Niklas-Jansen Blinkist Startup-Helden

Blinkist-Mitgründer und -Geschäftsführer Niklas Jansen (29)

„Startup-Held“ Niklas Jansen im Interview

Niklas Jansen gründete 2012 gemeinsam mit Holger Seim, Tobias Balling und Sebastian Klein Blinkist. Mit ihrem Dienst sollen Interessierte in jeweils 15 Minuten Lesezeit die Essenz aus Literatur zu Themen wie Business, Politik oder Populärwissenschaften erfassen. Im Ein- Drei- oder Zwölf-Monatsabo für monatlich 3,30 bis 6,35 Euro können die Nutzer auf einen bisher 500 Zusammenfassungen großen Schatz an Wissensliteratur zugreifen. Seit Ende 2013 sind Website und App global verfügbar. Gerade startete das Startup zudem sein neues, englischsprachiges Portal Page19, das interessante Aspekte aus Business-Büchern in Blogform aufbereitet.

In der Reihe „Startup-Helden“ spricht Blinkist-Mitgründer Niklas Jansen über das neue Projekt, die Fortschritte in den USA und seine Einstellung zum Deutschlandstart von Amazons E-Book-Flatrate „Kindle Unlimited“.

Was macht Blinkist einzigartig?

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Buch-Zusammenfassungen sind zwar kein neues Thema, unser Ansatz unterscheidet sich jedoch in drei Punkten von allem, was bislang auf dem Markt zu finden war: Erstens haben wir unser Format von Grund auf für den mobilen Alltag und moderne Lesegewohnheiten entwickelt, anstatt bestehende Formate einfach auf Smartphones zu übertragen. Zweitens beschränken wir uns nicht allein auf Business-Literatur, sondern bieten darüber hinaus auch Bereiche wie Psychologie und Populärwissenschaften an. Zu guter Letzt haben wir flexible, faire Preismodelle anstelle hochpreisiger, langfristiger Abos.

Wie geht es mit der US-Expansion voran und plant Ihr, weitere Märkte anzugehen?

Die USA sind bereits jetzt unser größter Markt mit einem Umsatzanteil von über 50 Prozent. Neben Deutschland sind sie weiterhin der Fokusmarkt für unser Wachstum, allerdings kommt mittlerweile auch ein signifikanter Anteil der Umsätze aus den asiatischen Märkten, auf die wir uns im nächsten Jahr noch stärker konzentrieren werden.

Ihr habt Euer Angebot gerade auf ein Online-Magazin ausgeweitet. Woher bezieht Ihr die Inhalte?

Wir haben in dieser Woche unser neues Online-Magazin Page19 online gestellt. Page 19 setzt da an, wo die meisten Leser eines Sachbuches aufhören, nämlich nach der Seite 18. Unser Ziel ist es, ein weiteres Format zu schaffen, um inspirierende Inhalte aus Büchern in modernen Lesegewohnheiten unterzubringen. Die ersten Themen sind beispielsweise, wie man geschickt negatives Feedback gibt oder sich von unnützen Aufgaben befreit. Die Inhalte werden von unserem internationalen Expertenteam erstellt, das auch die Basis von Blinkist bildet.

Amazon bringt seine E-Book-Flatrate nach Deutschland. Befürchtest Du durch den unbegrenzten Zugriff auch auf Sachliteratur Einbrüche für Blinkist, oder siehst Du darin auch Positives?

Wir sehen das sehr positiv. Zum einen zeigt es, dass sich das Flatrate-Modell, das wir auch bei Blinkist anbieten, mittelfristig auch für Bücher funktionieren kann, so wie es schon bei Musik oder Magazinen der Fall ist. Wir erwarten keine Einbrüche für unser Produkt, da aus unserer Erfahrung das größte Kundenproblem ist nicht der Preis, sondern die Lesezeit ist. Wir bieten unsere Nutzern schon heute an, das ganze Buch zu kaufen, wenn sie unsere Zusammenfassung begeistert hat. Amazon Unlimited wird es Lesern noch leichter machen, beides zu nutzen: die Kurzform und bei Gefallen das ganze Buch.

Welche Tipps gibst Du Gründern nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

Es ist wichtig, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Gerade in frühen Phasen zählt nichts anderes als das Produkt, die Kunden, das eigene Team und genügend Geld auf dem Konto zu haben. Es gibt viele Verführungen, sich zu verzetteln; vermeintliche Chancen, die oft aber nur Zeit- und Energiediebe sind, tauchen beinahe täglich auf dem Weg eines Startups auf. Ich kann nur empfehlen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir selbst hatten Zeiten, in denen wir uns regelmäßig verrannt haben. Seitdem wir uns auf die wichtigen Themen konzentrieren, sind wir deutlich erfolgreicher.

Welche aktuellen Trends siehst Du in der Internetwirtschaft?

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Es gibt aktuell viele spannende Entwicklungen. Ich glaube, dass die Apple Watch einer Vielzahl neuer Anwendungen den Weg bereiten wird; genau wie das iPhone in wenigen Jahrn ganz neue Märkte geschaffen und unzählige Produkte ermöglicht hat. Relativ schnell wird man neue Anwendungen um das elektronische Bezahlen herum sehen. Hier gab es in den letzten Jahren viele Innovationen, mit der Apple Watch wird der Markt aber noch mal ganz neu verteilt. Durch sie wird es für Anwendungen auch leichter, dem Nutzer Informationen aus seiner Umgebung direkt zur Verfügung zu stellen, die früher ein paar Klicks auf dem Smartphone entfernt waren. Ich kann so schnell über Ereignisse in meiner Umgebung informiert werden oder bekomme Empfehlungen für ein beliebtes Café in dem Moment, in dem ich daran vorbei gehe.

Bild: Niklas Jansen