Seit Wochen läuft um den Berliner Kartenanbieter Here, einer Tochter des finnischen Nokia-Konzerns, eine Bieterschlacht. Zu den Kaufinteressenten sollen nach Medienberichten unter anderem der Mobilitätsgigant Uber und der chinesische Suchmaschinenbetreiber Baidu gehört haben, aber auch die Silicon-Valley-Riesen Facebook und Apple, ein Konsortium um den Computerkonzern Microsoft sowie die chinesischen Internet-Multis Alibaba und Tencent.

Update, 3. August: Am Montagmorgen haben die drei Autobauer Audi, BMW und Daimler sowie Nokia die Übernahme offiziell bestätigt: Das Herstellerkonsortium zahlt insgesamt 2,8 Milliarden Euro für den Berliner Kartenspezialisten. Davon werden 300 Millionen für die Schuldentilgung verwendet, die restlichen 2,5 Milliarden gehen an Nokia. Das Kartellamt muss der Transaktion noch zustimmen.

Die erste Version des Artikels erschien am 21. Juli.

Laut einem Bericht des Manager Magazins ist die Schlacht nun entschieden: Die drei deutschen Autobauer BMW, Audi und Daimler sollen das Berliner Unternehmen mit seinen gut 6.000 Mitarbeitern für nur rund 2,5 Milliarden Euro erwerben, noch im Juli werde die endgültige Entscheidung fallen. Während der Verhandlungen waren teilweise deutlich höhere Summen gestreut worden, von mindestens drei Milliarden war die Rede. Der niedrige Kaufpreis ist ein deutliches Indiz dafür, dass das Interesse der möglichen Käufer doch geringer als zunächst angenommen war.

Here gilt schon länger als Restrukturierungsfall, weswegen Nokia den Verkauf vorantrieb. Außerdem wollen sich die Finnen auf das Geschäft als Netzwerkausrüster konzentrieren. In den Konzernbüchern wurde Here zuletzt nur auf 2,2 Milliarden Euro taxiert.

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Nach Angaben des Manager Magazins hätten sich sämtliche anderen Interessenten aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Auch der Finanzinvestor General Atlantic, der zum Konsortium der Autohersteller gehörte, soll zunächst keine Anteile übernehmen. Ein späterer Einstieg sei aber möglich, auch für andere Autobauer.

Für die Autobauer hat Here eine große Bedeutung: Audi, BMW Daimler, Toyota, General Motors und Honda greifen schon jetzt auf das Kartenmaterial der Nokia-Tochter zurück, das als qualitativ hochwertiger als das der Konkurrenz gilt. Für den Betrieb selbstfahrender Autos ist aktuell gehaltenes und ausreichend detailliertes Datenmaterial unerlässlich.

Hinter Nokia Here steckt unter anderem ein Berliner Startup aus der Dotcom-Ära: Gate5, 1999 vom heutigen Business Angel Christophe Maire Hersteller für Routenplaner-Software für Handys und Navigationsgeräte gegründet. 2006 wurde Gate5 von Nokia übernommen, 2007 kam der US-Kartenspezialist Navteq. Im Jahr darauf wurde das von Amen-Macher Felix Petersen gegründete Plazes angedockt, 2014 kam noch das auf Auswertung großer Datenmengen spezialisierte US-Startup Medio Systems hinzu.

Bild: Here