Niklas Oestberg, CEO von Delivery Hero

Fast hätte es einen Deal mit Lieferando gegeben

Nicht immer ging es friedlich zu zwischen den Lieferdienst-Konkurrenten Pizza.de aus Braunschweig und Lieferheld aus Berlin. Kopierte Datensätze, Strafbefehle – mehrmals gab es Negativschlagzeilen. Solche Fehden dürften nun der Vergangenheit angehören, seit gestern gehört auch Pizza.de zur Lieferheld-Mutter Delivery Hero.

Im Interview erklärt deren CEO Niklas Östberg, welche Konkurrenten man sich noch für eine Übernahme angesehen hatte, wie beide Unternehmen sich aneinander annähern sollen und wie er sich dem größten internationalen Wettbewerber Just Eat stellen will.

Niklas, mit Pizza.de hat sich Delivery Hero den hiesigen Platzhirschen geschnappt. Ist der Deal eine Reaktion auf die Übernahme von Lieferando durch Takeaway.com?

Wir waren auch in Gesprächen mit Lieferando, fast hätte es sogar einen Deal gegeben. Allerdings war Pizza.de unsere Präferenz – damals aber quasi unverkäuflich. Das hat sich zum Glück geändert.

Wieso kam Euer Lieferando-Deal nicht zustande?

Takeaway hat ein Angebot gemacht, bei dem wir nicht mitgehen wollten.

Pizza.de soll bis zu 290 Millionen Euro gekostet haben, ist in der Szene zu hören. Stimmt das?

Zu den Details des Deals kann ich leider nichts sagen. Alles, was zum Kaufpreis geschrieben wurde, ist pure Spekulation.

Mitgründer Jochen Grote scheidet bei Pizza.de aus, Du wirst neuer Geschäftsführer in Braunschweig. Was wird Deine Rolle dort sein?

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Ich werde mich in den nächsten Monaten intensiv mit dem Team in Braunschweig unterhalten, um eine Strategie zu entwickeln. Langfristig gesehen werde ich mich aus zeitlichen Gründen nicht persönlich um das operative Geschäft von Pizza.de kümmern können. Noch ist es aber zu früh zu entscheiden, wer diese Aufgabe dann übernehmen wird. Kurzfristig ist es mir wichtiger, die Leute und die Prozesse kennenzulernen. Ich denke, wir haben für beide Marken noch großes Potenzial an Wachstumssynergien.

Synergien bedeuten in der Regel auch Redundanzen – denn fast alle Prozesse existieren ja doppelt…

So sehen wir das im Moment nicht. Wir wollen ja ohnehin weiter wachsen, daher suchen wir eher neue Mitarbeiter, als dass wir nun zu viele hätten. Wir müssen jetzt genau ausloten, wie wir die Stärken beider Unternehmen kombinieren, um unseren Kunden den bestmöglichen Service anbieten zu können.

Wo versprichst Du Dir die größten Vorteile?

Ganz vorne steht der Wissensaustausch. Wir haben bei Delivery Hero über die Jahre viel gelernt, Pizza.de ist ein Pionier in unserem Geschäft und hat sich eine extrem gute Marktposition erarbeitet. Ein konkretes Beispiel für eine Best-of-Zusammenarbeit: Wir haben mit 9Cookies ein exzellentes Kassensystem für Restaurants, Pizza.de verfügt über eine sehr gute, selbstentwickelte Tracking-Lösung.

Was hat Pizza.de, was Delivery Hero nicht hat?

Die Stärken von Pizza.de sollen nicht vermeintliche Lücken oder Schwachstellen bei Delivery Hero kompensieren. Es ist vielmehr so, dass wir als Gesamtunternehmen auf allen Feldern von einem so starken Partner profitieren. Dabei ist die Kernstärke von Pizza.de seine große, sehr loyale Kundenbasis. Dazu kommt ein guter Service, ein erfahrenes Team und nicht zuletzt die erwähnte Software.

Soll Delivery Hero nun verstärkt durch Zukäufe wachsen? Zuletzt gab es besonders in Lateinamerika ja einige Übernahmen.

Unser Fokus liegt weiterhin klar auf organischem Wachstum. Aber manchmal ist auch ein Zukauf sinnvoll. Normalerweise würden wir kleinere Unternehmen zukaufen. Die sind günstiger und bringen den größten Mehrwert, etwa um in neue Märkte einzusteigen. Pizza.de war da eher eine Ausnahme.

Um Marktführer in Deutschland zu werden.

Es ist sehr wichtig, im Heimatmarkt die Nummer eins zu sein. Spontan fällt mir kein international bedeutsames Internetunternehmen ein, das nicht auch Marktführer in seinem Heimatland ist.

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Wie wichtig ist der deutsche Markt für Delivery Hero?

Bislang machte das Geschäft von Lieferheld knapp 20 Prozent des Bestellvolumens bei Delivery Hero aus. Nach dem Zusammenschluss wird das Bestellvolumen in Deutschland – grob überschlagen – etwa 40 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachen.

Nun mal der Blick nach vorn: Wie geht es weiter für Delivery Hero?

Wir haben ja in den vergangenen Monaten besonders unser Geschäft in Wachstumsregionen ausgebaut, neben Lateinamerika etwa in China oder Korea. Darauf werden wir uns nun weiter fokussieren.

Wie es auch Foodpanda macht. Seht Ihr das noch relativ junge Rocket-Internet-Unternehmen eigentlich als Wettbewerber?

Ja und nein. Ja, weil sie natürlich ein vergleichbares Geschäftsmodell haben. Und nein, weil es wenig Überlappung zwischen uns und Foodpanda gibt. In den Märkten, in denen wir beide aktiv sind, haben wir schon etwas Vorsprung. Das heißt aber nicht, dass Foodpanda uns nicht den einen oder anderen Markteinstieg schwer machen wird.

Euer größter Wettbewerber bleibt aber sicherlich Just Eat aus Großbritannien.

Richtig. Großbritannien war für uns zuletzt als Umsatztreiber und für das Fundraising wichtig. Das ändert sich nun, wir wollen die beste Plattform dort werden.

Also eine klare Kampfansage an Just Eat?

Wir werden uns sicherlich einen guten Fight liefern.

Und das Bestell-Mekka USA? Dort ist GrubHub ein echtes Schwergewicht, das auch einen IPO plant. Ist der Markt für Delivery Hero nicht interessant?

Im Moment nicht. Wir haben uns den US-Markt in der Vergangenheit zwar angesehen. Erst einmal haben wir aber andere Dinge zu tun und konzentrieren uns auf die Durchschlagskraft in unseren Fokusmärkten.

Apropos Börsengang: Steht der auch bei Delivery Hero auf dem Programm?

Wir wollen 2015 bereit sein für einen Börsengang. Das heißt aber nicht, dass wir es automatisch tun. Für uns kommt nur ein Börsengang in Frage, wenn uns das dabei hilft, ein besseres Produkt zu entwickeln.

Niklas, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Delivery Hero