Numbrs_Saidler

Mit Startups hat Martin Saidler sein Geld verdient. Er gründete etwa die Scout24-Gruppe mit.

Der Unternehmer Martin Saidler liebt große Worte. „Wir gehen davon aus, dass die gesamte Banking-Industrie in der heutigen Form verschwinden wird, so wie der Buchhandel verschwindet“, zitierte ihn das Schweizer Magazin Bilanz noch im Jahr 2013. Ein Jahr zuvor war der Unternehmer mit dem Fintech-Inkubator Centralway gestartet. Doch nur eine Ausgründung von Saidler schaffte es, wirklich Aufmerksamkeit zu erregen: die Banking-App Numbrs.

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In den vergangenen Jahren wurde es dann eher still um Numbrs und den Internetunternehmer Saidler. Vor wenigen Wochen meldete er sich dann mit einem Knall zurück: Etwa 50 Millionen Euro sammelte Centralway Numbrs ein, lautete die Nachricht. Vom Inkubator ist nicht mehr die Rede, stattdessen liegt der Fokus auf dem Hoffnungsträger Numbrs. Für die Fintech-Szene ist das eine erstaunlich hohe Finanzierung, außerdem soll die Bewertung im „hohen dreistelligen Millionen-Bereich“ liegen. Investor ist die Herrscherfamilie aus Dubai über ihre Beteiligungsgesellschaft Investment Corporation of Dubai.

Saidlers Ton gegenüber den Banken ist in der Zwischenzeit moderater geworden, wie sich im Gründerszene-Interview zeigt. Und das hat auch einen Grund: Numbrs setzt seit Kurzem auf Kooperationen. Das Schweizer Startup dient sich als Vertriebspartner für die Banken an. Erste Partner in Deutschland sind die Norisbank und die Postbank.

Mit 150 Mitarbeitern in der Schweiz versucht Saidler jetzt Numbrs in Deutschland und bald in Großbritannien groß zu machen. Insgesamt 1,5 Millionen Nutzer sollen die App nach Angaben des Unternehmens bereits heruntergeladen haben. Der deutsche Konkurrent Outbank spricht gegenüber Gründerszene von vier Millionen Downloads seit dem Start.

Nach dieser Finanzierung muss Numbrs jetzt liefern. Eine dreistellige Millionen-Bewertung bei 1,5 Millionen Downloads ist hoch. Martin Saidler sieht sie im Interview gerechtfertigt – und wehrt sich gegen die Kritik von Finanztest am Datenschutz der App.

Herr Saidler, vor mehr als drei Jahren haben Sie einmal gesagt: „Ich will den ersten echten Internet-Konzern Europas gründen.“ Bislang ist Ihre Banking-App Numbrs noch nicht sehr bekannt. Sehen Sie sich trotzdem auf einem guten Weg?

Die Kernbotschaft bei dieser Aussage war, dass wir ein Technologie-Unternehmen aufbauen wollen. Wir sind jetzt in Deutschland am Markt und haben im Dezember die Beta-Phase in Großbritannien gestartet und werden diese in wenigen Wochen beenden. Danach wollen wir in weitere Länder expandieren. Und ja, wir sind auf einem guten Weg.

Numbrs hat vor kurzem 1,5 Millionen verbundene Konten und 1,5 Millionen Downloads kommuniziert. Wie viele Kunden nutzen Ihre App denn jeden Monat tatsächlich?

Die konkreten Nutzerzahlen kommunizieren wir nicht – wie übrigens auch alle unsere Konkurrenten. Aber Sie können mit der Zahl der 1,5 Millionen verbundenen Konten ein Gefühl dafür bekommen. Manche Nutzer haben nur ein Konto mit unser App verbunden, andere zwei und in ganz seltenen Fällen drei oder vier.

Kunden, die Numbrs herunterladen und nicht mehr verwenden, zählen also nicht mit?

Diese Testkunden gibt es natürlich, wir zählen sie aber nicht mit rein.

Die Kunden mit den 1,5 Millionen Konten sind monatlich wiederkehrende Nutzer?

Ja.

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