Die PayOrShare-Gründer Fiona Brandes und Max Fielker

PayOrShare: Biete Facebook-Post für Discount

So viele Möglichkeiten das Internet auch bietet – für viele Anbieter von digitalem Content ist es ein Albtraum. Denn mit der Zeit hat sich man sich daran gewöhnt, dass dort fast alles umsonst ist. Immer.

Daran sind sicherlich auch die Content-Anbieter Schuld, denn ihnen fehlten die Ideen, wie aus dem Netz Profit zu schlagen ist. Seit aber klar ist, dass das Internet nicht mehr verschwinden wird, machen sich immer mehr Player Gedanken, wie man Online-Content monetarisieren könnte. Online-Medien zogen Paywalls hoch, Startups wie der niederländische Digital-Kiosk Blendle erfanden neue Lösungen. Bei Blendle gibt es eine Art Meta-Paywall, hinter der es Zugriff auf Texte aller großen Magazine und Zeitungen des Landes gibt.

Einen anderen Weg geht das im Januar gelaunchte Hamburger Startup PayOrShare. Die Idee ist einfach: Nutzer können auswählen, ob sie lieber für den Content bezahlen oder ihn stattdessen über soziale Netzwerke teilen möchten. Ein Beispiel: Ein Leser möchte auf einen Artikel zugreifen, der hinter einer Paywall steckt. Er kann dann entscheiden, den Artikel zu teilen – denn dann kann er ihn lesen, ohne bezahlen zu müssen. Will der User nicht für die Firma werben, kann er immer noch „traditionell“ bezahlen.

Das Ergebnis: Zahlfaule Leser können trotzdem auf den Artikel zugreifen, für das Unternehmen wird geworben. „Ein großer Teil der Paywall-Erlöse fließt ohnehin wieder in Marketing-Maßnahmen“, meint Fiona Brandes, CMO und Mitgründerin des Startups. „Warum sich also nicht ohne Umwege in wertvollen Empfehlungen bezahlen lassen?“

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Prominente Unterstützung

Im Moment bietet das im Sommer 2014 gegründete Startup seine Viralmarketing-Lösung unter anderem Verlagen, Games- oder E-Commerce-Anbietern an. Teilen können die Nutzer über Xing, LinkedIn und Facebook. Laut Gründerin Brandes kann bald auch getwittert werden. Auch Pinterest und Instagram sollen integriert werden.

Zum Start kann PayOrShare schon namhafte Investoren vorweisen: Jan Honsel etwa, der Deutschlandchef von Pinterest, Games-Legende Heiko Hubertz oder Felix Menden, CTO bei Wer liefert was. Auch Katharina Wolff, Gründerin der Personalberatung Premium Consultants, ist investiert – sie hatte auch die Idee für PayOrShare. Wolff brachte Brandes und den zweiten Gründer Max Fielker zusammen.

Schon bald soll es noch mehr Geld geben: Die nächste Finanzierungsrunde stehe für Mitte des Jahres an, so Brandes. Bis dahin gehe es erst einmal darum, in allen Branchen Erfahrungen zu sammeln und das Produkt weiterzuentwickeln. Danach soll das Team vergrößert werden. Bislang werkelt das Startup zu fünft.

Am Ende geht es doch ums Zahlen

Virales Marketing wie bei PayOrShare ist in Deutschland bisweilen umstritten, solche kundengesteuerte Werbung kann unter Umständen als Schleichwerbung angesehen werden. So muss zum Beispiel klar erkennbar sein, ob der Nutzer aus freien Stücken postet, oder ob er von Rabatten beeinflusst wurde. Das ist bei PayOrShare schwierig zu differenzieren, denn hier können Nutzer ihre eigene Message mit dem Link teilen. Brandes ist aber zuversichtlich: „Mit drei Juristen an Bord ist dieses Feld von uns bestens besetzt. Wir haben die Gesetzeslage im Blick und sorgen dafür, dass unser Produkt immer den aktuellen Maßgaben entspricht.“

Unternehmen will PayOrShare auch Reports anbieten, mit Daten über die Beliebtheit von Aktionen oder Analysen bestimmter Posts. Das erleichert die Evaluierung von Marketingkampagnen.

Mit seinem Konzept ist PayOrShare nicht allein. Ebenfalls aus Hamburg statt Pay with a Tweet, das mit der Unterstützung von Hanse Ventures im vergangenen Jahr aus seiner vierjährigen Beta-Phase erwachte und kürzlich seine Geschäftsführung um Aaron Keilhau erweiterte.

Bei PayOrShare geht es aber nicht nur um die Zahlungsalternative des Teilens: Das Startup will seine Kunden schrittweise an die Monetarisierung annähern. Denn für Marketing-Unternehmen und Content-Anbieter sei das größte Problem, überhaupt erst einmal den richtigen Preis zu finden, so Brandes. Damit seien viele schon überfordert: „Langfristig ist unsere Vision, Plattformen für Gaming, Video oder Artikel ein optimiertes Echtzeit-Pricing anzubieten, um zwischen Teilen und Zahlen den optimalen Preispunkt für ihre Inhalte zu finden und automatisiert anzupassen. Den Wert für digitale Inhalte zu bestimmen ist eine Herausforderung.“

Bild: Payorshare