Oliver Samwer Rocket Internet Konsumgüterforum CGF

Rocket-Internet-Macher Oliver Samwer, hier auf der Bühne der Noah 2013

Das Samwer-Orakel über die Zukunft des Handels

Dass Oliver Samwer meist kein Blatt vor den Mund nimmt, ist hinreichend bekannt. Auf dem Konsumgüterforum CGF im Pariser Louvre hat die Rocket-Internet-Ikone nun das Geschäftsmodell klassischer Warenhäuser zerrissen. Das CGF gilt als größtes Branchentreffen der Vorstandschefs von Handels- und Konsumgüterkonzernen weltweit. Über die Auslassungen des Serien-Gründers berichtete das Handelsblatt.

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„Geschäfte sind Mittelalter“, urteilte Samwer. „Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“. Dass sich die Zukunft des Handels für Samwer im Internet abspielt, überrascht wenig. Ladenkonzepte außerhalb des Netzes hält der E-Commerce-Investor für überholt. Wer sich als Händler auf dem Markt behaupten will, der müsse seine Ware längst nicht mehr auf dem Offline-Markt anbieten.

Im Publikum saßen die Konzernspitzen von Marktriesen wie Walmart, Carrefour oder Metro, so der Bericht. Ihnen habe Samwer vorgeworfen: „Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen“. Wer die Zukunft kennenlernen wolle, müsse 15-Jährige Smartphone-User befragen. Mit seinen Hiobsbotschaften hätte Samwer die Gilde konventioneller Händler an die Wand spielen können – erntete aber Kritik. Facebook-Managerin Erin Hunter etwa habe gekontert, dass man den Kunden dort entgegenkommen müsse, wo sie das wollten. Es müsse auch weiterhin sowohl Onlineshops als auch Geschäfte im traditionellen Sinne geben.

Weltweit, so Samwer, wolle Rocket Internet Marktführer im Online-Bereich werden – mit Ausnahme von China und den USA. Diesen Ländern würde bereits zu viel Aufmerksamkeit zu teil. Viel mehr konzentriere sich der Inkubator auf große Mengen kleiner Märkte – in Nigeria etwa wolle man voll einsteigen.

Einer habe Samwer beigepflichtet – oder zumindest so getan: Amazon-Manager Doug Herrington erklärte dem Handelsblatt zufolge, dass er sich manchmal zu ähnlichen Gedanken hinreißen ließ. „Ihr ungefilterter Auftritt ist ziemlich erfrischend“, habe Herrington Samwer gegenüber eingeräumt.

Wer meine, der Wandel im Internet komme im Schritttempo, der irre. „Ich glaube, es ist ein Formel-1-Rennen“, zitiert das Blatt Samwer, der damit den Vortrag seines Vorredners Mark Price kritisiert habe, dem Chef der britischen Supermarkt-Kette Waitrose. Der hatte zuvor ein Konzept zum Tablet-Shopping im Supermarkt vorgestellt. Allem Anschein nach zu wenig für Samwer. Ihm ist das Nebeneinander von Offline- und Onlineshops ganz offensichtlich zuwider.

Bild: Noah Conference