Die Attraktivität von alten Geheimbünden war schon immer ihre Exklusivität. Nicht jeder war willkommen in den verschiedenen Zirkeln, die mitunter den Anwärtern auch langwierige Aufnahmeriten auferlegten und somit die Anziehungskraft noch steigerten. Das Prinzip der geschlossenen Gesellschaften funktioniert heute besser denn je. Nicht geheimes Wissen ist bei Shoppingclubs das Ziel der Begierde, sondern der Konsum von hochwertigen Produkten.

Shoppingclubs sind ein Boomthema. Und das nicht nur in den USA, die in diesem Fall einmal nicht Vorreiter einer Welle waren, sondern sich einer Idee französischer Entrepreneure bedient haben.  Vente Privée war es, das die Prinzipien des exklusiven Clubs und der Outlet-Waren miteinander verband. Mittlerweile weist der französische Urvater einen Jahresumsatz von 700 Millionen Euro auf, was einer Steigerung von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleicht kommt.

Trotzdem führen die Vereinigten Staaten die Liste der Klone an. Auf mindestens 20 Exemplare der “Members only”-E-Shops in den USA kam Gründerszene ohne großen Rechercheaufwand. Die meiste Aufmerksamkeit erhält hier die Gilt Groupe Inc., die mit Gilt Fuse, Gilt Man und Jetsetter gleich über drei Zugpferde unter einem Dach verfügt. In Deutschland sind Brands4Friends (www.brands4friends.de) und pauldirekt (www.pauldirekt.de) in den Köpfen der Internetshopper hängen geblieben. Zum Vergleich: Brands4Friends bringt es mit 80 Millionen Euro Jahresumsatz auf etwas mehr als ein Zehntel der Vente-Privée-Macht. In Russland lockt KupiVIP und in Brasilien werden Strandschönheiten bei BrandsClub fündig. Ursprünglich aus Spanien kommend, ist BuyVIP (www.buyvip.com) auch mit einem deutschen Ableger vertreten und ein reichweitenstarker Shoppingclub, der aber nicht so gut performt wie seine deutsche Konkurrenz.

Shoppingclubs für verschiedene Produkte

Viele dieser Clubs verstehen sich als Edel-Boutiquen im Netz, die mit hochwertigen Markennamen locken. Neben dem Geschäft mit Textilien sind aber auch andere Luxusartikel im Angebot. TripHunter (www.triphunter.de) und 029 (sprich ZeroTwoNine, www.zerotwonine.com) bieten den Mitgliedern exklusive Reisen und Events zu einem günstigeren Preis an. Vorbild hierfür war das französische Voyage Privé (das übrigens nichts mit dem Mode-Pendant zu tun hat) bzw. auch geschlossene Social-Networks wie Asmallworld oder Decayenne. Hier setzt man nicht auf das Einladungsprinzip, um wie die Konkurrenz Rabatte nicht im normalen Handel anbieten zu müssen, sondern weil man sich eine homogene und starke Zielgruppe wünscht. Dass es aber auch zwischen den einzelnen Segmenten zu Kooperationen kommt, bewiesen unlängst 029 und BuyVIP: Seit November 2009 sind die 029-Reiseangebote auch über BuyVIP erhältlich.

Die Communities funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip. Zugang zu den Verkaufskampagnen erhalten nur registrierte Mitglieder. Allerdings sind die Zugangshürden im Vergleich zu Freimaurern oder Rosenkreuzern sehr niedrig. Meist reicht eine Anmeldung per E-Mail. Je exklusiver sich der Klub gibt, umso strikter die Aufnahmeprozedur. Eine persönliche Registrierung bei ASmallWorld ist ausgeschlossen. Nur auf Einladung eines “geprüften und loyalen Mitglieds, der spezielle Kriterien erfüllt” erfolgt die Aufnahme in den Kreis. Diese elitär anmutenden Anforderungen steigern das Interesse, in diese Klubs einzutreten.

Zum Erfolgsrezept zählt ebenfalls die Exklusivität der Produkte. BuyVIP, bei denen auch die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander investiert sind, etwa wirbt mit einem Ehrenkodex, der eine 100-prozentige Markensicherheit garantiert: “Mit der Selbstverpflichtung aller Beschäftigten haben wir zusätzlich noch eine weitere präventive Maßnahme gegen Markenpiraterie ins Leben gerufen”, sagt BuyVIP-Geschäftsführer Gustavo Garcia. Dass es sich bei den Produkten um Overstocks der Hersteller handelt, scheint Nebensache, wenn man die Preisnachlässe für den Kunden bedenkt. Mit den bis zu 70 Kampagnen (ein Ausbau auf bis zu 100 ist geplant, die Brands4Firends im Monat anbietet), sollten Schnäppchenjäger auf ihre Kosten kommen. Welche Produkte in der Beliebtheitsskala ganz oben stehen, liegt nach Einschätzung der Shoppingclubs eher an den Markennamen als an den günstigen Preisen.

Zahlen zählen – Das Beispiel Brands4Friends

Wie erfolgreich die Shoppingclubs weiterhin agieren wird sich zeigen. Die Zahlen unterstreichen auf den ersten Blick den Erfolg der Portale. Für BuyVIP bedeutet ein Jahresumsatz von knapp 70 Millionen Euro im Jahr 2009 eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings ist die Steigerungsrate im Gegensatz zu 2007/2008 geringer ausgefallen. Im Jahr 2007 startete BuyVIP mit 5 Millionen Euro Umsatz, ein Jahr später waren es 30 Millionen Euro. Die Klickzahlen der Seite deuten auf weitere Steigerungsmöglichkeiten hin. Brands4Friends verzeichnete laut Presseabteilung Ende Januar 2010 bis zu einer halben Millionen Views in nur einer Stunde – womöglich einer Gründe, warum Tengelmann in das Unternehmen investierte.

In Deutschland ist Brands4Friends der Branchenprimus. Der Berliner Klub liegt bei Bekanntheit und Nutzerzahlen laut einer Umfrage vor den Konkurrenten pauldirekt, BuyVIP und dem Pionier in diesem Segment Vente-privee.com. Hingegen liegt Limango (www.limango.de) recht abgeschlagen auf dem fünften Platz der deutschen Rangliste. Und das obwohl sich hinter dem Portal die Otto Group versteckt, die im Versandhandel natürlich über effektive Verteilerkanäle verfügt. Es werden voraussichtlich noch einige folgen, über deren Verweildauer im Netz nur spekuliert werden kann.

Fashion-Club-Copycatler Oliver Jung

Die Umsetzung der Private-Shopping-Club-Mentalität im Ausland liegt denn auch oft in den Händen deutscher oder europäischer Gründer. Oliver Jung beschäftigte sich bereits vorher mit dem Thema, war er doch Investor bei BuyVIP, bevor er mit Brands4Friends einen deutschen Ableger mit Hilfe seines gewonnenen Wissens gründete. Um rechtzeitig Marktanteile im Ausland zu sichern, ging er mit der Idee ebenfalls nach Russland (KupiVIP) und Brasilien (BrandsClub). Beide sind Mitglied eines Zusammenschlusses aus vier Members-Only-Shopping-Clubs, die unter dem Namen Brands Alliance gebündelt sind. Zu dieser Gruppe zählen des weiteren das schweizerische Fashion Friends und Fashion and You. Letzteres ist mit dem Hauptsitz in Indien das Standbein im riesigen asiatischen Markt. Seine Anteile an Brands4Friends verkaufte Oliver Jung hingegen kürzlich.

Eine Auswahl der Shoppingclubs…

…in Europa

  • Vente-Privee – Das Original aus Frankreich gilt als Vorbild für alle Shopping-Clubs und performt weltweit sehr gut.
  • Brands4Friends (www.brands4friends.de) – Brands4Friends ist ein Shopping-Club nach dem Vorbild von Vente-Privée, bei dem Nutzer Markenartikel und Lifestyleprodukte zu günstigen Preisen erhalten können.
  • BuyVIP (www.buyvip.com) – Für die Mitglieder der Shopping-Community BuyVIP werden in regelmäßigen Abständen exklusive Verkaufsangebote der führenden Markenartikelhersteller angeboten. Das Original kommt aus Spanien.
  • 4Clever – 4Clever wird von der Abey GmbH betrieben. Der Shopping-Club aus Grebin/Deutschland bietet bis zu 80 Prozent Preisnachlass auf die angebotenen Markenartikel.
  • Catwalk to closet – Der englische Shopping-Club Catwalk to closet kommt auf monatlich 40.000 Besucher. An die Mitglieder werden Artikel aus dem Bereich Mode verkauft.
  • ClubSale – Der Shopping-Club bietet für die Mitglieder Artikel aus dem Bereich Boardsports und Streetfashion. Marken sind unter anderem Carhartt und Billabong.
  • Eboutic – Ein eidgenössischer Vertreter der Shopping-Clubs ist Eboutic. Er ist der Nummer-1- Online-Outletstore. Neben dem modischen Angeboten gehören auch Kampagnen aus den Bereichen Touristik, Deko, Sport und Spielwaren zum Portfolio.
  • Fashion Friends – Mit Sitz in Bern ist Fashion Friends der zweite Vertreter der Eidgenossen. Der Store zählt zur Brands Alliance, einem Zusammenschluss von vier Shopping-Clubs weltweit.
  • Glamour-Village – Aus Neckarsulm kommt der Members-Only-Club Glamour-Village. Die zeit- und volumenlimitierten Angebote bieten bis zu 70 Prozent auf den UVP der Markenhersteller.
  • KupiVIP – Das russische Pendant zu Brands4Friends wurde vom ehemaligen BuyVIP-Investor und B4F-Gründer Oliver Jung gegründet.
  • Label-Park – Unter dem Namen Label-Park vertreiben Giovanni Chaffron und Jens Reichhart von Frankreich aus Artikel aus den Bereichen Skating, Snowboarding und Lifestyle.
  • Limango (www.limango.de) – Als Partner der Otto Group bietet Limango Familienaktionen und jede Woche Verkaufsaktionen aus dem Bereich Mode und Accessoires.
  • Markafoni (www.markafoni.com) – Der türkische Shopping-Club-Ableger.
  • Pauldirekt (www.pauldirekt.de) – Pauldirekt ist ein Liveshoppingdienst, bei dem nur eingeladene Mitglieder einkaufen können. Zu jedem Angebot gibt es bei Pauldirekt Videos, welche die Schnäppchen visualisieren.
  • Privalia – Ursprünglich aus Spanien stammend, bedient Privalia auch Kunden in Italien, Mexiko und Brasilien.
Private Shoppingclubs in Europa StepMap Private Shoppingclubs in Europa

…in den USA Von der Westküste der USA aus vertreiben Billion Dollar Babes, The Savvy, Haute Look, Fashion Elements und I Love Samples Produkte an ihre Mitglieder. In den Südstaaten sind Luxe Club One, Ideeli und Juxzy Vertreter der Shopping-Clubs. Im Osten und Norden der Vereinigten Staaten konkurrieren unter anderem Planet Lulu (Chicago), Rue LaLa (Boston) gegen die New Yorker Clubs Kate Spade, Editor’s closet, The Top Secret, Glamlist und die Gilt Groupe. Letztere mausert sich zu einem der größten Angebote, wird doch unter dem Dach der Gilt Groupe Inc. demnächst Gilt Home das Angebot um Wohnungsaccessoires erweitern.  Desweiteren gibt es auch in Down Under mit brandsExclusive mindestens einen Shoppingclub-Vertreter. Sich selbst beschreiben die Australier als führenden Anbieter auf der anderen Seite der Weltkugel. Fast genauso weit entfernt von Deutschland befindet sich die Zentrale des indischen Members-Shopping-Club Fashion and You, der vor allem den asiatischen Markt beliefert. Private Shoppingclubs in den USA

StepMap
Bildmaterial: clarita

Artikel zum Thema:

GD Star Rating
loading...
Nur auf Einladung - Eine (Teil-)Übersicht der weltweiten Shoppingclubs, 2.0 out of 5 based on 3 ratings
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.