Schauspieler Matthias Schweighöfer ist Testimonial für das neue Video-Portal Pantaflix

Als liebestoller Ben gelang Matthias Schweighöfer 2003 der Durchbruch. Im Kinofilm „Soloalbum“ durchlebt der Schauspieler Hochs und Tiefs, pinkelt in einen Porsche und täuscht Selbstmord vor – bis er sich mit seiner angebeteten Katharina (Nora Tschirner) versöhnen kann. Es folgten weitere erfolgreiche Filme, Awards und die Gründung einer eigenen Produktionsfirma – gemeinsam mit Wegbegleiter und Filmproduzent Dan Maag, der die Firma heute alleine führt. Pantaleon Entertainment startete im Jahr 2009 und ist an der Frankfurter Börse derzeit etwa 60 Millionen Euro wert.

Auf der Berlinale hat das Duo Maag-Schweighöfer jetzt ein neues Projekt vorgestellt: eine Video-on-Demand-Plattform für internationale Filme, Pantaflix. Das Portal, das im Frühling live gehen soll, will im Ausland lebenden Expats die Möglichkeit geben, Filme in ihrer Muttersprache streamen zu können. Denn: Die meisten Werke sind über die gängigen Streaming-Portale nicht verfügbar.

Filmproduzent, Pantaflix-Geschäftsführer und Pantaleon-Vorstand Dan Maag

„Wir haben viele Mails von Deutschen im Ausland erhalten, die einen unserer Filme sehen wollten“, erzählt Dan Maag. „Sie konnten die Filme nirgendwo finden, haben uns als Produktionsfirma ausfindig gemacht und angeschrieben. Da steckt also wirklich Mühe hinter.“ Der Produzent merkte, wie viele Expats und Migranten das gleiche Problem haben. „In den USA leben zum Beispiel 2,8 Millionen Chinesen, in Deutschland drei Millionen Türken“, so Maag. Er sieht weltweit eine große Zielgruppe, insgesamt über 100 Millionen Expats.

Gegen Netflix & Co.

Ein solches Portal aufzubauen ist allerdings nicht einfach. Es lebt von Marketing und den Filmen, die für das Portal gewonnen werden können. Gründer Rainer Knebel startete beispielsweise mit 1o1 Media vor einiger Zeit eine ähnliche Idee und durchlief Ende 2013 den Plug&Play-Accelerator. Die Seite ist heute offline. Knebel hat als CTO bei Pantaflix angeheuert und bringt dort sein Wissen ein. Er ist berühmt in der Szene – Knebel war Teil zweier Teams, die in technischen Kategorien mit Oscars ausgezeichnet wurden. „Uns hat er den technologischen Durchbruch gebracht“, so Maag.

Beim Start im Frühling will Pantaflix etwa 4.000 Filme anbieten, insgesamt setzt Maag die Marke von 100.000 internationalen Filmen als Ziel. Die Plattform, eine 100-prozentige Tochter von Pantaleon, setzt unter anderem auf ein Affiliate-Modell: Blogger können Links zu den Filmen in ihre Artikel integrieren, im Gegenzug darf das Unternehmen die Texte der Filmkritiker nutzen. Damit sollen sich die Nutzer besser informieren können.

Diese Promis investieren in Startups:

Pantaflix muss mit Streaming-Giganten wie Netflix, Amazon Prime und iTunes konkurrieren, den Nutzern einen Mehrwert deutlich machen. Gerade Netflix könnte langfristig Pantaflix’ Modell angreifen. Denn CEO Reed Hastings plant, regionale Lizenzen zu überwinden und Serien und Filme global anbieten zu können. Bis das soweit ist, könnte es allerdings dauern. Zudem dürfte der Fokus auf US-Produktionen liegen. Portale wie Pantaflix könnten indes sogar helfen, international einheitliche Verträge zu ermöglichen.

Zunächst wollen Dan Maag und Testimonial Schweighöfer ihren Dienst als Ergänzung zu Netflix & Co. positionieren. Nutzer werden pro Film bezahlen, eine Abo-Gebühr soll es nicht geben. „Der Grund für Piracy ist das Einfordern von Verfügbarkeit“, glaubt Maag. „Die Leute sind schon gewillt zu bezahlen, wenn es denn kein Wucher ist.“

Kill the middlemen

Maag und Schweighöfer wollen mit ihrem Modell noch ganz andere Probleme lösen: die der Filmproduzenten. Die Macher können ihre Werke direkt auf die VoD-Plattform laden, sie legen die Preise für das Ansehen selbst fest. 3,99 Euro schlägt Maag vor, aber er betont, die Entscheidung liege bei den Produzenten. So will Maag ein transparentes Abrechnungssystem schaffen: Pantaflix bekommt 25 Prozent des Preises, der Produzent 75 Prozent.

Anzeige
Normalerweise ist es für Produzenten kompliziert und teuer, ihre Filme über die Grenzen ihrer Heimat hinaus zu bringen. Maag erklärt: „Nachdem man den Film erfolgreich zu Hause beworben hat, muss man versuchen, den Film im Ausland zu verkaufen. Man braucht einen Vertriebsagenten, fliegt um die Welt und spielt den Film lokalen Käufern vor.“ Die Einkäufer vor Ort entschieden sich zumeist aber gegen einen, sehen die Zielgruppe in ihrem Land nicht als groß genug an. Pantaflix soll den Produzenten die Möglichkeit geben, diesen teuren Prozess zu umgehen und den Film auch an die kleineren Zielgruppen zu bringen.

Durch Mittelsmänner komme zudem häufig nur noch wenig Geld bei den Filmproduzenten an – wenn sie es schaffen, ihren Film doch zu verkaufen. Maag glaubt, der Filmmarkt sei einer der letzten nicht globalisierten Märkte. Das will er ändern: „Filmrechtehändler haben im digitalen Zeitalter gar keine Relevanz mehr.“ Pantaflix könne die Film-Distributionswelt verändern. „Und die Probleme lösen, die wir haben“, sagt der Produzent. Das Portal liberalisiere die Künstler – mit einer klaren Marschroute: Kill the middlemen.

Bilder: Pantaleon