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Mike Rosenzweig gründete im November 2014 die Motivations-App Pacti. „Die App stillt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit“, sagt er.

„Startup-Held“ Mike Rosenzweig im Interview

Wenn es um Motivation geht, wirkt das Vermeiden von Verlusten stärker als die Aussicht auf einen Zugewinn. Dieses psychologische Phänomen macht sich Mike Rosenzweig mit seiner App Pacti zunutze, die Nutzer beim Erreichen ihrer persönlichen Vorsätze unterstützen will. Mit dem Rauchen aufhören oder regelmäßiger das Fitnessstudio aufsuchen: Wird ein Ziel nicht umgesetzt, geht ein zuvor festgelegter Geldeinsatz – immerhin tröstlich – als Spende an eine wohltätige Organisation.

Bei Anmeldung werden zu Beginn Ziel, Frist, Budget sowie eine Spendenorganisation bestimmt, zu deren Gunsten der Geldbetrag im Falle des Misserfolgs überwiesen wird. Eine eigens ernannte Person aus dem persönlichen Umfeld des Nutzers nimmt im Prozess eine Schiedsrichterposition ein, um Selbstbetrug zu vermeiden und zu entscheiden, ob das gesetzte Ziel am Ende wirklich erreicht wurde. Gut zureden soll solange die Community.

Initiator Rosenzweig ist kein Neuling im Gründungs- und Internetbusiness: Zuvor gründete der gelernte Kommunikationswirt unter anderem eine Agentur für Dialogmarketing, die Entwicklungsschmiede DaWinci und das Onlineportal Hundefutter-Abo.com. In der Reihe „Startup-Helden“ spricht der Hamburger über Motivationstricks und die typischen Vorsätze der Deutschen.

Wie bist Du auf die Idee zu Pacti gekommen?

Wie viele Eltern bin ich damals daran gescheitert, meinen zehnjährigen Sohn zum Aufräumen zu bewegen. Nachdem ich mich ein wenig mit dem Thema Motivation auseinandergesetzt hatte, änderte ich meine Strategie: Anstatt ihm für einen Monat erfolgreiches Aufräumen 40 Euro zu versprechen, händigte ich ihm 40 Euro aus und vereinbarte, jede Woche zehn Euro einzustreichen, sofern das Ziel nicht erreicht wurde – und plötzlich funktionierte es.

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Warum sollten Menschen ihre persönlichen Ziele mit Fremden in einer App teilen, wenn sie sich auch von Freunden motivieren lassen könnten?

Pacti kombiniert im Prinzip die Motivation durch reale Mitstreiter mit dem Erlebnis einer virtuellen Community: Während die Bestimmung eines Schiedsrichters, der die Fortschritte im echten Leben überwacht, den unmittelbaren sozialen „Druck“ garantiert, können sich die Nutzer zusätzlich über die App mit anderen Usern auszutauschen und Erfolge kommunizieren. Beides wirkt letztlich unterstützend.

Warum sollen Nutzer Pacti beim Thema Spenden mehr vertrauen als anderen Portalen?

Alle bei Pacti gelisteten Organisationen sind vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen zertifiziert. Außerdem werden alle Geldtransaktionen regelmäßig stichprobenartig von einem unabhängigen Notar geprüft. Im Vergleich zu vielen Unternehmen hinter anderen Apps ist die Pacti GmbH ein deutsches Unternehmen, sprich, es gelten die hiesigen rechtlichen Bestimmungen.

Du hast auch einen Psychologen mit ins Team geholt. Erhalten alle Nutzer eine psychologische Beratung?

Eine individuelle psychologische Beratung ist momentan nicht vorgesehen. Die Unterstützung durch Professor Hille bezieht sich in erster Linie auf die wissenschaftliche Herleitung des Ansatzes, der Pacti zugrunde liegt. Die App greift willenspsychologische Grundmotive auf und stillt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Auch der Wunsch, Angefangenes abzuschließen wird von der App bedient. Zudem ist der Mensch eine Art „homo oeconomicus“, sprich er wird durch persönliche Vorteile motiviert.

Welche Vorsätze sind denn am „beliebtesten“?

Die beliebtesten Ziele sind absolute Klassiker: Abnehmen, regelmäßig Sport treiben oder aufhören zu rauchen rangieren ganz oben auf der Liste. Aber viele wollen auch einfach ihre Laufzeit beim Joggen verbessern, sich gesünder ernähren oder ihre sozialen Kontakte mehr pflegen. 81 Prozent der Deutschen wollen übrigens an ihrem Lebensstil etwas ändern.

Pacti verdient nur, wenn Nutzer ihre Ziele nicht erreichen. Besonders viel Vertrauen in die Kraft der Nutzer habt ihr aber nicht?

Pacti soll Menschen helfen, ihre Ziele zu erreichen. Der wirtschaftliche Gewinn steht hier ausnahmsweise einmal nicht im Vordergrund. In welchem Verhältnis erreichte Ziele zu nicht erreichten Zielen stehen, muss sich im Übrigen erst noch zeigen. Ich freue mich über beides, denn entweder wird ein Ziel erreicht oder Geld für eine gute Sache gespendet. Da Pacti bislang nur wenige Mitarbeiter hat, reichen wenige „nicht erreichte Ziele“ aus, um kostendeckend arbeiten zu können.

Vielen Dank für das Gespräch, Mike.

Bild: Mike Rosenzweig