Die OnPage.org-Macher Jan Hendrik Merlin Jacob, Marcus Tandler und Andreas Bruckschlögl (von links)

Ein Superheld kommt selten allein

Ein Startup mit einem Superhelden als Emblem? Viele werden da an Pizza denken. Doch dann gibt es noch OnPage.org, und mit Essensbestellungen hat man dort nichts zu schaffen. „Wir zeigen den Kunden, an welchen Stellen ihre Website noch Optimierungspotenzial hat“, erklärt Geschäftsführer Jan Hendrik Merlin Jacob das, was sein Startup macht. Alles andere würden Laien wohl auch nicht verstehen  – Begriffe wie OPR, Link Hubs oder Mehrfachrankings sind eher etwas für SEO-Fachleute. Mehr als 160 Signale wertet die Software aus, darunter auch etwas einfacher verständliche Sachen wie tote Links oder doppelte Inhalte.

„Wir sind Nerds“, sagt Mitgründer Marcus Tandler. Das soll man der Software aber nicht anmerken. Und genau hier kommt Superheld Captain OnPage ins Spiel. Unterstützt wird er vom wissenschaftlichen Mitarbeiter Professor Mario Serpino – wie sein Kollege im Bodysuit ein Kunstcharakter, der den Kunden an die Hand, sich selbst aber nicht so ganz ernst nimmt.

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„Auch als Firma insgesamt wollen wir das nicht“, verrät Tandler. Das Ergebnis: eine Software, die erst einmal recht verständlich daherkommt – mit einem großen Wissenspool aber trotzdem in die Tiefe geht. Gerade einmal 1600 Euro brauchten Jan Hendrik Merlin Jacob, Andreas Bruckschlögl, Niels Dörje und Marcus Tandler nach eigenen Angaben, um 2011 die erste brauchbare Version der Software zu entwickeln – ursprünglich nur als Werkzeug für die eigene Agentur.

Mit dem, was seither entstanden ist, hat sich das Quartett einen Namen gemacht, auch im Silicon Valley. Wenig verwundern kann daher das nächste Ziel der Münchner: international präsenter zu werden.

Platz Nummer 27: OnPage.org GmbH

  • Wachstumsrate: 211 Prozent
  • Gründungsjahr: 2012
  • Firmensitz: München
  • Branche: Advertising & Marketing
  • Webseite: www.de.onpage.org

Unternehmensstart mit 19 Handyhüllen

Plastikhüllen fürs Smartphone, Schutzfolien für Tablet und Smartwatch: PhoneNatic verschickt seit 2011 Zubehör für mobile Geräte. Das bewerkstelligte Tobias Richter anfangs noch allein. Auf die Idee war der heutige PhoneNatic-Chef während seines Wirtschaftsingenieurwesen-Studiums gekommen: Auf der Suche nach einer Handyhülle stieß Richter beim chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba auf einen 20erPack, der genauso viel kosten sollte wie eine einzelne Hülle.

Er bestellte also das Paket. Ein Exemplar behielt er, die übrigen verkaufte er auf Ebay. Zwei Bekannte von Richter, Christoph Kaubitzsch und Benjamin Voigt, stießen später dazu und unterstützten Richter, die GbR gründeten sie im Frühjahr 2012. Von seinen Marktplatz-Wurzeln hat sich PhoneNatic bis heute nicht verabschiedet.

Zwar vertreibt das Startup sein Smartphone-Zubehör seit 2013 auch über eine eigene Seite, große Onlinehändler stellen aber weiterhin wichtige Verkaufskanäle dar. Allen voran Amazon, worüber PhoneNatic auch Kunden in den USA, Kanada und Mexiko erreicht. Das Ebay- Geschäft dagegen, so Richter, sei in den vergangenen Jahren in den Hintergrund gerückt. PhoneNatic wirbt mit dem weltweit kostenlosen Versand, von dem lediglich Russland ausgeschlossen ist.

Das in Leipzig ansässige Startup will nun weiter wachsen und demnächst in ein größeres Bürogebäude umziehen. Die unternehmenseigene Prognose für das Kalenderjahr 2015: eine Million Bestellungen. Derzeit sollen sich ungefähr 12.000 Artikel im Sortiment befinden.

Platz Nummer 28: PhoneNatic GbR

  • Wachstumsrate: 198 Prozent
  • Gründungsjahr: 2011
  • Firmensitz: Leipzig
  • Branche: E-Commerce
  • Webseite: www.phonenatic.de

Friedrich Neuman (Bild) und Marius Schulze sind die Gründer von Run a shop

Wachstumskönige mit Auszeichnung

Dass Run a Shop ein besonders schnell wachsendes Startup ist, bekommen Friedrich Neuman und  Marius Schulze nicht zum ersten Mal bescheinigt. 2014 erklärte das Online-Magazin „The Next Web“ ihre Firma zum schnellstwachsenden Startup Europas, die Unternehmensberatung Deloitte kürte sie im gleichen Jahr zum „Rising Star“ – dank der fantastischen Wachstumszahlen, die Run a Shop in den zwei Jahren nach der Gründung erreicht hat.

Beim Start im Herbst 2012 sind Neuman und Schulze schon erfahrene Gründer. Schulze hatte 2007 mit der Berliner Szenegröße Yvonne Tesch den Preisvergleichsbetreiber Maryme gegründet und 2010 die Online-Trading-Plattform Refined Investment. Neuman war zuvor beim Marketing-Spezialisten Glispa und beim  Rocket-Venture Dropgifts tätig. Mit Run a Shop gehen die beiden also in einen Markt, den sie schon bestens kennen.

Zunächst baut das Startup Produktsuchmaschinen, die es selbst mit eingekauftem Web-Traffic befeuert und über Affiliate-Kommissionen monetarisiert. Das Modell rechnet sich, also rollen die Gründer es aus: in Italien und Großbritannien, bald kommen Deutschland und die USA hinzu. Im Sommer 2015 betreiben sie Seiten in 21 Ländern, das Wachstum steuern gerade einmal zehn Leute von Berlin aus – übrigens komplett ohne externes Risikokapital, alles wird aus dem eigenen Cashflow finanziert.

Der ist inzwischen sogar so ergiebig, dass Friedrich Neuman und marius Schulze begonnen haben, um Run a Shop herum weitere Startups zu bauen: mit ihrem Inkubator Makers, der etwa das Werbenetzwerk Iconpeak oder den Controlling-Anbieter Perdoo hervorgebracht hat. „Die letzten anderthalb Jahre“, bilanzierte Gründer Neuman im Sommer, „waren schon ziemlich auf Speed.“

Platz Nummer 29: Run a Shop GmbH

  • Wachstumsrate: 192 Prozent
  • Gründungsjahr: 2011
  • Firmensitz: Berlin
  • Branche: Advertising & Marketing
  • Webseite: www.runashop.com

Übersicht: Die Top Ten des Gründerszene-Rankings

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1. Platz: Das Berliner Startup KW-Commerce verkauft Elektronikzubehör. Die Studienfreunde Jens Wasel (links) und Max Kronberg haben das Unternehmen 2012 gegründet. Wachstumsrate: 2.307 Prozent.

Bilder: OnPage; PhoneNatic; Run a Shop: Max ThrelFall