Die Number26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal (rechts)

In den vergangenen Monaten ging es bei Number26 Schlag auf Schlag. Ein Feature folgte dem nächsten: Ein Dispokredit kam dazu, Auslandsüberweisungen oder die Möglichkeit in Supermärkten Einzahlungen vorzunehmen. Das Berliner Unternehmen rüstete die gehypte Konto-App kräftig auf. Alle Kritikpunkte, die ein Gründerszene-Test im vergangenen Jahr noch bemängelte, sind mittlerweile behoben. 100.000 Kunden konnte der Banken-Angreifer nach eigenen Angaben von seinem Mobile-First-Angebot überzeugen.

Nach diesem ereignisreichen Jahr 2015 steht nun der nächste Meilenstein für Number26 an – eine richtig große Finanzierungsrunde. Das Unternehmen pitcht sein Konzept zurzeit bei Investoren und sucht eine Summe in der Größenordnung von 40 Millionen Euro. Das haben mehrere Quellen unabhängig voneinander gegenüber Gründerszene bestätigt. Number26 wollte sich dazu nicht äußern. Zehn Millionen Euro hatten Star-Investor Peter Thiel und andere Investoren im vergangenen Jahr in das Unternehmen gesteckt, jetzt soll die große Wachstumsfinanzierung folgen.

Der Weg zur Banklizenz

Ende Januar, genau ein Jahr nach dem Launch, präsentierte das Banking-Startup seine langfristige Strategie vor Journalisten. Mit seiner großen Kundenbasis versucht sich das Startup inzwischen als ausgewachsener Fintech-Hub zu positionieren. Über die App will es Produkte von anderen Fintechs anbinden, beispielsweise für Versicherungen, zum Sparen oder Anlegen. Eine erste Partnerschaft mit dem britischen Anbieter Transferwise macht bereits Auslandsüberweisungen möglich. Weitere Kooperationen könnten folgen.

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Eine zentrale Frage in diesem Zusammenhang will das Startup bald ausgeräumt haben: die nach der Banklizenz. Immer wieder werden die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal auf Veranstaltungen danach gefragt.

Nach Gründerszene-Informationen ist das Startup gerade dabei, sich eine Lizenz zu besorgen. So soll die Lizenz-Beantragung nach übereinstimmenden Angaben auch im Pitch-Deck für die Investoren stehen. Auch hierzu wollte sich Number26 auf Nachfrage nicht äußern. Bislang arbeitet das Startup mit der Wirecard-Bank zusammen. Für Fintech-Experten ist die eigene Banklizenz elementar, damit das Geschäftsmodell des Berliner Startups funktioniert. Denn die Partnerschaft mit der Bank kostet und verringert ihre Marge.

Jeder Schritt wird beäugt

Der Erfolgsdruck des Berliner Startups ist groß. Das merkt man beispielsweise daran, wie jeder Schritt von Nutzern und Medien argwöhnisch beäugt wird. Etwa als das Startup vor kurzem für das Einzahlungsfeature Gebühren einführte. Zwar gilt die neue Regelung erst ab Einzahlungsbeträgen von 100 Euro pro Monat, Kritik von Nutzern auf Facebook folgte trotzdem sofort, mehrere Medien wie die Computer Bild berichteten. „Schluss mit kostenlos“, titelt etwa ein iPhone-Blog.

Die gesamte Fintech-Szene schaut auf das Berliner Startup. Gelingt die anstehende Runde in der gewünschten Höhe, wird das Signalwirkung für das ganze Fintech-Ökosystem haben. Die Hoffnung: Der Erfolg der gehypten Berliner könnte andere mitziehen.

Bild: Michael Berger/Gründerszene; Hinweis: Number26 hat 2013 am Accelerator-Programm von Axel-Springer Plug and Play teilgenommen, einem Joint Venture von Axel Springer und dem Plug and Play Tech Center. Der Verlag ist darüber in das Startup investiert. Er ist auch Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.