Otto will Teile der französischen Beteiligung 3SI übernehmen

Der erste Otto Katalog erscheint 1950 in 300 handgebundenen Exemplaren mit eingeklebten Fotos und mit einer Kordel gebunden. Auf 14 Seiten werden 28 Paar Schuhe präsentiert.

Otto holt sich Teile von 3SI unter das eigene Dach

Dass der ehemalige Katalog-Versandriese Otto Schwierigkeiten hat, sich in einer digitalen Welt zurecht zu finden, haben die Aufräumarbeiten und Stellenstreichungen der letzten Monate überaus deutlich gemacht. Nun bewegt sich die Hamburger Gruppe wieder ein kleines Stück nach vorn. Das Unternehmen will die B-to-C E-Commerce- und Service-Aktivitäten der französischen 3SI-Gruppe vollständig übernehmen und hat dazu ein Übernahmeangebot unterbreitet. Ausgewiesenes Ziel ist es dabei, durch eine vereinfachte Eigentümer-Struktur die Entwicklung der Distanzhandels-Gesellschaften weiter zu unterstützen und sie in eine erfolgreiche Zukunft als E-Commerce-Unternehmen zu führen.

Die Otto Group ist bereits seit rund 30 Jahren an der französischen Handels- und Dienstleistungsgruppe mit Aktivitäten in Frankreich, Spanien, Belgien und Deutschland beteiligt und hält eine knappe Mehrheit. Schneller und erfolgreicher als das deutsche Schwergewicht hatte die 3SI-Gruppe (3Suisse) vor einiger Zeit einen tiefgreifenden Transformationsprozess gestartet, um sich auf die Erfordernisse des E-Commerce auszurichten: Etwa sind mehr als 100 Millionen Euro sind investiert worden, um die Logistikstrukturen und die IT zu modernisieren.

Besseres Cross Selling angestrebt

Nun will Otto wohl von den Erfahrungen der Franzosen lernen. Etwa werde eine stärkere Kooperation der 3SI Gesellschaften mit den anderen Unternehmen der Otto Group angestrebt, kommentiert man in Hamburg. Beispielsweise im Bereich des Cross Selling hofft man auf Potenzial. Konkret sollen die Einheiten Blancheporte, 3 Suisses, Becquet, Venca, Unigro, Magnet, Vitrine Magique, Helline, Witt, 3 Pagen und Otto Office nun vollständig unter das Dach der deutschen Mutter wandern. Im Dienstleistungsbereich kommen die Unternehmen Dispeo (Lagerlogistik), Mondial Relay (Distributionslogistik), Mezzo (Kundencenter), Taylormail (Mailing Spezialist) und Cité Numérique (Produktion von digitalen Inhalten) hinzu.

Die 3SI Gruppe sieht sich als drittgrößte E-Commerce-Gruppe in Frankreich und die Nummer zwölf in Europa mit rund 21 Millionen Unique Usern pro Monat. Zudem sei man der führende private E-Commerce-Dienstleister in Frankreich und zählt rund 3.000 Internet-Händler als Kunden. Allerdings läuft das Geschäft auch bei 3SI alles andere als rosig. Im Zuge einer auf mehrere Jahre angelegten Restrukturierung der Versandhandelsaktivitäten hatte die 3SI Group vor Kurzem erst einen einen Umsatzrückgang um 15,4 Prozent auf 1,675 Milliarden Euro vermeldet. Parallel hatte es sogar Gerüchte gegeben, Otto wolle das Frankreichgeschäft ganz abstoßen.

Mehr Mut notwendig

Für Otto erscheint der Schritt derweil einmal mehr (zu) zaghaft. Mit Restrukturierungen wird es für das ehemalige Aushängeschild des deutschen Versandhandels nicht reichen, die Anteile an bisherigen Portfoliogesellschaften zu erhöhen – auch wenn so der Wissenstransfer durchaus angekurbelt werden kann. Mit den Schuh- und Fashion-Töchtern Mirapodo, Limango oder dem Spielzeug-Versender MyToys hatte sich Otto zwar recht früh im Online-Geschäft positioniert. Auch die Zusammenarbeit mit dem Berliner Company Builder Project A zeugt von einem digitalen Bewusstsein.

Derweil scheint man das Geschäft auch weiterhin nicht ausreichend zu verstehen. So wirkt die Zusammenlegung von Mirapodo und Limango unter dem MyToys-Dach eher wie ein Schuss ins blaue denn eine durchdachte Strategie. Konsequenter Markenaufbau – ebenfalls Fehlanzeige. Zu verkrustet scheinen die Strukturen, zu gering der Wille, die neuen Einheiten etwas ferner ab von der Konzernmutter aufzubauen. Bei Otto scheinen sich Old und New Economy nicht miteinander vereinen zu lassen.

Allerdings scheint man bei der Gruppe zumindest verstanden zu haben, dass das Online-Geschäft die Zukunft sein wird. Und so muss man dem Unternehmen wohl zumindest zu Gute halten, dass man es bei allem Nachholbedarf immerhin weiter gebracht hat, als die meisten anderen Wettbewerber aus der Katalog-Zeit. Das alleine wird aber nicht reichen. Um sich wirklich einen nennenswerten Teil des E-Commerce-Marktes zu sichern und so das Überleben der Gruppe zu sichern, wird es vor allem zweierlei brauchen: Mehr Mut und schnellere Entscheidungswege. Auch wenn das dem Betriebsrat nicht unbedingt gefallen mag.

Bild: Otto
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