet .

Futorjanski im Gespräch über sein Produkt und die Abgrenzung zu Mitbewerbern.

NeuroNation ist als kleine Flash-App gestartet und hat mittlerweile drei Millionen Mitglieder. Wie kam es dazu?

Die ersten Schritte waren recht mühsam. Wir haben mit vielen Geschäftsmodellen experimentiert und sind am Ende beim Fitness-Studio-Abo-Modell stehen geblieben. Mit diesem Modell, einem privat aufgenommenen Kredit, einer kleinen Crowd-Finanzierung und unserem Mentor, Pascal Zuta, haben wir angefangen zu skalieren. Das erste Jahr war kräftezehrend und wir mussten mit Runways – der Zeit bis zur Illiquidität – von zwei Monaten arbeiten. Wir haben es aber über verschiedene Deals und viel Disziplin geschafft, uns zweimal hintereinander zu verzehnfachen. Später haben wir ein Investment aufgenommen und verstärkt in die Mobile-App investiert. Die App wurde sowohl im AppStore, als auch im GooglePlay-Store schnell aufgenommen und von der Redaktion zur besten App im Bereich Education gekürt, was uns nochmals sehr viele neue Nutzer gebracht hat. Mittlerweile haben wir Kunden aus 180 Ländern und Kooperationen in den meisten Tier-1-Märkten.

2014 hat NeuroNation ein Wachstum von 1.200 Prozent hingelegt. Wie habt ihr das erreicht?

Unsere Nutzer mögen das Produkt und sprechen darüber. Der größte Anteil kam tatsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Wie unterscheidet sich euer Unternehmen von der Konkurrenz?

Die Programmierung der Erkenntnisse und Konzepte von Prof. Dr. Niedeggen der Freien Universität waren der erste Schritt zum heutigen NeuroNation. Das Training ist extrem personalisiert und herausfordernd. Zudem kommen die zehn Jahre Programmiererfahrung von Mitgründer Rojahn Ahmadi und seine Spezialisierung auf das Thema Künstliche Intelligenz der Firma sehr zugute. Wir sind die einzige Brain-Training-App weltweit, die von einer Krankenkasse erstattet wird. Für unsere Herangehensweise wurden wir auch vom AOK Bundesverband und dem Bundesministerium für Gesundheit im Jahr 2013 ausgezeichnet. Das kann kein anderer Wettbewerber behaupten.

Ihr seid auch im B2B-Bereich tätig.

Das stimmt. Seit der Auszeichnung durch die AOK und das Gesundheitsministerium sind wir weitere Schritte in Richtung NeuroNation Medical gegangen. Es gibt relevante Studien, die zeigen, dass personalisiertes, computerbasiertes Gehirntraining in diversen Krankheitsbildern signifikante Verbesserungen bewirken kann. Daher haben wir zum Beispiel mit dem Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund einen Kurs zur Stressprävention entwickelt, der von DAX und M-DAX Firmen eingesetzt wird. Vor allem für die Bereiche Neuro-Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten und Stressprävention.

Ihr arbeitet mit einem sogenannten „Engagement Loop“. Wie funktioniert das?

Ja, der Engagement Loop gehört zu meinen Lieblings-Features. Studien zeigen, dass Gehirntraining erst dann effektiv ist, wenn der Nutzer regelmäßig über mindestens zehn Wochen trainiert. Das ist viel verlangt, weil das Training hart und herausfordernd ist. Die Frage ist also, wie bringe ich die Leute dazu, genug zu trainieren? Der Engagement Loop sorgt dafür, dass die Mitglieder Spaß am Training haben und motiviert bleiben. Er besteht aus vier Punkten: Personalisiertes Training und sofortiges Feedback, Spaß, Integration von Freunden über ein soziales Netzwerk und Bildung.

Jakob, danke für das Gespräch.

Bild: NeuroNation