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Das Büro von Infosys im indischen Bangalore

Ein Beitrag von Sascha Thattil, Berater bei der Entwicklungsfirma YUHIRO, die sich auf den Bereich IT-Outsourcing spezialisiert hat.

Outsourcing nach Indien nimmt zu

In den letzten Jahren haben auch Gründer und Unternehmer aus Deutschland erkannt, dass die Entwicklung von Software im Ausland eine gute Alternative sein kann. Besonders Indien hat sich als eine Destination für das Thema Outsourcing, also die Verlagerung von Entwicklungsarbeiten an Drittunternehmen, etabliert. Immer mehr Gründer entscheiden sich dazu, ihre Softwareprojekte dorthin zu vergeben.

Leider scheitern sehr viele dieser Projekte. Grund sind oftmals die geringen Kenntnisse über die Gegebenheiten im Outsourcing, speziell über das Outsourcing nach Indien. Dieser Beitrag soll zeigen, warum Indien ein gutes Outsourcing-Ziel sein kann, welche Fallstricke es in diesem Bereich gibt und was Erfolgsfaktoren sein können.

Warum entscheiden sich Gründer für Indien?

Viele Gründer lernen bereits in der Ausbildung, dass Indien eine der größten Softwareindustrien der Welt beherbergt. Auch wer in Großunternehmen gearbeitet hat, weiß dass Entwickler-Leistungen zum Teil oder gar komplett aus Indien bezogen werden. Daher liegt es nahe, sich bei seinem eigenen Startup-Vorhaben in diese Richtung zu orientieren. Plattformen wie Twago oder Odesk machen es heutzutage auch für Kleinstunternehmen möglich, Aufträge ins ferne Ausland zu geben und dadurch Kosten zu sparen.

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Dazu kommt, dass  in Deutschland immer mehr Englisch gelehrt wird, sei es in der Schule oder an der Universität. Da Englisch auch in Indien weit verbreitet ist, fällt daher auch die Kommunikation leichter. Auch die neuen Kommunikationsplattformen wie Skype oder Projektmanagement-Tools wie Basecamp vereinfachen die Projektzusammenarbeit.

Gleichzeitig gibt es immer mehr Unternehmen in Indien, die deutschsprachige Ansprechpartner haben. Dies senkt die Hürde zur Zusammenarbeit ungemein.

Fallstricke beim Outsourcing

Ein Großteil der Outsourcing-Vorhaben scheitert jedoch, besonders die von Gründern. Die größten Probleme sind kulturelle Unterschiede, eine andere Geschäftskultur und ein Unwissen über den indischen IT-Markt.

Kulturelle Unterschiede

Sie sind ist einer der Hauptgründe, warum Outsourcing-Projekte im Ausland scheitern. Besonders in Indien ist es zum Beispiel nicht üblich, Probleme direkt anzusprechen. Wenn es hart auf hart kommt, dann tendiert man in Indien dazu, zu sagen: „Yes, no problem, sir“. Man weicht dem Konflikt aus. Auf der anderen Seite tendiert man in Deutschland dazu, die Themen sofort beim Namen zu nennen und die Ansprechpartner damit zu konfrontieren. Dieses Vorgehen ist jedoch fehl am Platz.

Ähnlich wie in Japan kann man Probleme zwar ansprechen, jedoch auf eine Art, auf welcher alle Parteien „das Gesicht wahren“ können.

Geschäftskultur

Auch im geschäftlichen Leben gibt es einige Unterschiede. In Deutschland tendiert man zu sehr flachen Hierarchien, in denen jeder eine gleichberechtigte Stimme hat. Je nach Unternehmen in Indien ist jedoch eher eine sehr hierarchische Struktur wiederzufinden. So hat man es oftmals nicht direkt mit dem Entwickler oder dem Entwicklungsteam zu tun, sondern mit einem Projektleiter, welcher die Anforderungen an die Entwickler weiterkommuniziert.

Hier kann es bereits zu Konflikten kommen, denn je nachdem, wieviele Hierarchien es gibt (neben dem Projektleiter kann es noch Teamleiter, Teamleads et cetera geben), können Fehler in der Weitergabe der Anforderungen passieren. Am Ende kommt bei den Entwicklern etwas ganz anderes an als das, was kommuniziert wurde.

Unwissen über den indischen IT-Markt

Bereits bei der Auswahl der IT-Dienstleister in Indien durch die Gründer scheitern Outsourcing-Vorhaben.

Der indische IT-Markt ist riesig. Es gibt Tausende, wenn nicht sogar Zehntausende von Unternehmen, aus denen man wählen kann. Die Qualität ihrer Dienstleistung unterscheidet sich erheblich. Es gibt Unternehmen, die IT-Dienstleistungen in der gleichen Qualität anbieten können wie Unternehmen aus Deutschland. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, welche eine Niedrig-Qualitäts-/ Niedrig-Preis-Strategie anwenden. Oftmals entscheiden sich Gründer für die letzteren, da nur die Preise verglichen werden. Gut operierende indische IT-Unternehmen werden Aufträge zu sehr niedrigen Preisen nicht annehmen, da diese bereits auf einem internationalen Markt relativ hohe Preise erzielen können.

Erfolgsfaktoren beim Outsourcing für Gründer

Es gibt einige Erfolgsgeschichten, in denen Gründer ihre Software in Indien entwickeln lassen haben und dadurch ihre Ziele erreicht haben. Ein solches interessantes Beispiel ist SlideShare. Es sind jedoch einige Faktoren wichtig, um den Erfolg zu sichern. Diese sind im Folgenden beschrieben.

Klare Beschreibung der Anforderungen

Besonders im Outsourcing müssen Anforderungen genauestens beschrieben werden, nicht zuletzt aufgrund der vielen Hierarchien. Wenn alles genau beschrieben ist, dann kann diese Beschreibung einfach über die vielen Hierarchien hinweg zu den Entwicklern weitergereicht werden. Dadurch vermeidet man Missverständnisse. Denn das gesprochene Wort kann unterschiedlich ausgelegt werden. Besonders, wenn die meisten in diesem Prozess keine Muttersprachler sind, in diesem Fall im Englischen.

Mitverantwortung für das Projekt übernehmen

Sind die Anforderungen einmal beschrieben, übergeben die Gründer meist die komplette Projektverantwortung an das externe IT-Unternehmen. Der Gründer wartet einfach die veranschlagte Projektzeit ab und erwartet zur Projektübergabe das komplette, erfolgreich programmierte Projekt. Solch ein Vorgehen ist zum Scheitern verurteilt, denn auch während des Projektes braucht das IT-Unternehmen ein ständiges Feedback vom Kunden.

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Der Gründer sollte daher auf eine Projektinvolvierung bestehen. Dies kann zum Beispiel auch der Zugang zum Online-Projektmanagement-Werkzeug sein, in welchem die Entwickler miteinander kommunizieren. Da dies auf Englisch geschieht, kann man Fehlentwicklungen bereits hier schnell entgegenwirken.

Der Auftraggeber kann eine Entwicklung in Phasen vereinbaren, sodass er oder sie jeweils einen Teil der Programmierung erhält, um diese dann durchgängig zu testen. Bei Apps gibt es zum Beispiel Crowdtesting-Plattformen wie Testhub, bei denen man die Beta-Versionen von realen Nutzern testen lassen kann.

Offen sein gegenüber Budget-Änderungen

Wenn man sein IT-Partnerunternehmen in Indien sorgfältig ausgewählt hat, wird man einen Partner haben, der ehrlich und offen die Stundenanzahl für die Programmierung bereitstellt. Da solche Unternehmen, in den meisten Fällen, keine Fixpreise vereinbaren, sollte man im Projektverlauf gegenüber zusätzlichen Stundenverrechnungen offen sein.

Gründer stehen diesen Stundenerhöhungen oft sehr skeptisch gegenüber. Man sollte daher bereits im Vorhinein klären, wie genau die Schätzung des Aufwandes ist. Im Idealfall besteht vor dem Start der Programmierung Zeit, um die Anforderungen sehr exakt zu bestimmen.

Fazit

Das Outsourcing nach Indien kann Kosten sparen und qualitativ hochwertige Produktergebnisse bedeuten. Jedoch nur, wenn man sich zuvor zu dem Thema informiert und die ungeschriebenen Regeln der Zusammenarbeit beachtet.

Bild: alexsl / iStockphoto