Die Capnamic-Partner: Christian Siegele, Jörg Binnenbrücker und Neuzugang Olaf Jacobi (von links)

Gerade erst hat er seinen Abschied beim Münchner VC Target Partners verkündet, schon hat Olaf Jacobi einen neuen Arbeitgeber: Ab sofort verstärkt er das zweiköpfige Partnerteam von Capnamic Ventures, bislang bestehend aus Christian Siegele und Jörg Binnenbrücker. Mit dem Schritt will der Kölner Kapitalgeber, dessen Portfolio Startups wie das App-Analyse-Unternehmen Adjust, den Übergrößen-Shop Navabi oder die Motorroller-Firma Unu beinhaltet, insbesondere sein Berliner Büro ausbauen. Der Standort wird von Neuzugang Jacobi geführt.

Im Interview sprechen Jacobi und Binnenbrücker darüber, was sie sich vom Standort Berlin versprechen, wie sich die VC-Szene in den vergangen Jahren verändert hat – und was sie sich von deutschen Konzernen wünschen.

Olaf, Du wechselst von einem VC zum anderen – warum?

Olaf: Als ich bei Target Partners gegangen bin, hatte ich noch keinen Plan, was, wo und mit wem ich in Zukunft arbeiten werde. Ich wollte mir Zeit lassen und in Ruhe die beste Entscheidung treffen. Es ist erstens nicht mein Stil von A nach B zu wechseln und zweitens glaube ich auch nicht, dass man so die beste Entscheidung treffen kann.

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Es gibt einen Spruch, der für Startups und auch für VCs gilt und richtig ist: „Spirit eats strategy for breakfast“. Ein für mich sehr entscheidender Punkt ist der Cultural Fit mit meinen beiden Partnern Christian und Jörg und dem gesamten Team sowie der Spirit im Team. Capnamic ist sehr gut besprochen in der Gründerszene und wir haben den gleichen Mind-Set – das habe ich sofort gemerkt.

Ihr kennt Euch ja schon länger.

Olaf: Das stimmt. Target Partners und Capnamic Ventures sind in der gleichen Szene aktiv, zum Beispiel sind beide beim Berliner Startup Adjust investiert.

Was wird sich für Dich ändern?

Olaf: Es wird sich eine ganze Menge ändern. VCs müssen sich gemeinsam mit dem wachsenden Startup-Ecosystem weiter entwickeln. Heute arbeiten VCs unternehmerischer und kennzahlengetriebener als das in der Vergangenheit der Fall war.

Und Du ziehst um.

Olaf: Richtig, künftig werde ich nicht mehr in München, sondern in Berlin sein.

Jörg: Wir haben in Berlin bereits ein kleines Büro und auch ich bin regelmäßig in der Stadt. Aber es gab bislang keinen Partner, der dort täglich sitzt. Das ist künftig anders. Durch Olaf werden wir unseren Berliner Standort weiter ausbauen und so unser bereits etabliertes Netzwerk qualitativ vertiefen und erweitern können.

Wie wird Deine Rolle innerhalb von Capnamic Ventures aussehen? Hast Du einen speziellen Fokus?

Olaf: In einer VC-Partnerschaft macht jeder erst einmal alles: Dealflow, Portfolio-Betreuung, Fundraising. Das ist auch wichtig, damit kein Silo-Denken entsteht. Man kann immer größeren Mehrwert bieten, wenn man auch auf dem Schirm hat, was die anderen machen.

Welche Ziele hast Du Dir für das neue Jahr in der neuen Position gesetzt?

Olaf: Gemeinsam mit meinen Partnern Capnamic noch besser zu positionieren und den Fund als die Adresse für Tech-Startups zu etablieren.

Jörg: Berlin ist in den letzten Jahren zum Zentrum der deutschen Startup-Landschaft geworden und zieht sehr viel Kapital an. Daher geht es uns auch immer darum, nationale und internationale Co-Investoren für unsere aktuellen und zukünftigen Investments zu finden. Genau hier wird uns Olaf mit seinem Netzwerk und seiner Erfahrung sehr helfen können.

Wie hat sich das VC-Ecosystem in den letzten Jahren entwickelt?

Olaf: Es ist viel erwachsener geworden. Wir sehen jetzt schon die nächste Generation von VCs: frühere Unternehmer und Business-Angels, die nun mit einem Fund im Rücken auf Augenhöhe mit jungen Teams arbeiten. Besonders werden auch die Netzwerke der VCs besser – das ist natürlich ein langwieriger Prozess. Aber bereits in den nächsten Fondsgenerationen wird das Ecosystem insgesamt ein gutes Level erreicht haben.

Jörg: Wir beobachten auch, dass die VC-Szene besser zusammenarbeitet und schon in frühen Phasen größere Syndikate bei Finanzierungen zusammengestellt werden können. So können die Startups das notwendige Tempo aufnehmen, schnell und aggressiv wachsen, um gegen die ausländische Konkurrenz zu bestehen und internationale Category-Leader zu bauen.

Was fehlt noch? Ist die deutsche Startup-Szene zu E-Commerce-lastig?

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Olaf: Berlin hat als Startup-Cluster schon einen sehr starken E-Commerce- und Consumer-Internet-Fokus. Aber heute, acht bis neun Jahre nach den ersten bekannteren Internet-Startups, gibt es schon mehr stärker technologiegetriebene Startups und auch Ingenieure und Entwickler werden zu erfolgreichen Unternehmern.

Jörg: Hier stehen wir aber noch am Anfang und wir brauchen mehr Teams, die sich mit einer disruptiven Technologie an große Themen und interessante Märkte wagen. Aber der Trend ist klar zu erkennen und durch die digitalen Veränderungen, gerade in der Old Economy, gibt es viel Angriffsfläche und Opportunities für junge und innovative Unternehmen.

Stichwort Märkte: Sind die Deutschen eher Tech-scheu?

Jörg: Im Enterprise-Bereich sind sie das sicherlich. Aber auch das wird sich ändern. Zum einen, weil Großunternehmen verstanden haben, wie wichtig es ist, Innovation intern und extern zu fördern und zum anderen weil sich die Kultur und der Umgang mit den neuen Technologien rapide ändert. Denn die Digital Natives sind zum Teil schon heute Mitarbeiter und Kunden. Und es werden täglich mehr.

Wünscht Ihr Euch, die Konzerne würden ihr Geld lieber Euch geben, als es mit Inkubatoren, Acceleratoren oder anderen Innovations-Programmen nah am Konzern zu lassen? In den USA findet das ja deutlich häufiger statt als hier.

Olaf: Ja, es wäre schon besser, wenn die deutschen Großunternehmen da etwas größer denken würden. Wie es derzeit ist, entsteht viel Kleinkram. Cisco in den USA zum Beispiel investiert in viele Tech-Funds. Auf diese Weise bekommen sie mit, was in der Szene passiert und können Kontakte aufbauen. So findet man die besten Leute – auch für die eigenen Reihen. Und man bekommt einen besseren Einblick, wer in der Zukunft das eigene Geschäftsmodell kaputt machen könnte.

Wer sind die Geldgeber für die Capnamic-Fonds?

Jörg: Hauptsächlich mittelständische Unternehmen und Family Offices. Aber auch institutionelle Anleger und erfolgreiche Gründer haben bei uns investiert. Insgesamt ein tolles Netzwerk, welches wir an unsere Portfolio-Unternehmen eins zu eins weitergeben.

Olaf, Jörg, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Capnamic Ventures