Bereits im Februar kursierten Gerüchte, dass der Handelskonzern Otto Group einen Käufer für sein hausinternes Bezahlsystem-Startup Yapital suchte. Mit der App des Bezahldienstleisters können Nutzer unter anderem in Läden oder online bei angeschlossenen Händlern für Waren bezahlen. Dabei scannt der Nutzer mit dem Smartphone einen QR-Code.

Anzeige
Jetzt berichtet der Mobile-Newsletter Mobilbranche.de von einer Vielzahl von Problemen, die Yapital langsam aber sicher in den Abgrund schickten. Er bezieht sich auf Gespräche mit sogenannten Insidern aus dem Umkreis von Yapital, die von Entlassungen, Zielverfehlungen und kritischen Händlern berichten. Gründerszene hat mit Martin Zander, Chef der Unternehmenskommunikation des 2011 gegründeten Yapital, darüber gesprochen, wie es bei dem Startup wirklich aussieht.

Zander gibt zu, dass bei dem Startup nicht alles wie geplant laufe. Denn Yapital habe unterschätzt, wie schwierig es sein werde, Endkunden für die Multichannel-Bezahlplattform zu gewinnen. „In der Tat haben wir die Herausforderung unterschätzt, in kurzer Zeit eine große Nutzerbasis aufzubauen“, so Zander.

Aber: „Wir stellen fest, dass diejenigen, die einmal mobil mit dem Smartphone bezahlt haben, dies immer wieder tun, weil sie die Vorteile unmittelbar erleben. Dies haben wir im Hinterkopf, wenn wir jetzt erste integrierte Marketingaktionen mit unseren Handelspartnern starten, um in der Folge skalieren zu können“. Das Unternehmen suche nach Investoren, um eine größere Endkundenreichweite aufbauen zu können, so Zander. Ein Sprecher der Otto Group bestätigte gegenüber Gründerszene, dass der Konzern bereits in Gesprächen mit potenziellen Geldgebern sei. Man halte sich alle Optionen offen, auch eine Abgabe des Mehrheitsanteils sei möglich.

Den „Insidern“ zufolge wollte Yapital bis 2015 bis zu einer Million Kunden registrieren. In Wirklichkeit habe die Anzahl der Endkunden Ende 2014 jedoch zwischen 8.000 und 10.000 gelegen. Zander bestreitet dies. Die Anzahl der Kunden sei höher und liege im signifikanten fünfstelligen Bereich.

Bei Yapital erhalten alle neuregistrierten Nutzer eine sogenannte Yapital-Mastercard, mit der sie weltweit überall dort bezahlen können, wo Mastercard akzeptiert wird. Mobilbranche.de berichtet, dass diese Option im Februar diesen Jahres eingestellt wurde. Laut Zander sei die Karte tatsächlich „vorläufig“ eingestellt, aber werde wahrscheinlich im Herbst wieder eingeführt. Man habe im vergangenen Jahr den zuständigen Dienstleister ausgetauscht und müsse deshalb umdisponieren. „Wegen technischer Schwierigkeiten mussten wir einen Dienstleister ersetzen. Dieser Prozess dauert an. Wir nutzen die Zeit, um Feedback unserer Nutzer zu sammeln und die Yapital-MasterCard in der Folge noch besser zu machen“, so Zander.

Anzeige
Auch auf der Händlerseite soll es laut Mobilbranche.de Probleme geben. Yapital arbeitet unter anderem mit Supermarktketten wie Rewe oder Drogeriemärkten wie Douglas zusammen, dort können Yapital-Nutzer mit ihrem Yapital-Account bezahlen. Hier verweist Mobilbranche.de auf einen Artikel des Online-Fachmediums für E-Commerce Etailment, in dem der Autor Yapital in einem Rewe-Markt testen möchte – und von dem Kassierer unwissend angeschaut wird. Nach Angaben Zanders sei das Startup mit den Kooperationen der Händler zufrieden, es laufe gut, so Zander. Bei mehr als 100 Händlern sei Yapital im On- und Offlinebereich integriert. Verträge seien mit über 500 Händlern abgeschlossen, die Zusammenarbeit werde nacheinander live geschaltet.

Bis vor Kurzem war Yapital an drei Standorten vertreten: Neben dem Hauptsitz in Luxemburg gab es außerdem noch den Entwicklungssitz in Kiew und ein weiteres Büro in Hamburg. Was als weiteres Zeichen des Bergab-Kurses angesehen werde, sei laut Zander von außen beeinflusst worden: „Wir waren gezwungen, unseren Standort in Kiew aufgrund der politisch instabilen Lage vor Ort aufzugeben“, so Zander. Man habe die Aufgaben der IT-Abteilung auf Hamburg und Luxemburg verteilt.

Bereits seit November ist der ehemalige Geschäftsführer Nils Winkler nicht mehr an Bord des Unternehmens. Yapital kommunizierte für Winklers Abgang persönliche Gründe und setzte den Geschäftsführer der Otto-Group-Tochterfirma Finnovato, Marc Berg, an die Spitze. Von den Gerüchten um 120 entlassenen Mitarbeitern will Zander nichts wissen: „Zurzeit haben wir über 120 Mitarbeiter, auf Hamburg und Luxemburg verteilt. Natürlich trennen wir uns auch einmal von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gleichzeitig stellen wir aber auch neue ein. Auch im Management“. Solche Konsolidierungsphasen seien für ein Startup „ganz normal und wichtig“.

Die große Konkurrenz im Mobile-Payment-Bereich macht es nicht leichter für Yapital. Das Wiesbadener Startup Paij, das schwedische iZettle und der Bezahl-Riese PayPal sind nur wenige von vielen Bezahldienstleister, die versuchen, Kunden und ihre Smartphones vom Bargeld loszueisen.

Bild: Yapital