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So sieht Alina aus – das Gerät, das für schnelles Surfen auf dem Mond sorgen soll

Auf dem Mond könnte es früher schnelles Internet geben als in mancher Region Deutschlands. Spätestens bis Mitte 2018 ist der Start der spektakulären Mondmission des privaten deutschen Forscherteams Part Time Scientists geplant. Dann sollen zwei Minielektrorover mit Audi-Logo elf Tage auf dem Mond herumfahren und dabei bis zu zwölf Kilometer zurücklegen.

Zur Erde sollen gestochen scharfe Bilder geschickt werden. Dazu soll mit Hilfe des Mobilfunkkonzerns Vodafone auf dem Mond rund um den Landeplatz eine superschnelle Internet- und Datenverbindung geschaffen werden. „Mit jeder weiteren Mission entsteht dann ein Internetnetz auf dem Mond“, sagt der 31-jährige Forscherchef Robert Böhme.

Vodafone ist nach Audi der zweite Großsponsor und Technikhilfelieferant für die private Mondmission. Auf der Cebit-Messe in Hannover stellt der Mobilfunkanbieter jetzt Einzelheiten für die „offen nutzbare LTE V-X Infrastruktur“ vor. Wenn eines Tages LTE-Netze auf dem Mond existieren, „könnte sich ein Astronaut ins Internet einloggen“, sagt Böhme.

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„Wir müssen weg von den Flaggenmissionen“

Die moderne LTE-Vehicular-Technologie wird derzeit auf der Erde bei der Vernetzung von Autos getestet. In ähnlicher Weise sollen auch auf dem Mond die zwei unbemannten Rover kommunizieren, wenn sie sich vom Landevehikel Alina entfernen und dann gegenseitig eine Sende- und Empfangsstation bilden. Das Hauptziel der Mission ist die Analyse der Überreste des vor 44 Jahren abgestellten Mondfahrzeugs von Apollo 17.

Forschergruppenchef Böhme spricht von skurrilen Erlebnissen bei der Vorbereitung der Mission. So habe es bei den Behörden zur Anmeldung der Sendefrequenzen „kein Formular für den Mond“ gegeben. Der Forscher spricht sich für eine „offene und nachhaltige Erkundung des Mondes“ ohne nationale Eigeninteressen aus.

„Wir müssen weg von den Flaggenmissionen“, sagt er und spielt damit auf die bemannten Apollo-Missionen an, die jeweils US-Flaggen in den Mondstaub rammten. Statt nationaler Flaggen wird bei der privaten Mondmission aber das Logo des Sponsors Vodafone groß auf dem Landevehikel Alina angebracht, und die kleinen Mondrover fahren für Werbezwecke mit dem Audi-Logo.

Alina soll die Rover auf den Mond bringen

Das Berliner Startup Part Time Scientists hatte sich ursprünglich an dem vor zehn Jahren gestarteten 30-Millionen-Dollar-Wettbewerb Lunar X-Prize des Technikkonzerns Google beteiligt. Das hohe Preisgeld wurde für die erste private Mondlandung samt Bilderübertragung zur Erde ausgeschrieben.

Doch alle teilnehmenden Teams kämpfen mit Projektverzögerungen. Auch Google verschob gnädig die Realisierungsfrist – zuletzt auf Ende 2017. Als das deutsche Team im vergangenen Jahr keinen sicheren Raketenstart in der Frist nachweisen konnte, kamen die deutschen Forscher nicht in die Endrunde mit noch fünf Teams.

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Böhme zweifelt jedoch, ob tatsächlich ein privates Konkurrenzteam schneller als die Part Time Scientists auf dem Mond landet und das Millionenpreisgeld kassiert. „Wahrscheinlich sind wir doch die Ersten – auch wenn es schade ist, dass wir nicht mehr im Google-Wettbewerb sind“, sagt Böhme. Zu den genauen Missionskosten oder der Höhe der Sponsorengelder von Audi, Vodafone und weiteren Unterstützern werden keine Angaben gemacht.

Das deutsche Team will beim Start ins All im nächsten Jahr eine Falcon-9-Rakete des US-Unternehmers Elon Musk nutzen. Das Mondlandevehikel Alina mit den zwei Minirovern im Bauch wiegt samt Treibstoff beim Start etwa 1,2 Tonnen. Alina ist zwei Meter breit und 1,8 Meter hoch und fliegt auf der Rakete als Co-Passagier neben einem schweren Forschungssatelliten. Während der Forschungssatellit die Erde umkreist, soll Alina mit eigenem Antrieb den Mond ansteuern und dort sanft landen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt Online.

Bild: Vodafone