Die Ohlala-Macher Pia Poppenreiter und Torsten Stüber

Das Berliner Startup Ohlala wagt sich in die USA: Das Portal der Gründer Pia Poppenreiter und Torsten Stüber, die Männern „bezahlte Dates“ mit Frauen vermittelt, launcht heute in New York City. Für den Schritt haben die Gründer, wie sie nun verraten, Ende Dezember eine Seed-Runde abgeschlossen und von Business Angels 1,7 Millionen US-Dollar eingesammelt. Beteiligt sind unter anderem Moviepilot-Gründer Ben Kubota und Max Finger, langjähriger Weggefährte Oliver Samwers und dessen Mitgründer bei den ersten Ventures Alando und Jamba.

„Natürlich ist der Schritt auch ein Risiko“, sagt Pia Poppenreiter im Gespräch mit Gründerszene. „Das haben Torsten und ich bewusst abgewogen und uns dann dazu entschieden. Unsere Investoren unterstützen uns dabei völlig.“ Dem fremden Markt will Ohlala mit einem angepassten Produkt begegnen. Laut Poppenreiter soll die Ohlala-Web-App nunmehr „On-Demand“-Charakter zeigen. Heißt: Die Dates sollen kurzfristiger zu buchen sein. In der deutschen Version haben Frauen 24 Stunden lang Zeit, auf eine Date-Anfrage zu reagieren. In der New Yorker Version sind es nur noch etwa 20 Minuten.

Denn: Zügig getroffene Verabredungen werden eher eingehalten. Das hat Poppenreiter bereits bei ihrem ersten Startup Peppr, einer Sexarbeiter-Vermittlung, bemerkt. Deswegen soll es in New York nun noch schneller gehen: „Für uns ist das auch ein Test“, erklärt die Gründerin. So unterscheidet sich die US-Version noch in anderen Punkten. Zum Beispiel geben buchende Kunden keinen genauen Preis mehr für ein Date an, sondern lediglich eine Spanne. Im Chat soll dann genau besprochen werden, was Teil des Treffens sein soll und wie viel dafür gezahlt wird. Das soll ein Problem lösen: „Wir haben beobachtet, dass manche Männer hohe Preise angegeben haben, um den Zuschlag auf ein Date zu bekommen“, erklärt Poppenreiter. „Von unseren Usern haben wir das Feedback bekommen, dass im Nachhinein versucht wurde, zu feilschen. Das wollen wir natürlich nicht.“

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Neben der Frage, wie das Produkt im neuen Markt angenommen wird, könnte die rechtliche Situation schwierig für das Startup werden. In New York ist es verboten, Sex gegen Geld anzubieten. Ohlala bewegt sich also in einer Grauzone. Laut Poppenreiter habe man sich aber auf den Markteintritt mit viel rechtlicher Beratung vorbereitet. So weise man die Nutzer in der Web-App darauf hin, dass sie nicht gegen das Gesetz verstoßen dürften. „Wir wissen nicht, was bei einem Date passiert“, erklärt die Gründerin weiter. „Das ist allein Sache zwischen den beiden Datenden.“

Kalkuliertes Risiko sei wichtig, um voranzukommen, glaubt Poppenreiter. So sagte sie bereits vergangenen Sommer zum Start von Ohlala im Gespräch mit Gründerszene: „Ich will mich sicher nicht mit Großen wie Uber vergleichen. Nur jedes Mal, wenn jemand etwas anders macht als vorher, ist er in einer Grauzone unterwegs. Sonst wäre es ja nichts Neues.“

Dass es trotz der restriktiven Rechtslage in den USA möglich ist, online bezahlte Dates zu vermitteln, zeigt zum Beispiel Whatsyourprice.com. Das 2010 von MIT-Absolvent Brandon Wade gegründete Portal setzt auf bezahltes Online-Dating „mit attraktiven Frauen“. Poppenreiter sieht Unterschiede zu ihrem Startup. Die Buchung bei Ohlala sei schneller, und: „Wir haben alles mobile first programmiert und lassen beiden Seiten den Preis gemeinsamen evaluieren und bestätigen.“

Und der Unterschied zu normalen Dating-Apps wie Tinder? „Wir motivieren die Nutzer, sich bewusst zu machen, was sie sich für ein Date wünschen“, sagt Poppenreiter. „Sie wissen, worauf sie sich bei einem Date einlassen – das ist bei anderen Dating-Apps nicht so.“

Ohlala gibt es mittlerweile in insgesamt sieben deutschen Städten, erst am Montag kamen Köln, Düsseldorf und Stuttgart hinzu. Vor den neuen Launches verzeichnete Ohlala, für das derzeit zwölf Festangestellte arbeiten, 27.000 Registrierungen und 25.000 Matches. Wie viele von den vermittelten Dates zustande gekommen sind, kann die Gründerin nicht sagen. Um mehr Informationen auswerten zu können, wird es in der US-Version ein Feedback-Tool geben.

Der nächste Schritt soll nun eine Bezahlfunktion für die Web-App sein. „Die Bezahlung ist im Moment für die Nutzer noch ein etwas unangenehmerer Faktor bei dem Offline-Treffen“, so Poppenreiter. „Den wollen wir unseren Usern nehmen.“ Bereits im März soll das der Fall sein. Gleichzeitig ist geplant, die Monetarisierung des Businesses anzugehen – denn bisher ist Ohlala kostenlos. Auf den Preis des Dates wird dann eine Gebühr aufgeschlagen, die der Buchende an das Startup zahlen soll. Im dritten Quartal will Ohlala sein Geschäft erweitern: Dann sollen auch Frauen die Möglichkeit bekommen, Verabredungen mit Männern zu buchen.

Bild: © Laura Jost