Sie sind das Herzstück des Curated-Shopping-Systems: die Verkaufsberaterinnen von Outfittery

Bei Arbeitnehmern ist die Schweiz beliebt – Jahr für Jahr wandern tausende Fachkräfte in die Alpenrepublik aus, um vom dortigen hohen Lohnniveau zu profitieren. Für Startups, die in die Schweiz expandieren und dafür auf Mitarbeiter vor Ort setzen, kann das eine Herausforderung sein.

Gemerkt hat das unlängst das Berliner Curated-Shopping-Startup Outfittery. Denn das Unternehmen gründet gerade eine Schweizer Tochterfirma und will Anfang Mai ein eigenes Büro in der Metropole Zürich eröffnen. Dafür ist das Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitern – für den Standort Zürich werden zum Beispiel ein Team-Lead für den Verkauf, Assistenten für die Verkaufsberatung und Modeberater gesucht.

Vor allem der Beraterjob ist zentral für das Outfittery-Geschäft: Die zumeist weiblichen Verkaufsberaterinnen stellen den einkleidungsfaulen Männern ihre Outfits zusammen, per Mail oder am Telefon, ihre Arbeit beeinflusst zentral den Erfolg des Unternehmens. „Erste Erfahrungen im Detailhandel, idealerweise in der Modebranche“, gehören daher genauso zum Anforderungsprofil der Schweizer Outfittery-Verkaufsberater wie „Freude und Passion an der Beratung und am Verkauf“ oder „ein spielerischer Umgang mit dem Web“.

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Vergütet würde die 100-Prozent-Stelle mit einem Grundgehalt von 2.500 Schweizer Franken (umgerechnet 2.280 Euro), schrieb Outfittery an eine Bewerberin. Für die Schweiz, und vor allem für den Standort Zürich, ein ziemlich niedriger Betrag. Gerade erst kürte der Economist die Metropole zur zweitteuersten Stadt der Welt. Die ETH Zürich empfiehlt ausländischen Doktoranden, sich auf Lebenshaltungskosten von etwa 2.250 Schweizer Franken pro Monat einzustellen.

Kein Wunder also, dass Outfittery für sein Angebot in die Kritik geraten ist. Der Tages-Anzeiger schreibt von „Dumpinglöhnen“, eine Vertreterin der Dienstleistungsgewerkschaft Unia fordert gegenüber der Zeitung: „Wer in der Schweiz Leute anstellt, muss auch Schweizer Löhne bezahlen“. Übliche Einstiegsgehälter für Modeberater in der Schweiz liegen laut Tages-Anzeiger sonst bei 3.850 bis 4.250 Franken.

Die genannte Bewerberin wird mit den Worten zitiert: „Ich war geschockt, als mir dieser Lohn unterbreitet wurde.“ Der Frau hatte das Berliner Unternehmen zusätzlich zum Grundgehalt Provisionen in Höhe von etwa 300 Franken in Aussicht gestellt. „Lächerlich“ sei das, schimpfte sie.

Die Geschichte vom Berliner Startup, das sich in der Schweiz beim Lohnniveau gehörig verschätzt hat, schlug Wellen. Und Outfittery reagierte: Vergangene Woche erklärte das Unternehmen, statt 2.500 nun 4.000 Franken Grundgehalt bieten zu wollen. Zusammen mit Verkaufsprovisionen kämen Angestellte damit auf ein Durchschnittseinkommen von 4.500 bis 5.000 Schweizer Franken (etwa 4.100 bis 4.500 Euro). Es habe sich gezeigt, schreiben die Gründerinnen Julia Bösch und Anna Alex, „dass wir die Lohnzusammensetzung für den Schweizer Markt im Vergleich zu anderen Märkten, in denen wir tätig sind, anders gestalten müssen“.

Immerhin: Die Einsicht kam schnell. Übrigens: Wie sehr sich das Berliner Startup bei seinen Gehaltsvorstellungen für die Schweiz verrechnet hat, zeigt ein Blick auf den aktuell diskutierten Vorschlag für ein bedingungsloses Grundeinkommen, über den die Schweizer im Juni abstimmen werden. Würde die Initiative angenommen, bekäme jeder erwachsene Bürger in Zukunft ohne dafür zu arbeiten: genau, 2.500 Franken.

Bild: Outfittery

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