Lucas von Cranach Onefootball

Onefootball/iLiga-Gründer Lucas von Cranach

Aus iLiga wird Onefootball

„Eigentlich liegt es auf der Hand“, sagt Lucas von Cranach. „Jeder hat einen Lieblingsverein, eine Lieblingsnationalmannschaft, einen Lieblings-Auslandsverein.“ Worauf er anspielt: Die bekannte iLiga-App seines Startups Motain hat einen neuen Namen. Seit heute heißt sie Onefootball (www.onefootball.com). Und das überall auf der Welt – außerhalb des deutschsprachigen Raums hieß iLiga bislang THE Football App. „Das war alles andere als optimal“, sagt der bekennende FC-Köln-Fan. Vor allem auch emotionaler soll der neue Name sein.

Mit der Umbenennung ändere sich auch der Fokus der App deutlich. Ging es bislang um Fußball-Informationen im Allgemeinen, stehen nun die Lieblingsteams der Nutzer im Vordergrund. Die werden gleich zu Anfang ausgewählt. „Natürlich kann man unbegrenzt vielen anderen Vereinen folgen“, schickt von Cranach gleich nach. Im Team-Stream erscheinen dann alle entsprechenden Informationen. „Damit sortieren wir erstmals nach Relevanz, bislang wurden die Informationen schlicht chronologisch ausgegeben.“ In den Stream fließen die Inhalte ein, die das Startup aggregiert, und das, was etwa über die Social-Media-Kanäle der Vereine aufläuft, von Facebook über Instagram bis Twitter. Live-Spielstände und -Statistiken oder Nachrichten gibt es auch weiterhin.

Das Potenzial einer Fußball-Plattform ausnutzen

Den Markennamen zu ändern ist für ein kleines Startup kein kleiner Schritt, insbesondere wenn sich auch die App selbst ändert. „Wir werden und sicherlich negative Nutzerkommentare einfangen, einige langjährige Nutzer werden wir mit der neuen App sicherlich riskieren“, ist sich der Onefootball-Gründer bewusst. Dennoch ist er von der neuen Ausrichtung überzeugt. „Was wir zukünftig liefern, kann der Nutzer so nirgendwo anders finden.“

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Der Fokus sei nicht, bestehende Nutzer glücklich zu machen. Sondern das Potenzial einer Fußball-Plattform auszunutzen. „Indem wir den Social Layer auf den Publishing-Ansatz setzen, machen wir das. Fußball ist per se social – das muss auch die Plattform abbilden.“ Ob das schon immer das Ziel gewesen sei? „Es wäre vermessen, das zu behaupten“, sagt von Cranach. „Wir mussten schon immer auf den Markt reagieren. Zu Beginn gab es noch nicht mal Google Play. Gute Unternehmer probieren Dinge aus, lernen aus ihren Fehlern und entwickeln ihr Unternehmen und das Produkt Stück-für-Stück weiter.“

Lange Findungsphase

Und Fehler gemacht habe er bei Motain genug, gibt von Cranach zu. Einer der größten: Am Anfang setzte das Unternehmen auf Java als Grundlage, bevor es iTunes als App-Plattform gab. „Ich hatte ein Unternehmen in Malaga gefunden, die sich auf Java-Sport-Apps spezialisiert hatte.“ Für das Vorhaben gab von Cranach 50.000 Euro aus, einen Großteil des verfügbaren Kapitals, immerhin ging es ja um die Basis für seine App. „Als alles fertig war wurde mir schmerzhaft klar, dass ich die Rechte am Quellcode vertraglich nicht besaß. Also entschied ich mich, die Zusammenarbeit mit dem Anbieter platzen zu lassen.“ Der startete dann mit dem programmierten Code dann übrigens selbst eine Fußball-Plattform.

Die Jahre von 2008 bis 2010 waren eine Findungsphase. „Da haben wir tausende Male Nein gehört: Nein, wir wollen nicht mit Dir zusammen arbeiten. Nein, wir geben Dir kein Geld. Ich habe eine Familie mit zwei Kindern, meine erste Tochter ist acht Tage vor Firmengründung geboren. Da kann man so etwas nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

„Ich raste aus, wenn die Telefonrechnung zu hoch ist“

Schon mehrfach stand Motain knapp vor der Insolvenz, insbesondere in den Anfangsjahren. „Da muss man wissen, wie man reagieren kann“, sagt von Cranach. Seit den Investments von Earlybird und Union Square Ventures ist die finanzielle Situation etwas komfortabler. „Wir achten aber auch weiterhin auf unsere Ausgaben. Ich raste aus, wenn die Telefonrechnung zu hoch ist.“

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Geld verdient Motain über Werbung, mit dem müssen auch die Lizenzen der Content-Lieferanten bezahlt werden. Je exklusiver die Inhalte, desto teurer. „Fußballfans sind zum Glück recht spendabel, besonders wenn es um den eigenen Verein geht. Wenn man sieht, das Fans alleine für die SMS-Dienste der Vereine ausgeben, wird das sehr deutlich.“ Davon habe das Startup schon von Beginn an gelebt. „Der erste Angel-Investor hat schon sehr darauf geachtet, dass wir am Umsatz arbeiten“, sagt von Cranach. Das sei auch richtig gewesen. Allerdings dürfe man sich auch nicht zu sehr auf das Geldverdienen versteifen. „Dann hat man schnell eine hohe Abwanderungsquote bei den Nutzern, das Produkt läuft technisch nicht, man hat hohe Opportunitätskosten und eine De-Konzentration beim Team.“

Ein soziales Netzwerk für Fußball-Fans

Über die App selbst Geld zu verdienen, sieht von Cranach dabei nicht als gangbaren Weg an. „Wir wollen ein soziales Netzwerk für Fußball-Fans werden. Und es hat sich noch in keinem Bereich eines durchgesetzt, für das man bezahlen musste, um ein Teil zu sein.“ Das Modell scheint bislang funktioniert zu haben. Täglich verzeichne man eine fünfstellige Zahl an Downloads. 14 Millionen sind es seit Start im Jahr 2008 gewesen – auch wenn sich das keinesfalls immer in einen echten Nutzer niederschlage. Geld für Marketing gebe Motain dabei kaum aus. „Es läuft fast alles über Mundpropaganda“, erklärt von Cranach.

50 Mitarbeiter hat Motain derzeit, 80 Prozent davon arbeiten am Design der App und der Produktentwicklung. Jeweils unterschiedliche Teams beschäftigen sich mit den iOS-, Android- und Windows-8-Varianten. „Jede Platform hat ihre Eigenarten und die Nutzer jeweils bestimmte Erwartungen“, sagt von Cranach. Ins Web zieht es das Startup dabei nicht. Zumindest derzeit, denn ausschließen will der Gründer das nicht. „Das ist eine strategische Entscheidung, ob man auch dort präsent sein will“, sagt er. Obendrein dürfte dort der Wettbewerb auch deutlich größer sein. Um da zu bestehen wird es unter anderem einer starken Marke bedürfen. Und die will Motain jetzt erst (noch) einmal aufbauen.

Bild: Alex Hofmann/Gründerszene