NextB2BForum

Acellere-CEO Vishal Rai, FinTech-Group-Chairman Martin Korbmacher, Moderatorin Jana Randow und 1&1-CTO Henning Kettler

Gerne ein bisschen mehr Berlin. Aber bloß kein B2C!

Frankfurter Innenstadt. 18. Stock. Eine junge Delegation des Weltwirtschaftsforums will die Bankenmetropole aufmischen. Nicht etwa, um aus ihr das nächste Berlin zu machen. Denn das bunte Treiben an der Spree schaut man sich hier gerne aus sicherer Distanz an. Ziel ist es viel mehr, gleich in die Königsklasse aufzusteigen: Frankfurt und umliegendes Rhein-Main-Gebiet sollen zum Hotspot für B2B-Startups werden. So zumindest stellt sich das der hiesige Global-Shaper-Zusammenschluss vor. Global Shapers, das sind junge Erwachsene aus allen möglichen Disziplinen, die jünger als 30 sind und sich für ihre Region engagieren – etwa wirtschaftlich oder sozial. Dahinter steckt das Weltwirtschaftsforum.

Anzeige
Das Frankfurter Global-Shapers-Team lud gestern Abend zur zweiten Ausgabe seiner Veranstaltungsreihe NextB2BForum. Das Event zum Thema „Disrupt Finance“ im Rückblick:

Den Anfang macht Basir Mustaghni von der Boston Consulting Group. Er predigt eine Kultur des Scheiterns. Keine Innovation ohne Risiko. So weit so gut. Wer mit seinem Geschäft gerade gut dastehe, der solle trotzdem nach vorne schauen: „Es ist keine gute Idee, die Vergangenheit vor der Zukunft zu schützen“, sagt Mustaghni.

Dem pflichtet 1&1-CTO Henning Kettler in der ersten Podiumsdiskussion bei: „Als etablierter Konzern bleibt man bei dem, was man kennt. Dabei vernichtet das neue Ideen“. Gestandene Unternehmen aus dem Finanzsektor und Startups sollten sich vertragen, findet Vishal Rai, Gründer und CEO des Auto-Programmierers Acellere:

In Panel Nummer stehen zwei Alteingesessene dem Newcomer Bitcoin gegenüber. Dirk Schrade von der Bundesbank hält nicht viel von der virtuellen Währung: Zwar sei ihre Zahl auf 21 Millionen begrenzt, die könne aber ja ganz einfach erhöht werden, wenn die Nutzer dem zustimmten. Eine Inflation sei nicht unmöglich. Die Bundesbank allerdings, ja, die habe seit ihrem Bestehen für Stabilität im Land gesorgt! Bitcoin.de-CEO Oliver Flaskämper hält dagegen: Sei nicht das Ende des Post-Monopols ein Segen für Deutschland gewesen? Genauso könnte es mit einer alternativen Währung wie Bitcoin sein.

NextB2BForum

Bitcoin.de-CEO Oliver Flaskaemper, Moderatorin Jana Randow, Commerzbank-Vorstandsmitglied Christof Maetze und Bundesbank-Vertreter Dirk Schraede; Bild: Neuhaus

In der letzten Gesprächsrunde erklärt Nektarios Liolios vom FinTech-Arm des Startupbootcamp, dass er das Wort „disruptive“ nun oft genug gehört habe. Seiner Meinung nach wollten viele Startups gar nicht in die Geschäftsmodelle der Old Economy reingrätschen, sondern mit ihr zusammenarbeiten. Der CEO des B2B-Bezahldienstes John Bruggeman gibt sich indes charismatisch: „Am Ende gewinnt nicht die beste Technologie, sondern die beste Lösung eines Problems. Du kannst da draußen so viel Geld bekommen. Du musst nur eine gute Lösung parat haben“.

Natürlich rät er dem Publikum auch, auf B2B zu setzen, das „fünf Mal mehr Potenzial hat als B2C“, während zehn mal weniger Unternehmen miteinander konkurrierten. Europäischen FinTech-Startups räumt Bruggeman einen Standortvorteil ein. Die Leute hier wüssten, wie man einen stabilen Code baut. In den USA müsse man viel mehr Geld beiseite gelegt haben, um offiziell als Finanzdienstleister anerkannt zu werden. Grundsätzlich sei viel Erfahrung nötig, um in dem Bereich Fuß fassen zu können. „Wenn du im Valley mit der High School fertig bist und noch kein Startup gegründet hast, dann stimmt irgendwas nicht mit dir“. Dafür seien Startups in den USA in allen anderen Bereichen besser dran. Das Fazit des Publikums zur energischen Showeinlage Bruggemans:

 

Von Berliner Hipster-Startup-Kultur ist im Frankfurter Bankenviertel noch nichts zu spüren. Die Anzüge und Kostüme sitzen jedenfalls bei allen Anwesenden noch recht eng. Im Nachgang zur Veranstaltung wird deutlich, dass die Frankfurter Szene einen zentralen Startup-Treffpunkt wie das St. Oberholz noch vermisst. Auch in den Clubs könnte es ruhig etwas mehr wie in der Hauptstadt zugehen, ist zu hören. Nicht beirren lassen will man sich dagegen bei der Entscheidung für B2B. Im nächsten Februar soll die Veranstaltung der Global Shapers in die dritte Runde gehen, dann zum Thema Mobility. Sexy ist das nicht gerade. Aber erfolgversprechend.

Artikelbild: Elisabeth Neuhaus