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Abschiede sind meistens schmerzvoll, vor allem, wenn sie endgültig sind. Da hat man sich kennengelernt, aneinander gewöhnt, News ausgetauscht und plötzlich führt die URL ins Leere. Wenn Internet-Startups sich verabschieden, liest man selten viele Worte über die W-Fragen, die interessieren. „Diese Domain steht zum Verkauf“ oder „404“ ist alles, was bleibt. Gründerszene zeigt, welche Internet-Startups 2011 offline gingen.

AllesAnna (*Mai 2010, †April 2011)

Alles fing vielversprechend an. AllesAnna, der Onlineshop für Drogerieartikel, konnte durch eine ansprechende Optik, kostenfreien Versand, ein 100-tägiges Rückgaberecht und kostenlose Lieferung überzeugen. Anders als Beautydeal, das schon Ende 2009 scheiterte, bot das Berliner Startup nicht nur teure Kosmetik- und Duftartikel, sondern auch einfache Gebrauchsgegenstände wie Toilettenpapier und Zahnbürsten. Und das zu fast gleichen Preisen wie die Offline-Konkurrenz Rossman, DM und Schlecker. Genau gegen diese Konkurrenz konnte AllesAnna letztlich nicht bestehen. Die niedrigen Margen brachten die Insolvenz nach weniger als einem Jahr.

ChannelQ (*2008, †Februar 2011)

Die Quizplattform ChannelQ bot eine Auswahl an kostenlosen Quizshows, Ratespielen und Bilderrätseln an. Daneben hatten User auch die Möglichkeit, eigene Formate zu kreieren. Die ausschließliche Refinanzierung durch Werbung rentierte sich für das in München ansässige Unternehmen der Mission: Entertainment GmbH leider nicht. Unter der alten URL findet man jetzt einen Blog über Allgemeinwissen, allerdings nur zu drei Themen (Autos, Ritterspiele und Gartenhäuser).

Choice of Nature (*Oktober 2010, †August 2011)

Der Ableger von MyParfuem (www.myparfuem.com) stand für individuelle Kosmetikprodukte und das Prinzip der Mass Customization. Aus drei Bereichen – Duft, Wellness und Pflege – konnten Produkte kreiert werden, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten waren. Trotz fehlender Kundenresonanz und schlechter Umsätze sehen die Betreiber die Niederlage auch positiv. Nun können sie sich mit neuen Erkenntnissen ganz den individuellen Düften beim Hauptprojekt MyParfuem widmen.

Eingelogged.de (*2008, †Anfang 2011)

Als Verwaltungsdienst für Zugangsdaten nahm Eingelogged.de einen speziellen Platz in der Startup-Landschaft ein. Bei den unzähligen Passwörtern und Benutzernamen, die sich jeder User mittlerweile merken muss, ergab die Seite durchaus Sinn und sparte Zeit. Mit einem Klick konnte man auf alle passwortgeschützten Dienste zugreifen, dabei sollten höhere Sicherheitsmaßnahmen als bei einfachen Webseiten, unter anderen durch dedizierte Firewalls, gewährleistet sein. „Wir finden, dass durch die Benutzung von Eingelogged.de das Internet komfortabler wird. Es braucht etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen, aber wenn es einmal passiert ist, will man es nicht mehr missen!“, meinten die Gründer. Für die Mehrzahl der (potentiellen) User jedoch traf diese Aussage nicht zu.

Handeln.de (*Ende 2007, †Februar 2011)

Das Startup Handeln.de war eine von Usern mitgestaltete Produkt-Empfehlungsplattform, die diesen im besten Fall sogar Geld einbringen konnte. Nach einem Jahr schon sah es schlecht aus, ein Neustart brachte keinen Erfolg. Nun findet man unter der Domain einen Wirtschaftsblog.

JoinR (*2006, †2011)

Die Blogcommunity JoinR bot kostenlosen Webspace für Online-Darstellungen junger Mitglieder ab 14 Jahren. Wie bei einem RSS-Reader wurden die Neuigkeiten der einzelnen Webseiten regelmäßig angezeigt. Leider blieb der weitere Aufbau des sozialen Netzwerks erfolglos.

Kisju (*Anfang 2009, †Juni 2011)

Kisju versuchte sich am schwierigen Markt für Lebensmittelangebote im Internet. Dabei war Kisju kein E-Shop, sondern ein Marktplatz, der Kaufentscheidungen erleichtern sollte. Die Qualität der regionalen Lebensmittel stand im Vordergrund, zertifizierte Verkäufer bestätigten die Auswahl. „Letztlich mussten wir (aber) feststellen, dass sich der Lebensmittelmarkt online nicht gemäß unseren Erwartungen entwickelt hat“, so Mitgründerin Ann Marisa Freese. Auch die Erwartungen der User wurden nicht erfüllt. Denn auf der nüchtern wirkenden Webseite mussten User extra Versandkosten pro Händler zahlen.

Map-Box (*Ende 2009, †2011)

Bei Map-box konnten sich die User individuelle Luftausschnitte oder Straßenkarten auf frei gewählte Artikel ausdrucken lassen. Interessantes Angebot, aber betriebswirtschaftliche Gründe führten schließlich doch zum Offlinegang.

Mr. TrailMix (*Anfang 2010, †Februar 2011)

„Nicht genug Umsatz gemacht“, mit dieser schlichten Begründung verabschiedete sich das Startup für Studentenfutter aller Art. Nun müssen die User wieder selbst Zutaten wie Nüsse und Süßigkeiten miteinander mischen.

MyStocks (*2008, †Mai 2011)

Die Börsencommunity MyStocks sammelte die Erfahrungen und Analysen der Mitglieder und stellte diese in einem Wiki zusammen. Dazu gab es ein Börsenspiel. 2008 noch unter dem Namen Stockflock ins Leben gerufen, wurde die Domain schon im Herbst 2010 zum Verkauf angeboten. Geht man nun auf www.mystocks.de, wird man auf die Aktienvergleichsseite Preis24 (www.preis24.de) weitergeleitet. Dort verkündet ein Pop-up noch immer das Ende des Startups, das bereits zum 2. Mai eingestellt wurde.

Mysweetsbox (*November 2010, †Juni 2011)

Mit Süßigkeiten aus der Kindheit in Nostalgie verfallen, das konnte man mit Mysweetsbox. Das Berliner Startup erzielte gerade in der Vorweihachtszeit mit seinen drei verschiedenen Care-Paketen, dem BRD-, DDR- und Einheits-Care-Paket, große Umsätze. Besonders, da die meisten Naschereien wie Schokozigaretten, Mokkabohnen oder Schlagersüß-Tafeln kaum noch im regulären Einzelhandel zu finden sind. Ein Teil davon ging zudem an Projekte der Hilfsorganisation Care. Die beiden Gründer konzentrieren sich aber erstmal auf andere Projekte und legten die Idee auf Eis.

MyUnibook (*Januar 2010, †2011)

Die Idee klang gut: Ein Marktplatz für gebrauchte Bücher von Studenten für Studenten. Bedenkt man die teils hohen Kosten, die man normalerweise für Lernmaterial ausgeben muss, hätte sich das Modell von MyUnibook rentieren können. Nun bietet sich dem User nur noch ein Bild: 404.

Owonda (*Mai 2008, †Juli 2011)

Als „eine erfrischend neue und kostenlose Flirting-Plattform“ sind die Berliner Ruben Herrmann und Fabian Pritzel im Mai 2008 mit ihrer Webseite Owonda angetreten. Die Partnerbörse eDarling übernahm Owonda im August 2011. Zum Abschied verkündeten sie ihren Nutzern per Mail: „Das Owonda-Team widmet sich neuen Herausforderungen und hat sich entschieden, die Plattform nicht weiter zu betreiben.“

Pactas (*Juni 2010, †November 2011)

Das Münchner Startup Pactas bot einen Service für elektronische Rechnungen. Dabei wandten sich die beiden Gründer Florian Kamps und Christoph Menge vor allem an Kleinunternehmer und Freiberufler. Ihnen stellten sie ihre Software-as-a-Service (SaaS) zur Verfügung und wollten damit die Kommunikation zwischen Rechnungssteller und -empfänger vereinfachen. Verzögerungen rechtlicher und technischer Natur hielten das Startup vom Durchbruch ab, nun planen die Gründer einen Neuanfang mit anderen Projekten.

Playgenic (*April 2010, †September 2011)

Auch der Publisher für Browser- und Social-Games, Playgenic, musste seine Spiele leider einstellen. Nach Start des ersten selbst entwickelten Spiels Pizza Connection konnte die Technologie Cloudfire nicht weiterentwickelt werden. Das Münchner Startup, von erfahrenen ProSieben-Games-Mitarbeitern geführt, bot zwar kein neues Konzept, dafür aber viel Investment. Eine sechsstellige Summe in der ersten, eine siebenstellige Summe in der zweiten Finanzierungsrunde. Es half alles nichts, das 20-köpfige Team musste Insolvenz anmelden. Die Produkte werden aber teils noch weiter vertrieben.

Shopperella (*Juni 2010, †Juni 2011)

Das Kölner Unternehmen, das Produkte für Babys, Kinder und Schwangere anbot, musste offiziell wegen der „negativen geschäftlichen Entwicklung“ aufgeben. Und das auch noch genau zum ersten Geburtstag des Startups. Neben den hauseigenen Produkten wurden Waren vieler anderer Händler angeboten, insgesamt kam die Firma auf 100.000 Artikel. Leider konnte Shopperella diese mit seinem zehnköpfigen Team vor allem hinsichtlich des Marketings und der Logistik nicht erfolgreich umsetzen.

Swoopo (*2005, †März 2011)

Der Entertainment-Shoppingdienst Swoopo musste bereits im März einen Insolvenzantrag stellen. Davor prasselten massenhaft Negativmeldungen: Stellenabbau, Probleme in der Geschäftsführung und Rückzug vom Expansionsvorhaben.

Tamundo (*Ende 2008, †Januar 2011)

Das Online-Auktionshaus für Raritäten, Unikate und Sammlerstücke, Tamundo, konnte trotz der ausgeprägten Sammelleidenschaft der Deutschen nicht den gewünschten Umsatz erzielen. Die Idee, gleichzeitig zur Handelsplattform eine Community für Sammler zu etablieren, war nicht schlecht, nur die Käufer fehlten und wandten sich lieber an den Konkurrenten Ebay.

United Maps (*Februar 2008, †September 2011)

Das Münchner Startup United Maps bot einen Service für Kartenwerke: Die Karten führender Hersteller wie Navteq oder Teleatlas wurden mit zusätzlichen kartografischen Informationen angereichert und sollten schließlich über eine eigene Smartphone-App verkauft werden. Das Gründertrio scheiterte sowohl an der Konkurrenz, die ihre Apps meist kostenfrei anbot, als auch an den fehlenden Investoren nach der zweiten Finanzierungsrunde.

Mitarbeit: Magdalena Räth

Bild: Stihl024  / pixelio.de