Gerade findet in Kalifornien das dritte Valley Camp statt: Deutsche Gründer, Unternehmer und Investoren sind in San Francisco und im Silicon Valley unterwegs, um neue Kontakte zu knüpfen. Gründerszene begleitet sie dabei.

Der Einkauf der Zukunft

Ein paar Schritte in der Lobby, dann durch eine unauffällige Tür irgendwo schräg hinten – schon steht die Besuchergruppe mitten drin in PayPals Miniatur-Mall. Mitten auf dem Campus, das sich das Unternehmen in San Jose mit Ebay teilt  – ein Areal, das immerhin so groß ist, dass versprengte Gäste mit kleinen Golfwägelchen zur Restgruppe zurücktransportiert werden –, hat Paypal sich eine detailvernarrte Kulisse gebaut, eine realistische Bühne, um dort die Unternehmensvisionen vom Einkauf der Zukunft aufzuführen. Im September hat das Unternehmen seine re-designte Mobile-Payment-App gelauncht, hier ist nun der Spielplatz, um ihre Möglichkeiten auszuschöpfen.

Niemand hat die Absicht, einen Burger zu braten

Es gibt ein Burgerrestaurant, einen – aus unerfindlichen Gründen deutschen – Gitarrenladen, ein Obst- und ein Outdoorgeschäft und sogar ein angedeutetes Footballstadion. Allerdings werden hier niemals wirklich Fleischbatzen gebraten oder Fleece-Scheußlichkeiten verkauft, die Shopkulissen dienen nur der Demonstration: Partnerunternehmen und Einzelhändler können hier erleben, wie sich Einkaufen anfühlen kann, wenn Paypal als Zahlungsmittel von der digitalen in die physikalische Welt wandet.

In PayPals Muster-Burgerbude

Während PayPal online gerade mächtige Konkurrenz von Amazon bekommt, arbeitet das Unternehmen mit seiner neuen App-Version weiter daran, sich als mobile Bezahlmöglichkeit auch in traditionellen Ladengeschäften  zu etablieren.

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Zwei muntere Mitarbeiter spielen die Situationen für die Besucher in den Showcase-Kulissen durch und tippen auf überdimensionierte Smartphones, um die einzelnen Schritte zu demonstrieren.

Zum Beispiel im Burger-Restaurant, wo der Gast schon mit der PayPal-App einchecken kann, bevor der den Laden wahrhaftig betritt – und das Personal damit in Aufruhr versetzt, denn mit dem Check-in poppt im Lokal auch die Besuchshistorie des Gastes auf: Wer nach langer Zeit mal wieder vorbeischaut, könnte dann besonders zuvorkommend bedient und mit einer Willkommens-Gratisportion seiner Stammvorspeise umschnurrt werden.

Detailverliebte Kulissenbauer

Anschließend kann der Gast über die Paypal-App zum Beispiel selbständig Getränke nachordern und muss auch beim Bezahlen nicht umständlich nach dem Kellner winken, sondern kann einfach über das Smartphone zahlen. Für manche der perfekte Restaurantbesuch, für andere eine Grauensvorstellung. Und bereits Realität in einigen Restaurants im Silicon Valley und in San Francisco (zum Beispiel im Pacific Catch und der 21 Amendment Brewery).

Dein Supermarkt weiß, was du brauchst

Der sensible Supermarkt weiß um die Wurstvorlieben seiner Kunden.

Laden für Laden führen die PayPal-Guides bei ihrer Showcase-Runde die verschiedenen denkbaren Variationen dieses Prinzips vor:  Im Supermarkt kann man seinen Schinken auf Vorbestellung hauchdünn schneiden lassen und an der Kassenschlange vorbeispazieren, während man seine Waren selbständig mit dem Smartphone scannt und bezahlt – und sich von der App Menüvorschläge, passend zum Einkauf, und Sonderangebote, ausgewählt nach den bevorzugten Produkten, vorschlagen lässt (in Läden wie Home Depot werden diese Funktionen in der Bay-Area schon in der Praxis erprobt). Rabatte und Treuepunkte winken als Belohnung.

Im Footballstadion kann man sich Wurst und Bier direkt an den Tribünenplatz liefern lassen. Und wenn man sich mit einer Freundin über die PayPal-App zum Joggen verabredet, checkt die Anwendung den Wetterbericht – und drängt einen im Bedarfsfall sanft dazu, sich noch rasch eine wetterfeste Jacke liefern zu lassen.

Man klampft deutsch: Der Fake-Gitarrenladen in der PayPal-Mall ist aus rätselhaften Gründen ein deutsches Geschäft.

Viel Aufwand also, um PayPal als Zahlungsmittel der Wahl für das Offline-Shopping zu promoten. Beim PayPal-Hausbesuch gab es dann allerdings doch einen anderen Gebäudeteil, der mehr beeindruckte: Die Kommando-Zentrale, in der Fotos leider strengst untersagt sind – der vielen übersensiblen Zahlungsdaten wegen, die als zackige Kurven über die Wand-füllenden Leinwände flimmern.

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Kein Tageslicht fällt auf die halbkreisförmig angeordneten Stufen, auf denen die Schreibtische der Datenleser und Programmierer, die außer auf die Wandmonitore noch jeweils auf fünf Tischbildschirme gleichzeitig starren. „PayPal Enterprise“ steht auf einer Tafel, und in dieser Umgebung denkt man bei diesem Wort tatsächlich eher an ein Raumschiff als an ein Unternehmen. Ganz vorne im Raum, an der Spitze der Kommandozentrale, steht ein veritabler Imperator-Sessel, mit allerlei blinkenden Schaltern und Sternenkrieg-Gepränge.

Wer hier denn für gewöhnlich sitze, möchte ein Valley-Camp-Teilnehmer vom PayPal-Guide wissen. Eigentlich niemand, antwortet der – den Commander-Thron hätten sie nur so zum Spaß eingebaut, um die Raumschiff-Kommandobrückenkulisse perfekt zu machen.

Fotos: Anke Vera Zink