Simon Bartmann

Die Geschichte von Nevo beginnt in Hongkong. Dort sitzt der Elektronikhersteller Dayton, stellt Geräte zur Messung der Herzfrequenz her, baut digitale Schließvorrichtungen für Hotelzimmer, entwickelt Fitness-Armbanduhren. Und seit Anfang des Jahres auch eine Smartwatch.

Die ist schlicht. So schlicht, dass sie nicht einmal ein Display hat, sondern ein einfaches weißes Ziffernblatt mit dünnen schwarzen Zeigern. Per Bluetooth ist das Gerät mit dem Smartphone verbunden: Wenn Anrufe, SMS oder E-Mails eingehen, leuchten auf dem Ziffernblatt kleine LED-Leuchten auf. Äußerlich also wenig Schnickschnack. Doch die Uhr zählt auch Schritte, analysiert den Schlaf. Eine App speichert die Tracking-Ergebnisse. Kostenpunkt: rund 350 Euro.

Entstanden ist die Marke Nevo aus der Sportuhr iMaze, ebenfalls aus dem Hause Dayton. Um dem älteren Modell frischen Wind einzuhauchen, dachte sich der Konzern zunächst neue Features aus – und begab sich anschließend in Europa auf die Suche nach Designern und einem Gründerteam für die Umsetzung des Konzepts. Denn die Marke sollte international aufgezogen werden. Mit einer Ausgründung sollte Startup-Flair für ein hippes Image sorgen. Fündig wurde der Konzern zunächst in Frankreich. Dort setzte ein Designer die erste Kollektion auf.


Produziert wird in China, im Werk von Dayton, Vertrieb und Marketing wickelt ein Team von Berlin aus ab. Zehn Personen arbeiten dort für Nevo, dazu kommen vier Freie und weitere 30 Mitarbeiter in Hongkong. CEO der Nevo Europe GmbH ist Simon Bartmann. Der 29-Jährige schloss sich dem noch unfertigen Unternehmen Anfang des Jahres an – und stieg gleich als Mitgründer ein. Eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo war damals gerade angelaufen.

Über seine private Beteiligungsgesellschaft Sagitta Internet ist Simon Bartmann seit seinem Einstieg investiert, stellt darüber die nötige Infrastruktur, liefert Grafikdesigner und Programmierer. Erst über Sagitta kam Bartmann überhaupt zu Nevo: Die Gesellschafter seines Unternehmens seien schon jahrelang mit den Dayton-Inhabern befreundet gewesen. Er selbst bezeichnet sich als Seriengründer, einst habe er ein Label für Damenhandtaschen ins Leben gerufen.

Simon Bartmann hält viel auf sein neues Produkt. Mit Nevo will er erreichen, was Apple seiner Meinung nach verpasste: „Stil und Technik vereinen“, wie er im Interview erzählt.

Simon, warst Du schon vor Deiner Zeit bei Nevo auf dem Smartwatch-Trip?

Nein, das Thema hat mich nicht interessiert. Ich wollte kein Mini-Smartphone am Handgelenk tragen. Die Designs gefielen mir nicht. Wenn Technik, Tradition und Moderne zusammenkommen, ticken solche Uhren anders. Im wahrsten Sinne des Wortes. Inzwischen gefällt es mir, wenn die Nevo leicht vibriert und dezent aufleuchtet, sobald das Smartphone in der Tasche klingelt. Das ist viel entspannter als der permanente Blick darauf.

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Es gibt ja eine ganze Reihe ähnlicher Wearables, die alles tracken – von der E-Mail bis zur Kalorie. Die Cogito Watch sieht Euch zum Beispiel sehr ähnlich. Warum soll ausgerechnet Eure Uhr die bessere sein?

Wir verstehen es, Technik mit Mode zu verbinden. Apple hat das nicht hingekriegt. Eine Uhr wird immer ein Fashion-Accessoire bleiben, es geht also nicht nur um ausgeklügelte Funktionen. Außerdem muss unsere Watch nicht täglich geladen werden. Wir arbeiten mit zwei Batterien: eine für das analoge Uhrwerk, die fünf Jahre hält, und eine weitere für die Technik. Die kommt sechs Monate ohne zusätzliche Energie aus. Den Batteriewechsel kann der Kunde selbst in die Hand nehmen, dazu ist jeder Uhr ein kleines Werkzeug beigelegt. Außerdem sind wir die einzigen am Markt, die Notifications mit einem analogen Uhrwerk kombinieren.

Die Entwicklung von Hardware ist teuer…

2,5 Millionen Euro hat sie in unserem Fall gekostet.

Dagegen erscheinen die 50.000 Euro, die Ihr beim Crowdfunding ursprünglich einsammeln wolltet, verschwindend gering. Am Ende wurden es 390.000 Euro. Hättet Ihr mit der erwarteten Summe überhaupt etwas anfangen können?

Im Prinzip sollte die Kampagne unsere Sichtbarkeit erhöhen, Nevo erstmals in Kontakt mit dem Endkunden bringen.

Eine ganze Zeit lang waren die Uhren auf Eurer Seite ausverkauft. Woran lag’s?

Das liegt daran, dass wir gerade wichtige Verträge mit großen Handelskonzernen und Elektronikfachmärkten abgeschlossen haben. Media Markt ist zum Beispiel darunter, außerdem Christ. Bislang haben wir rund 7.000 Uhren verkauft.

Große Namen für ein Unternehmen, das nicht einmal ein Jahr am Markt ist. Mal ehrlich: Ohne Rückenwind aus Hongkong wäre das auch nicht machbar gewesen, oder?

Davon gehe ich aus. Aber es braucht in dem Bereich einfach eine kritische Investitionsmenge, um überhaupt irgendetwas auf die Beine stellen zu können.

Wie soll es jetzt mit der Marke weitergehen?

Erstmal wollen wir ein viertes Modell herausbringen, noch in diesem Jahr. Solarbetriebene Varianten der Uhren werden wir ab Oktober im Programm haben. Außerdem soll die App verbessert werden, sodass sie irgendwann individuelle Gesundheitsprofile der Nutzer erstellen kann. Dazu befinden wir uns gerade in Gesprächen mit E-Ventures sowie Gruner + Jahr. Die Serie-A-Runde werden wir voraussichtlich im September abschließen. Wir sind überzeugt, dass Uhren wie die Nevo normale Zeitmesser bald vom Markt verdrängen werden.

Danke für das Gespräch, Simon.

Bild: Simon Bartmann