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Wie kleine Kinos mit Kinoflimmern im VoD-Markt mitmischen können

Nachdem Gründerszene-Redakteur Niklas Wirminghaus Anfang Dezember den Regierungsplan zur Einschränkung der Netzneutralität in einem Kommentar als „Bedrohung für innovative Startups“ bezeichnet hatte, meldete sich über Twitter das Kölner Startup Kinoflimmern zu Wort: „Wenn die Netzneutralität nicht bleibt, werden wir schließen müssen, bevor wir gelauncht haben.“ Warum? Wir haben Gründer Tobias Leveringhaus gebeten, uns das noch einmal zu erklären. Hier kommt sein Bericht.

„Die Digitalisierung der Kinos in Deutschland steht vor dem Abschluss, die flächendeckende Digitalisierung, eine der vordringlichsten Aufgaben, ist gelungen und aus allen Gesprächen, die ich hier geführt habe, höre ich heraus, dass man froh sei, nun ‚zum gewohnten Alltag‘ zurückkehren zu können. Ich befürchte, dem wird nicht so sein können. Auch im Filmbereich ist die technische Innovation nur der Vorläufer der wahren digitalen Revolution unserer Sehgewohnheiten. Wegen der größeren Datenmengen war der Bewegtbildbereich lange verschont, aber nun wird sich das vollziehen, womit die Musikindustrie seit über zehn Jahren zu tun hat (hier: nahezu eine Halbierung der Umsätze in den letzten zehn Jahren) und womit nun aktuell die Buchindustrie und die Verlage der Zeitungen und Zeitschriften konfrontiert sind. Auch das TV hat begriffen, wenn sie eine lange sehr erfolgreiche Samstagabend-Show absetzen: Google TV, Apple TV und Netflix stehen vor der Tür.“
(Martin Hagemann, Kurzreferat über das Verhältnis von VoD und Kino am Beispiel von „Love Steaks“ auf dem Kongress des Hauptverbands Deutscher Filmtheater 2014, Dokumentation hier)

Mit „Love Steaks“ haben der Regiestudent Jakob Lass und sein Betreuer Martin Hagemann, Professor an der Filmuniversität Babelsberg, versucht, den Day-and-Date-Damm (zeitgleiche Starts im Kino und online) in Deutschland zu brechen. Dies ist ihm wegen der Intervention von Christian Bräuer, Vorsitzender des Branchenverbands AG Kino, leider nicht gelungen. Aber die Richtung war generell richtig, denn nicht nur auf dem Kölner Film- und Kinokongress im November war sich die Branche einig: Kinos müssen im VoD-Markt mitmischen.

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Nur: Über Subscription Services, wie sie Netflix und Watchever anbieten, kann sich niemand refinanzieren. Aber Transactional VoD, also das Bezahlen für jeden Film, gibt genug Recoupment, um auch für Kinobetreiber interessant zu sein. Netflix und Co. leisten mit unglaublich viel Geldern einiges, um Video on Demand salonfähig zu machen. Mit Apple TV, Google Chromecast und Smart-TV-Lösungen wird VoD zur ernsthaften Konkurrenz. Nicht nur fürs Fernsehen, auch für das Kino. Aber auf dem Kinokongress stand Bräuer dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber und merkte an, dass Kinos das ja gar nicht könnten, geschweige denn wollten.

Und ich gebe ihm recht. Warum vertrauen Kinos darauf, dass ihre Zuschauer Filme auf der Seite ihres Kinos schauen, wenn ein anderes Kino eine bessere VoD-Usability hat, wenn man sich woanders schon angemeldet hat? Warum sollte man sich als Kinobetreiber außerdem noch Gedanken über VoD-Lizenzen, Google- und Appstore-Rankings machen? Eine VoD-Plattform auf der eigenen Seite ist schnell errichtet, aber professionelles Online Marketing, Usability und ständig neue Aktualisierungen für Apps, um mit der Konkurrenz mithalten zu können, sind meines Erachtens für Kinobetreiber nicht zumutbar.

Mit Kinoflimmern setzten wir genau da an – und haben eine gute Chance, diese Entwicklung in eine richtige und von der Branche gewollte Richtung zu lenken. Mit unserem (nicht disruptiven, aber verändernden) Geschäftsmodell sind wir dabei, diese Probleme zu lösen.

Bitte wenden – hier erklärt Tobias Leveringhaus, warum sein Startup auf Netzneutralität angewiesen ist.

Bild: © panthermedia.net / Kiyoshi Takahase Segundo

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