Nick D'Aloisio

„Die Zeit zum Coden habe ich zwischendrin gefunden“

Er wirkt entspannt, auch wenn man ihm anmerkt, wie viel in seinem Kopf vorgeht. Es ist nicht die durchschnittliche Gründergeschichte, die Nick D’Aloisio auffallend sachlich erzählt, seine beiden Smartphones immer fest im Griff. Und auch nicht die normale Teenager-Geschichte: Als der Brite im vergangenen Jahr seine App Summly für stolze 30 Millionen Dollar an den Internetriesen Yahoo verkaufte, war er gerade 17 Jahre alt.

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Eineinhalb Jahre hatte er in seinem Kinderzimmer an der Idee gewerkelt, Nachrichtentexte für mobile Geräte automatisch einzukürzen. Für seine Idee verließ D’Aloisio zeitweise die Schule, seine Eltern – der Vater Investmentbanker, die Mutter Anwältin – unterstützten ihn.

Seit dem Verkauf arbeitet er bei Yahoo, leitet dort das in London und Kalifornien sitzende Team, das die App „News Digest“ betreut. Denn die basiert auf D’Aloisios Summly. Parallel hat er in diesem Sommer die Schule zu Ende gebracht. Nun geht er an die Uni, um Informatik und Philosophie zu studieren. Oxford natürlich. Leisten kann er es sich, auch wenn man ihm das dicke Bankkonto nicht anmerkt.

Im Interview verrät der in Australien geborene Schülermillionär, wie alles angefangen hat, was er als junger Gründer gelernt hat und ob bald wieder etwas Neues, Großes von ihm zu erwarten ist.

Nick, Du bist noch sehr jung und hast bereits Deinen ersten prominenten Exit hinter Dir. Wann hat mit Summly alles angefangen?

Ich hatte die Idee, als ich 15 war. Das war im Sommer 2011.

Wie kommt man als Teenager auf die Idee, ein Startup zu gründen? Und warum gerade eine News-App?

Das mit dem Startup war ja eher der zweite Schritt und gar nicht unbedingt geplant. Für die App selbst habe ich mich von Twitter inspirieren lassen. Das Programm hat die Leute in der Textlänge beschränkt. Ich fand das spannend und habe überlegt, ob man Ähnliches mit Online-Artikeln machen und das automatisieren kann. Denn es war klar, dass die bisherigen Textlängen auf mobilen Endgeräten nicht funktionieren. Also habe ich einen Prototypen gebastelt.

Du hast also die erste Version der App selbst programmiert?

Ja.

Was haben Deine Freunde gemacht, während Du am Rechner saßt?

Es waren ja gerade Sommerferien, da waren sowieso alle weg. Ich mag es, zu relaxen. Die Zeit zum Coden habe ich zwischendrin gefunden – immer dann, wenn ich mich gelangweilt habe.

Deine App gibt Nachrichtentexte verkürzt aus. Musst Du Dir nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass den Texten der Tiefgang fehlt?

Es wird ja eine ganze Menge an Kontext mitgeliefert, etwa Wikipedia-Informationen. Außerdem ist die ausführliche Version immer verlinkt. Als ich die Idee hatte, wurde die Frage tatsächlich auch öfter gestellt. Mittlerweile scheint man sich daran gewöhnt zu haben.

Wie siehst Du die Zukunft von Inhalten?

Wir sprechen immer wieder von Zusammenfassungen, der Name Summly verleitet ja auch dazu. Aber genau genommen geht es um Vereinfachung: Computer müssen lernen, unterschiedliche Informationsfetzen zu einem „Gesamtbild“ zusammenzusetzen. Die eigentliche Nachricht wird dann mit Karten oder Infografiken ausgekleidet.

Auf diese Weise kann man eine Menge dazulernen und die Nachricht auch verstehen, wenn man die Entwicklung nicht aktiv mitverfolgt hat. Längere Geschichten wird es allerdings weiterhin geben. Zum einen, weil sie als Grundlage für die Zusammenfassungen dienen. Zum anderen auch, weil sie sicherlich weiterhin gelesen werden. Für den täglichen Medienkonsum sind sie aber nicht geeignet.

Der schnelle Erfolg von Summly ist sicherlich ein Indiz dafür. Denn beim Prototypen ist es ja nicht geblieben – wie ging es weiter?

Ich hatte Glück: TechCrunch brachte eine Story über meine App, die damals noch Trimit hieß. 2011 kamen nicht so viele Apps auf den Markt, heute würde so etwas wahrscheinlich einfach untergehen. Durch den Artikel wurde der Hongkonger Milliardär und Investor Li Ka-Shing darauf aufmerksam. Er dachte, es handle sich bereits um ein echtes Unternehmen in London. Dann kam eine E-Mail und ich pitchte kurz darauf am Telefon. Als ich ihnen am Ende sagte, dass ich erst 15 bin, glaubten sie mir nicht.

Wie hast Du sie dennoch überzeugt?

Um sicher zu gehen, dass meine Geschichte auch stimmt, flogen die Investoren nach London und besuchten mich – und meine Eltern. Nach dem Gespräch waren sie überzeugt und investierten 300.000 Dollar in einer Seed-Runde. Im November 2011 war das.

Danach haben viele bekannte Leute bei Summly investiert, darunter Schauspieler Ashton Kutcher, Airbnb-Gründer Brian Chesky, Zynga-Chef Mark Pincus, der britische Comedian Stephen Fry oder Yoko Ono. Hast Du da starken Druck gefühlt?

Eigentlich nicht. Ich habe mir selbst viel Druck gemacht, weil ich mir sicher war, dass ich etwas Großes aufbauen kann. Die Investoren waren recht entspannt und eher neugierig, ich war dann ja gerade einmal 16 Jahre alt.

Insgesamt 1,3 Millionen US-Dollar hat Summly über die Zeit aufgenommen. Wie fühlt man sich als dann 16-Jähriger mit so viel Geld?

Das Geld gehörte ja nicht mir, sondern der Firma. Und ich wusste ziemlich genau, wo ich mit dieser hin wollte – auch wenn ich einen Verkauf an Yahoo natürlich damals nicht auf dem Schirm hatte. Ich will ja selbst mal ein großes Unternehmen aufbauen.

Wie wichtig ist Geld überhaupt?

Es spielt eine wichtige Rolle, weil es alles am Laufen hält. Das Wichtigste sind aber die Idee und das Team. Und die Tatsache, dass einem beides wirklich am Herzen liegt. Das mag alles nach Klischee klingen, aber es ist wahr.

Gleich nach dem ersten Investment hast Du die Schule verlassen, um an der Idee zu arbeiten. Was haben Deine Eltern eigentlich dazu gesagt?

Der Schulleiter hat mich unterstützt, sonst hätte ich das auch nicht gemacht. Ich war immer ein guter Schüler, deswegen haben meine Eltern mir die Möglichkeit gegeben, etwas aufzubauen. Es war so eine „Du bist da an etwas dran“-Situation. Ich musste auch 100 Prozent meiner Zeit mit Summly verbringen, anders wäre es nicht gegangen. Außerdem hatte ich ja nicht von Anfang an den Plan, 18 Monate nicht zur Schule zu gehen. Das haben wir Monat für Monat entschieden.

Bitte wenden – hier geht’s zum zweiten Teil des Interviews.

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