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Niklas Hoffmeier und 20content: ein Jahr danach

Vor einem Jahr porträtierte Gründerszene den damals 17-jährigen Schüler Niklas Hoffmeier. Der hatte wenige Monate zuvor sein Marketing-Unternehmen 20content ins Leben gerufen, 25 freie Mitarbeiter beschäftigt, 30 Kunden betreut – und sorgte nicht nur wegen seines Alters für zahlreiche polarisierende Leserkommentare.

Allen Neidern und Zweiflern zum Trotz existiert der von Hoffmeier gegründete Online-Marketing-Allrounder noch immer. Er wuchs in Punkto Umsatz und Kundenstamm, beschäftigt die ersten festen Mitarbeiter und ist mittlerweile nach Hamburg gezogen. Niklas Hoffmeier im Gespräch über seine persönliche Entwicklung, das Unternehmenswachstum und riskante Lebensentscheidungen.

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Niklas, was ist in den letzten zwölf Monaten passiert?

Wir haben mittlerweile über 100 feste Kunden und haben den Stab der Freelancer auf etwa 50 erhöht. Zudem haben wir ein Kernteam von fünf Personen gebildet, wodurch wir zu einem professionellen Anbieter erwachsen sind. Das größte Highlight des Jahres passierte dann im November mit der Gründung zweier GmbHs: Der 20content GmbH als Dienstleister und der 2rockets GmbH als Vermarkter – hier befinden wir uns allerdings noch in den Kinderschuhen. Und ich persönlich habe in diesem Jahr so viel gelernt, wie ich meines Erachtens nach nicht in einem Studium hätte lernen können: von Teamführung, über Recruiting bis hin zu Online-Marketing, aber auch bürokratische Dinge.

Die Schule hast du mittlerweile abgeschlossen?

Ich habe mein Abitur erfolgreich abgeschlossen. Der NC von 1,9 war angesichts der Tatsache, dass ich wirklich sehr viel gearbeitet habe und mich mehr oder weniger vollkommen auf das Unternehmen konzentriert habe, trotzdem sehr gut. Ich habe mich dann allerdings gegen das Studium entschieden – ursprünglich wollte ich Wirtschaftspsychologie studieren.

Hat sich dein Alltag durch das Wegfallen der Schule entspannt?

Insgesamt hat es sich eher entspannt. Im Nachhinein würde ich die Doppelbelastung mit Schule und Beruf so auch nicht mehr eingehen. Jede Medaille hat leider auch ihre zwei Seiten, ich habe für den frühen beruflichen Erfolg unter anderem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt. Mittlerweile achte ich verstärkt darauf, viel rauszugehen, um fit zu sein und möglichst produktiv arbeiten zu können.

Wie gehen gleichaltrige Freunde und Bekannte mit deiner Situation um?

Überwiegend ist der Großteil positiv darauf eingestellt. Ich durfte wirklich sehr viele Menschen kennenlernen, wofür ich sehr dankbar bin. Kritisch ist eher die ältere Generation.

Warum kritisch?

Weil diese in alten Abläufen von Schule, Studium und Beruf denkt und weil ich, wie es sich für die Generation Y gehört, sehr offen, sehr zielstrebig bin. Insgesamt habe ich aber sehr viel positive Resonanz bekommen. Aber wie so oft im Leben, ein paar Neider sind immer dabei.

Du hast dich gegen das Studium entschieden und damit laut geltender Meinung für das Risiko. Siehst du das auch so?

Wenn ich mir den aktuellen Stand anschaue, würde ich sagen: nicht riskant. Meine Mutter aber beispielsweise predigt mir immer, dass ich bloß ein Studium machen solle. Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil es die Entwicklung des Unternehmens behindern würde. Ich könnte aber natürlich auch in drei oder vier Jahren noch ein Studium abschließen, ohne einen wirklichen beruflichen Nachteil zu haben.

Wie gehst du mit dem finanziellen Erfolg deiner Firma um? Immerhin könntest du dir die Wünsche deiner Altersgruppe gut erfüllen.

(lacht) Nein, nein, nein. Momentan liegt der Fokus darauf, die finanziellen Mittel noch stärker zu investieren und noch stärker zu wachsen. Ich persönlich würde das erwirtschaftete Geld für die Entwicklung des Unternehmens und das soziale Engagement einsetzen.

Da du den sozialen Aspekt erwähnst: Konntet ihr euer Versprechen halten, 20 Prozent eures Gewinns an soziale Projekte zu spenden?

Das konnten und werden wir einhalten. Das hat für mich persönlich oberste Priotät und ist ein Grund, warum wir den Verein Mavericks Foundation gegründet haben, damit das Geld direkt ankommt, ohne, dass viel in der Verwaltung hängen bleibt.

Vor einem Jahr sagtest du, es störe dich, nicht ernst genommen zu werden. Ist das immer noch so?

Das ist deutlich besser geworden. Zumal ich aber auch sagen muss, dass ich auch damals nie so richtige Probleme damit hatte, weil viele auch gar nichts von meinem Alter wussten oder viele Menschen auf mich zugekommen sind, die gerade diesen Aspekt schätzten.

Eurer Dienstleistungsangebot vor einem Jahr war riesig. Habt ihr euer Angebot mittlerweile ausgedünnt?

Unser Fokus liegt klar auf den Bereichen Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Programmierung und Webdesign haben wir für unsere Bestandskunden zwar noch weiterhin im Angebot, bewerben es aber nicht mehr aktiv in unserer Akquisestrategie.

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Ihr plant gerade einige Neuerungen. Welche sind das?

Das ist unter anderem unser Relaunch, vor allem inhaltlich. Wir möchten unseren Auftritt professionalisieren. Wir möchten den Weg von der Anfrage zu uns deutlich verkürzen. Wir möchten mehr Kundenservice anbieten. Aber wir versuchen auch verstärkt, unsere Unternehmensprinzipien wie etwa Aufrichtigkeit, Offenheit, Fairness oder Leistungsbereichschaft umzusetzen. Mir ist vor allem in der Werbung aufgefallen, dass wir von unten bis oben belogen werden und genau diesen Aspekt möchte ich nicht unterstützen. Deshalb schreiben wir auf unsere Webseite auch nur Leistungen, die wir auch erbringen können.

Welche zusätzlichen Ziele habt ihr euch für dieses Jahr gesetzt?

Der Kundenstamm soll ausgebaut werden. Ich möchte vermehrt feste Mitarbeiter einstellen und ich möchte hier in Hamburg ein eigenes Büro eröffnen. Sehr gerne auch zusammen mit anderen Startups, die den Bezug zum Alter und dem Thema Nachhaltigkeit haben.

Warum Hamburg?

Das hat zum einen persönliche Gründe. Zudem empfinde ich Hamburg als eine der größten Städte Deutschlands als sehr attraktiv, weil wir hier alles haben: berufliche Aussichten, Kultur, Wassernähe und viel Grün. Allein schon das obligatorische „Moin“ gefällt mir persönlich sehr. Aber natürlich auch aus Karrieregründen ergibt Hamburg deutlich mehr Sinn als mein kleines Dörfchen Blomberg.

Niklas, danke für das Gespräch.

Bild: Niklas Hoffmeier