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„Startup-Held“ Oliver Kray im Interview

Die gute alte Postkarte fristet in Zeiten von Facebook, Whatsapp und Co. ein Nischendasein. Oliver Kray will das ändern. Er ist Gründer des Startups MyPostcard, das dem vermeintlich angestaubten Kommunikationsmittel zum Revival verhelfen will. Über die App können Nutzer Fotos hochladen und als echte Postkarte zum Anfassen verschicken.

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Kray arbeitete früher als Designer unter anderem für Leonardo, Rasch und Bulls Press. Heute ist er als freiberuflicher Designer tätig und arbeitet als selbstständiger Fassadenmaler. 2012 gewann er den Deutschen Fassadenpreis. Im Mai 2014 startete er die Postkarten-App MyPostcard. Für den Versand und Druck einer Postkarte werden 1,99 Euro fällig. Das Startup konnte mit diesem Konzept innerhalb des ersten Jahres bereits 200.000 Downloads für iOS und Android generieren und über 80.000 Nutzer gewinnen. Über die App wurden in den ersten zwölf Monaten knapp 300.000 Postkarten versendet.

Oliver Kray im Gespräch über konkrete Marktzahlen und den Wunsch nach Tradition.

Ihr wollt der traditionellen Postkarte zu einem Revival verhelfen. Aber ist der Zenit für physische Post nicht bereits überschritten?

Im Gegenteil! Ich denke, dass gerade der Hype von Messengern und Co. in den letzten Jahren dafür gesorgt hat, dass sich viele ein bisschen Tradition zurück wünschen. Die Zeiten, in denen es etwas Besonderes war, sich gratis Bilder per Messenger zu schicken, sind längst vorbei. Man bleibt damit zwar auf dem Laufenden, doch im kontinuierlichen Update des Messenger-Streams wandert auch der liebe Gruß als Bild immer weiter nach hinten. Dazu haben wir mit MyPostcard nicht nur das Revival der traditionellen Postkarte im Auge, sondern auch die Personalisierung: Unsere User können eigene Fotos in der App hochladen und als echte Postkarte verschicken.

Kann man denn mit dieser Idee überhaupt Geld verdienen?

Leider noch nicht. Wir drucken und verschicken unsere Karten zu einem weltweiten Festpreis von 1,99 Euro. Damit bewegen wir uns preislich im guten Mittelfeld. Die Marge ist in dieser Preiskategorie natürlich nicht besonders hoch, doch unsere Community wächst. Allein die Deutschen verschicken jährlich circa 150 Millionen reale Postkarten. Wenn wir hier noch die Anzahl der versendeten Grußkarten zu Feiertagen und besonderen Anlässen hinzurechnen, ergibt sich hier sogar ein Marktvolumen von bis zu 800 Millionen.

Ihr konntet im ersten Jahr mit Downloads, Nutzern und versendeten Postkarten sehr gute Zahlen vorlegen. Was macht ihr anders als vergleichbare Apps?

Wir legen großen Wert auf Qualität und vor allem unser Image. Der authentische Umgang im Social-Media-Bereich spielt dabei eine große Rolle. Unsere Reichweite haben wir uns sehr hart erkämpft. Wir probieren von offline bis online bis heute alles Erdenkliche aus. Letztlich geht es darum, einen Nutzer und Download so günstig wie möglich zu bekommen. Wir setzen auf den Mix: Facebook Ads, Google Adwords, In App Ads, klassische PR, sowie auf die exklusive Kooperation mit Reiseveranstaltern und Hotelketten. Wir gehen auf Messen, verteilen Flyer, buchen offline Werbung und sprechen mit Bloggern. Wir kämpfen an jeder Ecke und manchmal habe ich das Gefühl, man führt einen Guerilla-Krieg.

Eure Community ist euch besonders wichtig. Was tut ihr, um sie bei Laune zu halten?

Die Community ist für uns nicht nur besonders wichtig – sondern das Wichtigste überhaupt. Wir sind in sozialen Medien sehr aktiv, posten Grüße, ermöglichen Blicke hinter die Kulissen und verschenken Codes zu unterschiedlichen Anlässen.

Du bist freiberuflicher Designer, selbstständiger Fassadenmaler und Gründer. Wie bringst Du all diese Tätigkeiten unter einen Hut?

Zugegeben ist es nicht immer einfach, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Trotzdem ist es mir sehr wichtig, auf jeder meiner Baustellen selbst anwesend und aktiv zu sein. Das gelingt bisher eigentlich ganz gut. Überschneidet sich mal der ein oder andere Termin, bespricht man sich vorher im Team und überlässt das Management ruhigen Gewissens einem vertrauenswürdigen Teammitglied. Dafür bin ich sehr dankbar.

Oliver, danke für das Gespräch.

Bild: MyPostcard