Partech Growth Fund

Partech Ventures: Later-Stage-Kapital aus Frankreich

Geld für frühe Finanzierungen gibt es in Europa derzeit genug, da scheint sich die Szene überwiegend einig zu sein. Allein bei den Folgerunden sieht es mitunter mau aus – wer größere Summen braucht, muss meist bei Geldgebern aus London oder den USA vorstellig werden. Ein Missstand, den der aus Frankreich stammende und zudem in Berlin und San Francisco ansässige Startup-Geldgeber Partech nun ändern will: Mindestens 200 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren investiert werden.

Mit dem neuen Fonds will Partech, hierzulande bekannt etwa durch Engagements bei Wundercar, Auxmoney oder Lesara, bei schnell wachsenden Technologie- und Digitalunternehmen einsteigen (oder nachlegen), die „bereits signifikante Umsätze erzielt haben“. Zwischen zehn und 30 Millionen Euro will der französische VC bereitstellen, die gesamte Runde könnte dann zwischen 20 und 50 Millionen Euro umfassen.

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In diesem Bereich sieht Partech-Investor Gabriel Matuschka eine deutliche Finanzierungslücke. Zwar sei es heute leichter als je zuvor, ein Unternehmen zu starten. Allerdings müsse man, um wirklich große Finanzierungen bekommen zu können, bereits (pan-)europäisch aufgestellt sein. Genau diese Lücke soll der neue Fonds schließen, erklärt er gegenüber Gründerszene.

Generell beobachtet Matuschka einen Trend zu größeren Finanzierungen europäischer Startups. Dabei nehme allerdings nicht unbedingt die Zahl von Runden im Bereich von etwa zehn Millionen Euro zu – immer zahlreicher seien stattdessen Investitionen von 30 Millionen Euro und mehr.

Der neue Fonds ergänzt die beiden bisherigen Partech-Geldtöpfe. Der VC verfügt über einen Seed-Fonds für frühe Investments sowie einen 130 Millionen Euro schweren Venture-Fonds, Partech IV, der auch weiterhin für die erste Anschlussfinanzierung genutzt werden kann.

Das deutsche Team, bestehend aus Matuschka und Otto Birnbaum als sogenannte Principals, wird den deutschen Markt auch für Investments des neuen Growth-Funds beobachten. Für die Transaktionen selbst wurden aber mit Omri Benayoun, Bruno Crémel und Mark Menell drei neue Senior Partner an Bord geholt. Das Trio werde die Investments in Europa und den USA managen.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Analyse: Endlich – die großen Finanzierungen und Exits sind da!

Eine feste geografische Verteilung werde es nicht geben, so Matuschka. In der Vergangenheit habe Partech zu etwa 80 Prozent in europäische und zu 20 Prozent in US-amerikanische Startups investiert. In etwa diesem Verhältnis sei auch die Tätigkeit des Wachstumsfonds zu erwarten. Entscheidend seien aber die Investment-Opportunitäten, betont Matuschka.

Partech Growth wird nach Angaben des VCs von großen Investoren unterstützt: durch die Förderbank Bpifrance etwa, die im Auftrag der französischen Regierung im Rahmen des „Investitionen-in-die-Zukunft-Programms“ investiert hat, sowie CNP Assurances und AG2R La Mondiale. Auch große globale Industriekonzerne wie Carrefour, Ingenico Group und Renault sind dabei.

Bereits nach vier Monaten habe man das erste Closing des Fonds erreicht, heißt es von Partech. Das Interesse an höhervolumigen Startup-Investitionen ist also hoch. Mit Index Ventures oder Accel Partners sind zwar schon Geldgeber auch für größere Finanzierungen am Markt. Das könne aber nicht reichen, um den ganzen europäischen Markt abzudecken, sagt Gabriel Matuschka. Und es könne nicht sein, das Startups erst nach London gehen müssten, um eine zweistellige Finanzierung zu bekommen.

Bild: © panthermedia.net / Nikita Sobolkov