nutzt bwl studium bei grundung

Verliert das BWL-Studium an Relevanz?

Thorsten Kucklick ist zweimaliger Gründer, fleißiger Blogger (www.digitalbetrieb.de), sowie studierter Betriebs- und Volkswirt. Irgendwie passt das ja alles zusammen, aber wie er in einem Gastbeitrag für das Online-Portal KarriereSpiegel schreibt, hätte er auf das Studium auch gut und gerne verzichten können:

„Schon bei der Suche nach Startkapital steckte ich auf einmal in einem Dschungel aus Risikokapitalgebern, Business-Angels und öffentlichen Förderprogrammen. Gut, ich hatte Vorlesungen im Fach Finanzierung. Davon sind bei mir hochtrabende Investitionsrechnungen und Finanzierungstheorien hängengeblieben. Aber damit konnte ich als Gründer relativ wenig anfangen.“

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Auch bei den Themen Marketing und PR fühlte sich Kucklick auf verlorenem Posten. Mehr als jedes Seminar hätte dem Wirtschaftswissenschaftler am Ende ein Buch gebracht – „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin, einem Unternehmensgründer und Professor an der Freien Universität Berlin.

Kucklick gründete später MeinSpiel (www.meinspiel.de) und Ultrapress (www.ultrapress.de).

Im KarriereSpiegel-Kommentar schreibt er, was ihm wirklich wichtig war: „Angehenden Firmengründern rate ich, erst mal ein Praktikum bei einem Startup zu machen. Und, ganz wichtig, sich mit anderen Gründern auszutauschen, bei Stammtischen, Konferenzen, in Blogs.“

„Uni lehrt realitätsferne, theoretische Modelle“

Ähnliche Erfahrungen wie Thorsten Kucklick hat auch Daniel Schmitz gemacht. Er studierte zwischen 2008 und 2011 an der Uni Köln den Bachelor-Studiengang BWL und gründete danach gemeinsam mit zwei Freunden PrepLounge (www.preplounge.com), eine Plattform zur Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen bei Unternehmensberatungen.

„Während des Studiums lernst du, verschachtelte Bilanzen von Großkonzernen bis ins kleinste Detail zu analysieren. Aber das bringt dir gar nichts, wenn du eine GmbH-Bilanz erstellen oder neue Mitarbeiter ordnungsgemäß anmelden willst“, erzählt er.

Deshalb habe man sich Hilfe von einem externen Steuerberater geholt. Und auch Schmitz’ Aufgabenbereich hatte sich alsbald gewandelt: Statt sich – wie anfangs angedacht – ausschließlich um Controlling- und Finance-Angelegenheiten zu kümmern, befasst er sich heute hauptsächlich mit Marketing und Personalwesen.

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„In der Uni lernst du viele theoretische Modelle kennen. Diese sind oft sehr realitätsfern, weil bestimmte Faktoren ausgeblendet werden. Auf das tägliche Startup-Leben kannst du diese Modelle gar nicht anwenden.

Im Gegenteil, es ist sogar sehr gefährlich, sie eins-zu-eins übertragen zu wollen“, sagt Schmitz. Für eines war das Studium aber doch gut: Das Erlernen der hohen Kunst der Selbstorganisieren. Schmitz: „Aber das ist nichts BWL-typisches!“

Einmal „auf die Schnauze fallen“ hilft

Julian Hansmann und Sven Gasper von Studydrive (www.studydrive.net) haben den BWL-Ableger „International Business“ an der Uni Maastricht studiert. Auch sie stehen einem Wirtschaftsstudium eher kritisch gegenüber. „Wie funktioniert das mit dem Seed-Investment? Während wir aus der Uni wussten, wie das Fundraising bei Aktiengesellschaften funktioniert, hatten wir keine Ahnung, wie das genau bei einem Startup läuft“, erzählt Hansmann. „Wie können wir unser Startup bewerten, wenn wir keine wirklichen Anlagegüter und historische Daten haben? Hier erfordert es sehr viel Recherche und Gespräche mit anderen Gründern!“

Mitgründer Gasper fasst es so zusammen: „Am Ende kommt es nicht darauf an, was man studiert hat. Was zählt, ist die Passion, mit der man eine Idee verfolgt und diese umsetzt. Das gilt für jeden Gründer – egal, ob Programmierer, Designer oder BWLer. Und das wird keinem Studium oder Buch vermittelt. Diese Eigenschaften eignet man sich nur an, indem man einfach loslegt, mal auf die Schnauze fällt und am Ende hoffentlich dafür belohnt wird.“

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